Sonntag, 18. November 2018
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Soldaten des Neuburger Luftwaffengeschwaders sichern seit zwei Wochen den baltischen Luftraum ab

Einsatz in brisantem Umfeld

Neuburg/Ämari
erstellt am 13.09.2018 um 15:59 Uhr
aktualisiert am 17.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ämari/Neuburg (DK) Die ersten Wochen im Auslandseinsatz im Baltikum sind für die Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus Neuburg überwiegend problemlos gelaufen. Die Arbeit auf dem Flugplatz in Ämari in Estland spielt sich ein. Ein gewisser Druck ist dennoch zu spüren, wie aus dem Kontingent zu erfahren ist.
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Erster Alarmstart im Baltikum: Ein Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 ist am 5. September von der Ämari Air Base in Estland gestartet. Bis Ende Januar sind die Neuburger Soldaten im Baltikum.
Erster Alarmstart im Baltikum: Ein Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 ist am 5. September von der Ämari Air Base in Estland gestartet. Bis Ende Januar sind die Neuburger Soldaten im Baltikum.
Luftwaffe/Niels Juhlke
Neuburg/Ämari
Der Auftrag in der Ferne ist für die deutschen Soldaten alles - nur kein Kinderspiel. Denn ebenso wie in der Heimat ist der Verband auch im Baltikum dafür verantwortlich, den dortigen Luftraum mit einer Alarmrotte abzusichern. Rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag. Air Policing - also eine Art Luftpolizei - lautet der Auftrag, an dem sich die Bundeswehr im Zuge der gleichnamigen Nato-Mission beteiligt. Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg ist bereits zum fünften Mal dabei.

Seit Ende August läuft der Einsatz auf dem Flugplatz Ämari, der einige Kilometer außerhalb der estnischen Hauptstadt Tallinn liegt. "Wir sind derzeit noch im Aufbau beziehungsweise mit der Prüfung befasst, damit alle Systeme einwandfrei laufen", erklärt Oberstleutnant Swen Jacob, der das deutsche Kontingent im Baltikum derzeit leitet. Sobald diese Eingewöhnungsphase abgeschlossen ist, wird ein Teil des deutschen Personals seinen Worten zufolge wieder in die Heimat zurückkehren. Gut 160 Soldaten aus allen Bereichen der Bundeswehr werden dann im Baltikum bleiben, um den Auftrag dort zu erfüllen.
Ankunft: Mit einer A400M sind die Soldaten aus Neuburg nach Ämari geflogen.
Ankunft: Mit einer A400M sind die Soldaten aus Neuburg nach Ämari geflogen.
Luftwaffe/Niels Juhlke
Neuburg/Ämari



Fünf Eurofighter sind dazu im Baltikum, eine sechste Maschine steht für den Notfall auf dem Neuburger Flugplatz bereit. Bis Ende Januar müssen die Kampfjets mit ihren Piloten den Luftraum absichern, dann übernimmt der Schwesterverband des in Norddeutschland stationierten Taktischen Luftwaffengeschwaders 71. Unterstützung gibt es durch einen belgischen Verband, der im litauischen ?iauliai stationiert ist. Die Arbeit mit den Maschinen läuft Jacob zufolge bislang völlig problemlos. "Das Waffensystem Eurofighter arbeitet hier genauso wie in der Heimat", sagt er. Eine Besonderheit sei aber, dass durch den Rund-um-die-Uhr-Betrieb auch mal Reparaturen mitten in der Nacht stattfinden müssen.

Ein großes Lob spricht der Oberstleutnant den Gastgebern in Estland aus. Diese seien "dankbar, dass wir diese Aufgabe hier übernehmen und unterstützen uns wo immer es möglich ist", berichtet er. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass in einem umfangreichen Vertrag geregelt ist, welche materielle und finanzielle Unterstützung Estland dem deutschen Militär zukommen lässt - und das sei kein geringer Umfang. Positiv werten die Mitglieder des Einsatzkontingents auch die Arbeitsweise der estnischen Soldaten. Diese seien sehr pragmatisch, zielorientiert und hochprofessionell, erklärt Jacob. "In vielen Punkten haben sie auch gleiche Vorstellungen von der Art und Weise, wie man etwas angeht." Sprachliche Barrieren gibt es unterdessen kaum, auf Englisch oder teilweise auch auf Deutsch funktioniert die Kommunikation in Ämari reibungslos. Dadurch haben sich Jacob zufolge anfangs auch kleine Schwierigkeiten bei den technischen Anbindungen oder durch bürokratische Hürden rasch lösen lassen.

Mit dem Alltag in Neuburg ist das Leben in Estland aber natürlich nicht ganz vergleichbar. "Es sind derzeit arbeitsreiche Tage und Wochen, die weit über das Arbeitspensum im Heimatverband hinausgehen", stellt Jacob klar. Entsprechend nötig haben die Soldaten auch dort ihre Freizeit. Ein Vorteil ist dabei die Lage der baltischen Staaten, die zwar Ausland, aber noch immer Europa sind. Der Kulturschock sei daher sehr gering gewesen, sagt der Chef des Kontingents. "Estland ist ganz nah an Skandinavien, das macht es eher einfach sich einzugewöhnen." Das politisch brisante Umfeld mit der unmittelbaren Nachbarschaft zu Russland sowie der Nähe zur Exklave Kaliningrad stellt dennoch eine Herausforderung für die Soldaten dar. "Es lastet ein gewisser Druck auf den Kontingentangehörigen", weiß Jacob. Immerhin könnte schon der kleinste Fehler im Handeln oder Verhalten große Folgen haben.
 

DIE MISSION

Die Nato-Mission "Verstärktes Air Policing" läuft seit dem Jahr 2004. Ziel ist die Überwachung und der Schutz des Luftraums der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Stützpunkte für die Nato-Streitkräfte sind der Flughafen ?iauliai (Litauen) und der Luftwaffenstützpunkt Ämari (Estland). Ursprünglich sollten die baltischen Luftstreitkräfte bis heuer in der Lage sein, diese Aufgabe selbst zu übernehmen. Weil das nicht geklappt hat, geht der Einsatz auf unbestimmte Zeit weiter.
Stefan Janda
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