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Rückgang ist auch bei häufigen Arten zu beobachten

Die Vögel werden weniger

Neuburg
erstellt am 12.02.2018 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 16.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Trotz Rekordbeteiligung wird bei der gemeinsamen Mitmachaktion "Stunde der Wintervögel" von Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Naturschutzbund (NABU) deutlich, dass im Freistaat insgesamt immer weniger Vögel beobachtet werden.
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Zeigt im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen keine gravierenden Schwankungen: die Blaumeise.
Zeigt im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen keine gravierenden Schwankungen: die Blaumeise. 701 Exemplare wurde bei der Stunde der Wintervögel gezählt.
Andreas Giessler/LBV
Neuburg
Zwar zählten bayernweit erstmalig über 32 000 Teilnehmer insgesamt über 760 000 Vögel, sie sahen im Durchschnitt aber nur noch 34 gefiederte Gäste pro Garten. Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen haben sich 189 Vogelfreunde an der Zählung beteiligt und insgesamt 6494 Vögel gezählt, das sind pro Garten im Durchschnitt 46 Stück.

Immerhin wurden in der Geschichte des Bürgerforscher-Projekts noch nie so viele Stare beobachtet wie Anfang Januar 2018. Was sich bereits zur Zwischenbilanz angekündigt hatte, bestätigt der Vogel des Jahres eindrucksvoll im diesjährigen Endergebnis: Mit knapp 6500 Exemplaren wurde eine Rekordzahl von Überwinterern gezählt. Damit verfehlte der Star sogar nur um einen Platz die Liste der 20 am häufigsten beobachteten Vögel im Freistaat. Nach einem starken Einbruch im Vorjahr führt die Kohlmeise diese wieder vor Haus- und Feldsperling an.

Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen haben 189 Vogelfreunde an der Zählung teilgenommen. Dabei wurde im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von zehn Prozent und mehr bei folgenden Vogelarten festgestellt: Rabenkrähe, Elster, Buntspecht, Kleiber, Eichelhäher, Sumpfmeise, Tannenmeise, Stieglitz, Dompfaff, Kernbeißer, Schwanzmeise, Erlenzeisig, Bergfink und Grünspecht. Um mehr als zehn Prozent weniger als im Vorjahr ergaben die Zahlen für: Amsel, Rotkehlchen, Goldammer, Zaunkönig, Weidenmeise, Mäusebussard, Turmfalke, Wacholderdrossel, und Silberreiher.

Im Freistaat werden insgesamt immer weniger Vögel gezählt. Beunruhigend sind für den LBV die Abwärtstrends bei Buch- und Grünfink (6. und 7. Platz). Ihre Zahlen nehmen zwar langsam, dafür aber seit Jahren stetig ab. "Bei beiden Vogelarten lässt sich ein trauriger Trend erkennen. Der Grünfink ist seit 2014 fast nur noch halb so oft in Gärten gezählt worden", so Martina Gehret, die LBV-Beauftragte für Citizen Science. Auch der Rückgang von typischen Feldvögeln wie der Goldammer, die im Vergleich zum Vorjahr fast 40 Prozent abnahm, bereitet dem LBV große Sorgen (23., Vorjahr 14.). "Als typischer Vogel der Ackerlandschaft machen der Goldammer der zunehmende Flächenfraß, Monokulturen, der Einsatz von Agrargiften in der Landschaft und die Zerstörung von Randgehölzen und Sträuchern schwer zu schaffen", erklärt Gehret.

Angesichtes des milden Winters haben sich einige Zugvogelarten die weite Reise nach Süden gespart. Solange der Boden nicht gefroren ist, finden sie immer noch Nahrung. "Je milder das Wetter in einer Region, desto mehr Überwinterer haben die Teilnehmer beobachtet", sagt Martina Gehret. So wurden die meisten Stare im nördlichen Bayern gezählt. In Unterfranken belegt er deshalb Rang 7, in Aschaffenburg war er sogar der dritthäufigste Vogel. "Ebenso auffällig waren bayernweit die vermehrten Meldungen von Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Hausrotschwanz und Bachstelze, die wie der Star zu den Kurzstreckenziehern gehören", weiß Gehret.

Diese Vögel reagieren oft sehr spontan auf die jeweilige Witterung. Bei einem plötzlichen Wintereinbruch ziehen sie kurzfristig in wärmere Regionen. "Wenn das Wetter weiterhin mild bleibt und der Winter nur regional, vereinzelt und kurz vorbeischaut, könnten die Daheimbleiber auch ihren Brutbeginn vorverlegen", sagt Martina Gehret. Umso gefährlicher sind aber dann ein später Wintereinbruch oder Spätfrost. "Bei Vogelarten, die nur einmal im Jahr brüten, könnte das zu einem kompletten Brutausfall führen."

Nach dem Ausbleiben im Vorjahr sind die Meisen wieder da. So hat nicht nur die Kohlmeise die Spitzenposition zurückerobert, auch Blau-, Sumpf,-, Tannen und Haubenmeisen wurden wieder weitaus häufiger gezählt als noch 2017. Der Einbruch wurde im Laufe des Jahres wieder vollständig ausgeglichen. Trotz rückläufiger Gesamtbestandszahlen lieferten sich Haus- und Feldsperling ein spannendes Kopf- an-Kopf-Rennen um die Positionen 2 und 3. Mit etwas Abstand dahinter landet die Blaumeise auf einem soliden 4. Platz. Weit abgehängt wurde dagegen die Amsel auf Rang 5. Derartige Schwankungen gab es aufgrund verschiedenster Faktoren jedoch schon in der Vergangenheit und sind noch kein Grund zur Beunruhigung.

Rekordverdächtig in diesem Jahr sind auch die Meldungen von Spechten. So wurde der Buntspecht so häufig und in so vielen Gärten wie noch nie beobachtet und schaffte es fast in die Top Ten (11.). Aber auch seine Verwandten wie Grün-, Mittel- und Kleinspecht wurden häufiger gesichtet. "Perfekte Witterungsbedingungen und die damit verbundenen zahlreichen Borkenkäferarten bescherten den Spechten viel Nahrung und somit ein erfolgreiches Brutjahr", erklärt die Forstingenieurin.

In vielen Großstädten lagen die Zahlen besonders niedrig. Mit im Schnitt nur 21 Vögeln pro Garten ist München erneut die vogelfeindlichste Stadt Deutschlands.

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