Sonntag, 15. Juli 2018
Lade Login-Box.

Stadt will Sichtschutz roden, um Straße zu verbreitern - Aktion auf Oktober verschoben

Die Hecke darf noch einmal grünen

Neuburg
erstellt am 16.04.2018 um 16:49 Uhr
aktualisiert am 20.04.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (kpf) Ratlosigkeit bei den Bewohnern des Mehrparteienhauses in der Gustav-Philipp-Straße 21. Ihre Hecke zur Hieselwirtsgasse hin dient als Sichtschutz, schafft etwas Intimität und gewährt Vögeln Lebensraum. Jetzt sollen die Büsche weg. Die kurzfristig anberaumte Aktion der Stadt wurde aber gestern abgeblasen - verschoben auf Oktober.
Textgröße
Drucken
Die Hecke im Hintergrund muss weg, weil die Hieselwirtsgasse verbreitert werden soll. Den Bewohnern des Hauses an der Ecke Gustav-Philipp-Straße gefällt das nicht.
Die Hecke im Hintergrund muss weg, weil die Hieselwirtsgasse verbreitert werden soll. Den Bewohnern des Hauses an der Ecke Gustav-Philipp-Straße gefällt das nicht.
Frank
Neuburg
Mieterin Petra Stadler schaut etwas verunsichert. Freitagabend hat sie erfahren, dass Anfang der Woche die Rodung beginnen soll. Die Hecke steht einer Verbreiterung der Hieselwirtsgasse im Weg. Sie wartet am Montagvormittag auf Zweiten Bürgermeister Rüdiger Vogt, will ebenso wie andere Mieter mit ihm über die Situation sprechen. Doch Vogt kommt nicht. Eine Telefonat im Rathaus bringt dann Klarheit: Die Rodung ist abgeblasen. Erst im Herbst soll die Hecke weg.

Wie so oft in solchen Fällen ist die Lage etwas verworren. Verschiedene Büsche ziehen sich entlang der Hieselwirtsgasse im Garten des Acht-Parteien-Hauses hin, bilden einen schönen Sichtschutz, sind Lebensraum für Vögel und Insekten. Die Hecke gehört zwar den Bewohnern, die dafür Geld in die Hand genommen haben und wird von ihnen gepflegt, steht aber kurioserweise auf städtischem Grund. Einen etwa zwei Meter breiten Streifen hat sich die Stadt schon vor langer Zeit abtreten lassen. Weiter hinten in der Hieselwirtsgasse wird gebaut, im Straßenuntergrund sind gerade die Stadtwerke mit dem Bau von Versorgungsleitungen am Werk. "Dadurch hat sich die Möglichkeit ergeben, die Hieselwirtsgasse zu verbreitern", erklärt der städtische Rechtsdirektor Ralf Rick.

Nachdem der Grund der Stadt gehört, ist die Rechtslage eindeutig. Ebenso eindeutig ist aber auch das Bundesnaturschutzgesetz, dass eine Rodung zwischen 1. März und 30. September untersagt - auch der Stadt. Dass trotzdem losgeholzt werden soll, verstehen Eduard und Heidi Loderer nicht. Sie sind stellvertretend für ihren Sohn zum Ortstermin gekommen. Eduard Loderer hat etwas für die Natur übrig. "Eine Bekannte wollte einen Baum entfernen, das hat die Stadt Neuburg untersagt", berichtet er. Und hier solle das Gesetz nicht gelten? Er hat kein Verständnis dafür. Auch wenn der städtische Grünfachmann die Hecke nach Vogelnestern abgesucht und keine gefunden hat, sind die Büsche nach Ansicht Loderers doch Rückzugs- und Ruheraum für die Tiere. "Wir haben auch Igel im Garten", erzählt Albert Wagner. Und der Igel ist ein Heckentier, wie schon Grundschüler wissen.

Kurzfristig erschien auch Christina Kramschuster von der Unteren Naturschutzbehörde am Ort des Geschehens. Auf einen Vertreter der Stadt wartete sie ebenfalls vergebens, erklärte aber: "Wir werden die Rodung versagen. Das geht jetzt nicht."

So weit ist es dann nicht gekommen. Ein offizieller Verwaltungsakt war gestern Vormittag nicht notwendig. Als die Anwohner eine halbe Stunde vergeblich gewartet hatten, rief Petra Stadler im Rathaus an und bekam die Auskunft, die Rodung sei auf Oktober verschoben.

"Die Anlieger sind äußerst kurzfristig informiert worden", räumt Rechtsdirektor Ralf Rick ein. "Man hätte früher mit ihnen sprechen sollen." Aber arbeitstechnisch wäre die Verbreiterung der Gasse jetzt ideal im Zeitplan gewesen. Was die Rodung betrifft, ist Rick sicher, dass die Stadt eine Sondergenehmigung erhalten hätte. "Auch für uns gilt das Bundesnaturschutzgesetz." Zweiter Bürgermeister Rüdiger Vogt wollte mit den Betroffenen am Nachmittag noch einmal sprechen.

Die Verbreiterung der Hieselwirtsgasse wird wohl kommen, die Büsche werden verschwinden und der Zaun versetzt werden. Damit werden die Gärten der Mieter kleiner. Petra Stadler , die ihr kleines Gartenhäuschen hat sanieren lassen, wird es wohl umsetzen lassen müssen. Wieso Zaun und Büsche seit 1990 auf städtischem Grund stehen, diese Frage konnte gestern final nicht beantwortet werden.
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!