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Linke kritisiert Ausgaben für Neuburger Luftwaffengeschwader und will beim Schadstoffausstoß nachbohren

"Das kostet täglich mehr als eine Million"

Neuburg
erstellt am 05.10.2018 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 11:27 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Die Ausgaben für das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg sind der Linken ein Dorn im Auge. "Das ist erschreckend", sagt Sprecher Roland Keller zu den Kosten von 378,6 Millionen Euro im Vorjahr. Und auch mit der Informationspolitik aus Berlin sind die Vertreter der Partei alles andere als zufrieden.
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Zwei Eurofighter auf dem Flugplatz in Neuburg-Zell: Den Betrieb im Taktischen Luftwaffengeschwader 74 beobachtete die Linke mit Argwohn ? und jedes Jahr mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung.
Zwei Eurofighter auf dem Flugplatz in Neuburg-Zell: Den Betrieb im Taktischen Luftwaffengeschwader 74 beobachtete die Linke mit Argwohn - und jedes Jahr mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung.
Janda
Neuburg
Verschlusssache ist der Begriff, der die Linken-Politiker besonders auf die Palme bringt. Denn bereits zum zweiten Mal in Folge haben sie auf mehrere Fragen an die Bundesregierung keine Antwort aus dem Verteidigungsministerium erhalten - obwohl es in den vergangenen über 20 Jahren, in denen die Linke und ihre Vorgängergruppierungen regelmäßig Kleine Anfragen zum Neuburger Geschwader stellen, nie Probleme gab. "Es ist auffällig, dass der Öffentlichkeit hier mittlerweile Dinge vorenthalten werden", ärgert sich die langjährige Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter. Verständnis bringen sie und ihre Mitstreiter lediglich für das Schweigen der Regierung zur Frage nach einem Waffeneinsatz der Neuburger Eurofighter heuer und im Vorjahr auf. "Der Rest ist nicht verständlich", sagt Keller.

So gab es zum wiederholten Mal keine Information über die Flugstunden, obwohl diese über den CO2-Ausstoß einfach zu berechnen sind. Das Ergebnis: Gut 2600 Stunden verbrachten die Maschinen des Neuburger Verbands im Vorjahr in der Luft, dabei entstanden fast 29000 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Heuer sind es bis Ende Juli knapp 1400 gewesen. Beide Werte bedeuten im Vergleich zu 2016 mit gut 3400 Stunden einen Rückgang. Das Problem der Linken: Die reine Flugzeit im Taktischen Luftwaffengeschwader 74 hat zwar abgenommen, die Anzahl der Flugbewegungen, also der Starts, Landungen, Anflüge und Kreuzungen, steigt aber weiter. Im Vorjahr kletterte der Wert mit 13454 sogar auf ein neues Hoch; heuer waren es bis Ende Juni 8469, was die Parteivertreter einen erneuten Anstieg befürchten lässt. Denn mit zunehmendem Verkehr im Neuburger Luftraum nimmt aus Sicht der Linken-Vertreter auch der Lärm empfindlich zu. Der Versicherung aus Berlin, die Kampfjets würden "in der Regel ohne Nachbrenner" und mit maximal 108,5 Dezibel starten, schenken sie dabei keinen Glauben. "So, wie die zum Teil hochgehen, geht es sicher nicht ohne Nachbrenner", erklärt Parteimitglied Maximilian Seitz, der selbst in Sehensand wohnt und seit Jahren den Fluglärm abbekommt. Gleichzeitig übt er massive Kritik an der vor einigen Jahren erfolgten Neufestsetzung der Lärmschutzzonen. "Da ist kein Gebäude mehr drin", ärgert sich Seitz, der selbst versucht hatte, die Kosten für seine neuen Schallschutzfenster erstattet zu bekommen - nur um nach mehreren Jahren frustriert aufzugeben. "Es hieß schließlich, ich hätte den Antrag zwischen 1983 und 1988 stellen müssen", so der Sehensander. "Das war mir dann zu dumm."
Gesprächsrunde der Linken: Landtagskandidatin Gabriele Nava (v.l.), die frühere Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter, Sprecher und Bezirkstagskandidat Roland Keller und Parteimitglied Maximilian Seitz.
Gesprächsrunde der Linken: Landtagskandidatin Gabriele Nava (v.l.), die frühere Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter, Sprecher und Bezirkstagskandidat Roland Keller und Parteimitglied Maximilian Seitz.
Janda
Neuburg



An fehlendem Geld kann das aus Sicht der Neuburger Linken aber nicht liegen, wie die Ausgaben für den Verband belegen. 378,6 Millionen Euro flossen laut der Antwort des Ministeriums im Vorjahr in das Geschwader. "Das kostet täglich mehr als eine Million", ärgert sich Roland Keller. Wie viel eine Flugstunde kostet, darf die Linken-Fraktion zwar ebenfalls nicht erfahren. Aus bisherigen Anfragen wissen die Politiker aber, dass es rund 90000 Euro sein dürften.

Und dann brennt den Parteimitgliedern noch die Schadstoffbelastung durch den Flugbetrieb auf den Nägeln. Außer zu CO2 sind aber keine konkreten Werte bekannt, heißt es schlicht aus Berlin. Nachhaken wollen die Vertreter der Linken zudem noch in Sachen PFC. Die Belastung des Erdreichs auf dem Flugplatz mit dem Stoff sei bei Erstellung der Anfrage noch nicht bekannt gewesen, bedauern Bulling-Schröter und Keller. "Wir werden aber schnell nachhaken", so die frühere Abgeordnete. Ihr Neuburger Genosse fordert zudem von den hiesigen Kommunalpolitikern, das Thema auf die Agenda zu bringen. Sollte das nicht passieren, hält er eine Aktion der Linken à la Rote Karte zur Information der Bürger für notwendig.
Stefan Janda
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