Mittwoch, 12. Dezember 2018
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Luftwaffengeschwader zeigt in Hardt Routen der Eurofighter und macht Hoffnung auf eine kleine Besserung

Bürgerdialog im Jet-Lärm

Hardt
erstellt am 12.06.2018 um 19:46 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Hardt (DK) Der Fluglärm rund um den Neuburger Stadtteil Hardt hat gestern Bürger und Vertreter der Luftwaffe beschäftigt. Nach der rund einstündigen Beratung, zu der auch mehrere Überflüge eines Eurofighters gehörten, zeichnet sich eine mögliche Verbesserung ab. Zumindest ein Teil der Bevölkerung ist damit zufrieden.
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In Hardt gibt es rund ein Dutzend Anwesen, etwa 30 Einwohner und immer wieder ohrenbetäubenden Lärm. Denn das kleine Dorf südlich der Kreisstadt liegt direkt neben dem Flugplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74, knapp 500 Meter trennen den Ortsrand vom Zaun des Militärgeländes. Zum Leidwesen vieler Bürger befindet sich dort auch die Startroute der Jets - und die machen beim Abheben nun mal richtig Lärm, wie die Bürger nur allzu gut wissen.

Wie und wo fliegen die Eurofighter? Das erklärte Thomas Früh, Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders, gestern einigen Bürgern von Hardt, Sehensand und Zell. Vor allem die Hardter erhoffen sich nun eine geringere Lärmbelastung durch die Starts der Maschinen.
Wie und wo fliegen die Eurofighter? Das erklärte Thomas Früh, Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders, gestern einigen Bürgern von Hardt, Sehensand und Zell. Vor allem die Hardter erhoffen sich nun eine geringere Lärmbelastung durch die Starts der Maschinen.
Fotos: Janda
Hardt
Wie sich der Zorn der Anwohner etwas dämpfen lässt, wollte nun Kommodore Thomas Früh ausloten, der damit auf Betreiben des Feldkirchener Stadtrats Fritz Goschenhofer (CSU) eine Anregung aus dem Bürgerdialog in Sehensand aufgriff. Das Besondere: Der Oberst ließ dazu eine seiner Maschinen aufsteigen und nach dem Durchstarten auf der Landebahn mehrere verschiedene Schlaufen drehen - östlich an Hardt vorbei, direkt drüber und westlich um das Dorf herum. Diese sogenannte Platzrunde müssen die Piloten Früh zufolge drehen, um Landungen üben zu können. Anders würden sie nicht in die richtige Position für einen erneuten Anflug kommen. Darüber hinaus seien die Runden nötig, wenn mehrere Maschinen gleichzeitig den Neuburger Flugplatz ansteuern. "Die Formation muss sich dann trennen und nach und nach landen", so der Kommodore.
 
Fotos: Janda
Hardt



Für die Bürger bedeutet das vor allem eines: Lärm. "Man sitzt abends vor dem Fernseher und plötzlich wackelt das ganze Haus", klagte etwa Joachim Grundei, der auch den Schlaf seiner Enkel gestört sieht. Er geht felsenfest davon aus, dass die Eurofighter immer wieder direkt über sein Anwesen dröhnen, was Früh aber ausschloss. Andere Anwohner zeigten sich von vornherein skeptisch. "Das bringt doch alles nichts" oder "Wir sind die Gestraften", waren einige der Kommentare bei dem Treffen.

Tatsächlich bringen die Platzrunden Früh zufolge ein paar Probleme mit sich. "Das geht nur nach Sicht", erklärte er. Im Klartext: Was die Soldaten in der Luft leisten, ist Präzisionsarbeit. Immerhin müssen sie bei ihren Runden südlich des Flugfelds zwischen Hardt und Altmannstetten sowie zwischen Rosing und Obermaxfeld hindurchsteuern. Wie sich die drei möglichen Varianten am Boden anhören, zeigte sich beim Überflug des Eurofighters - mit zum Teil ohrenbetäubendem Ergebnis. Vor allem die Runde östlich des Dorfgebiets erwies sich als lautstark. Für Früh keine überraschende Erkenntnis, immerhin dreht die Maschine dabei ihr Heck relativ rasch den Häusern zu. "Und hinten kommt nun mal der Lärm heraus", erinnerte der Oberst. Für die Bürger war daher schnell klar, dass die Schlaufe westlich von Hardt ihr Favorit ist. Ob sich diese dauerhaft einführen lässt, ist indes offen. "Dann bekomme ich Anrufe aus Wagenhofen und Ballersdorf", meinte der Kommodore, der daher erst noch weitere Gespräche führen will.
 
Fotos: Janda
Hardt



Ein anderes Problem der Hardter lässt sich aus seiner Sicht hingegen einfach lösen. Damit die Maschinen beim Start genau zwischen Ballersdorf und Sehensand hindurchfliegen, müssen die Piloten kurz nach dem Abheben ihren Kurs um fünf Grad nach Süden korrigieren. Das passiert Früh zufolge auf 200 Meter Höhe. An welchem Punkt die Eurofighter allerdings diese Höhe erreichen, ist unterschiedlich - entsprechend kommt die Korrektur in Richtung Hardt manchmal früher, manchmal später. Das soll sich nun ändern, wie der Kommodore versprach. "Der Schwenk soll erst am Ende der Startbahn erfolgen." Ein Punkt, mit dem viele Bürger gut leben können. "Da funktioniert der Dialog, da nimmt man auf uns Rücksicht", erklärte etwa Franz Hausfelder, dessen Haus nahe bei der Startroute liegt.

Gleichzeitig soll der Austausch weitergehen: Früh lud die Bürger zu einem Besuch auf dem Flugplatz ein, unter anderem um die Routen auch im Simulator und damit von oben zu zeigen.
Stefan Janda
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