Donnerstag, 17. Januar 2019
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Hochwasserrückhalt und Lebensraum: Europaweites Projekt soll Donau-Auen stärken - Auftakt in Neuburg

Weniger Risiko, mehr Naturschutz

Neuburg
erstellt am 14.01.2019 um 16:17 Uhr
aktualisiert am 14.01.2019 um 23:27 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Die Auwälder entlang der Donau und ihrer Nebenflüsse sind vielerorts schon komplett verschwunden. Sie als Lebensraum und Rückhalt für Hochwasser zu erhalten - und eventuell wieder herzustellen -, ist Ziel eines europaweiten Projekts. Der Startschuss für Deutschland fiel am Montag in Neuburg.
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Wertvoller Lebensraum: Die Donau-Auen, hier bei Grünau, bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat.
Wertvoller Lebensraum: Die Donau-Auen, hier bei Grünau, bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat.
Janda
Neuburg
Das Geschehen in München spielte bei dem Treffen in Schloss Grünau kaum eine Rolle. Während gleichzeitig das bayerische Kabinett über die Zukunft der umstrittenen Flutpolder im Freistaat diskutierte, ließen die Fachleute an der Donau diese Art des Hochwasserschutzes bewusst außen vor. "Denn dabei steht nur der Rückhalt im Fokus und nicht ein Gewinn für die Auensituation", erklärte Professor Bernd Cyffka vor rund 40 Tagungsteilnehmern. Laut dem Experten für Angewandte Physische Geographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Leiter des Neuburger Aueninstituts geht es bei dem europaweiten Projekt mit dem Namen "Danube Floodplain", also "Donau-Aue", aber um genau diese Kombination: den Schutz der Siedlungen vor Hochwasserereignissen und die Erhöhung der Biodiversität entlang der Flüsse.


Ein Beispiel dafür, wie das funktionieren kann, gibt es nur wenige Hundert Meter vom Tagungsort entfernt. Zwischen Neuburg und Ingolstadt läuft die Renaturierung der Auen bereits seit dem Jahr 2005. Zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind seitdem wieder in den Wäldern heimisch geworden. Regelmäßige ökologische Flutungen sorgen für die typische Beschaffenheit einer Aue - allerdings in einem Umfang, der nicht ganz den Zielen des neuen Projekts entspricht. Dass es andernorts nicht so funktionieren kann, ist aber einzig den Kosten geschuldet. In die Dynamisierung des Auwalds bei Grünau, die durch die Begradigung der Donau und den Bau der Staustufen verloren ging, sind damals für technische Bauwerke Millionen geflossen. "Das muss günstiger gehen", so Diplom-Biologin Marion Gelhaus vom Aueninstitut.

Wie günstig und vor allem wie und wo das überhaupt funktionieren kann, soll das Projekt bis Ende des Jahres 2020 zeigen. Das Ziel der Initiative besteht im Wesentlichen darin, entlang der 2850 Kilometer langen Donau und ihrer Nebenflüsse möglichst viel Auwald zu erhalten und wiederherzustellen. "Dabei wollen wir die vorhandene Aue auch weiterentwickeln", so Professor Markus Dusse von der Technischen Universität München. Ein Fahrplan für die Zukunft und damit eine Übersicht über weitere Handlungsansätze soll ebenfalls Ausfluss der Untersuchungen sein.
Die Professoren Markus Dusse (v.l.) und Bernd Cyffka stellten ein Projekt zum Erhalt der Auwälder in Europa vor.
Die Professoren Markus Dusse (v.l.) und Bernd Cyffka stellten ein Projekt zum Erhalt der Auwälder in Europa vor.
Janda
Neuburg



In deren Mittelpunkt stehen zunächst fünf Pilotgebiete, davon allerdings kein einziges in Deutschland oder in Österreich. Stattdessen liegen das rumänische Bistret und das serbische Begec sowie drei Projekte an der March (Slowakei), an der Theiß (Ungarn) sowie an der Krka (Slowenien) im Fokus. Dort sind tatsächlich schon gezielt Projekte in Planung, beispielsweise eine Deichrückverlegung samt Schaffung eines kurvenreichen Seitenarms an der March, und ein Gerinne an der Krka, wodurch eine verlandete Aue wieder renaturiert werden soll.

All diese Maßnahmen begleiten die Wissenschaftler und erstellen auf diese Weise hydrologische Modelle. Diese sollen am Ende des Projekts gemeinsam mit vorhandenem Datenmaterial und mit Hilfe von Simulationen Aufschluss über die konkreten Auswirkungen bestimmter Hochwasserereignisse geben - sowohl für den Istzustand entlang des Stroms als auch für noch nicht umgesetzte, aber denkbare Renaturierungen. Mögliche Hochwasserkatastrophen zu verhindern ist jedoch nur ein Aspekt des Projekts. Zusätzliche Flächen für Auen sollen jedoch auch eine positive Auswirkung auf die Gewässerqualität und dadurch letztlich auf die Biodiversität haben.

Mit dabei sind insgesamt zehn Länder - obwohl der Hauptnutzen vor allem südöstlich von Wien liegen wird, wie Cyffka einräumte. "Der Nutzen für die deutsche Donau ist tatsächlich sehr gering." Neben Deutschland und Österreich beteiligen sich Ungarn, Tschechien, Bulgarien, Kroatien, die Slowakei, Slowenien und Serbien sowie als Hauptakteur Rumänien an dem Projekt. Partner in Deutschland sind das bayerische Umweltministerium, die Bundesanstalt für Gewässerkunde sowie die beiden Universitäten. Das Budget liegt bei 3,7 Millionen Euro.
Stefan Janda
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