Samstag, 18. August 2018
Lade Login-Box.

Mann stellt Ultraschall-Geräte gegen Tiere auf - Familie erstattet Anzeige wegen Körperverletzung

Macht Katzen-Schreck Nachbarn krank?

Neuburg
erstellt am 14.05.2018 um 19:27 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Da ihn fremde Katzen auf seinem Grundstück störten, stellte ein Mann aus dem östlichen Landkreis Ultraschall-Geräte auf. Daraufhin klagten die Nachbarn über Kopfschmerzen und Schwindelgefühle, wenn sie draußen waren. Als der Mann die Geräte nicht abstellen wollte, erstattete die Familie Anzeige wegen Körperverletzung. Gestern entschied das Amtsgericht über den Fall.
Textgröße
Drucken
"Es war ganz furchtbar", beschreibt die 62-jährige Nachbarin die Monate im Sommer 2017. Es sei die schlimmste Zeit in ihrem Leben gewesen. Sie lebt mit ihrem Ehemann, ihrem Sohn und seiner Frau sowie den Enkelkindern in dem Haus. Das Piepen selbst habe sie nicht gehört, aber ständig Kopfschmerzen gehabt. Vor allem an den Wochenende soll es besonders schlimm gewesen sein. "Das war eine 24-Stunden Dauerbeschallung." Grundsätzlich in der früh habe sie schon Kopfweh gehabt und immer wieder Druck auf den Ohren gespürt. Den Nachbarn habe sie mehrmals auf die Geräte und die Beschwerden der Familie angesprochen und ihn gebeten, sie wieder zu entfernen. Ohne Erfolg. "Das Schlimmste war, dass wir nicht mehr in unseren eigenen Garten konnten", sagt die Rentnerin.

Auch der 38-jährige Sohn tritt als Zeuge auf. Die Ultraschallgeräte des Nachbarn haben zwischen dem 16. März und 31. Juli 2017 auf dessen Anwesen gestanden. Schon gleich am ersten Tag habe er die Ultraschall-Geräte "wohl aus Versehen" ausgelöst und den Nachbarn gleich darauf angesprochen. Da dieser die Geräte nicht abstellen wollte, musste er auch tagsüber bei warmen Sommertemperaturen die Fenster geschlossen halten. Gesundheitliche Beeinträchtigungen habe er ebenfalls davon getragen. "Ich habe seitdem einen Tinnitus", sagt er. Auch Gleichgewichtsstörungen und Kopfschmerzen habe er immer wieder gehabt.

Das Piepen der Geräte soll sich auch auf seine Kinder ausgewirkt haben. "Mein zweijähriger Sohn hat geschrien und gesagt: Es piept, es piept", erzählt der Familienvater. Seit die Geräte weg seien, schlafen die Kinder wieder viel besser. Auch bei sich selber beobachtet er eine Verbesserung. Der Tinnitus, den er sich vom Arzt bescheinigen ließ, ist ihm aber geblieben.

Doch nicht nur die Drei-Generationen-Familie, die in dem Haus wohnt, hat die Pieptöne bemerkt. Auch einer 16-jährigen Verwandten, die regelmäßig zu Besuch kommt, fielen die Töne auf. "Meine Großmutter hat mich gebeten, mal in den Garten zu gehen und zu sagen, ob mir irgendetwas auffällt. Da habe ich ein sehr hohes, schrilles Pfeifen gehört", sagt sie. Sofort habe sie sich die Ohren zugehalten und sei wieder ins Haus gegangen. Die Geräusche waren für sie so störend, dass sie überlegte, ihre Großeltern deswegen nicht mehr zu besuchen.

Da auch Reden mit dem Nachbarn keinen Erfolg brachten, erstattete die Familie Mitte Mai Anzeige wegen Körperverletzung. Ein Polizist war vor Ort, der gestern vor dem Amtsgericht die Töne als "grellen, unangenehmen Pfeifton" beschreibt. Ende Juli haben die Beamten die Geräte dann beschlagnahmt.

Während die gesamte Familie die Ultraschall-Geräte als Ursache für ihre Leiden bezeichnet, bringt Verteidiger Peter Hugger andere Möglichkeiten ins Spiel. So stellte sich heraus, dass der 38-Jährige zehnmal auf dem Heavy-Metall-Open-Air in Wacken war. Auch für den Großvater, der in der besagten Zeit, als die Ultraschall-Geräte beim Nachbar aufgestellt waren, über Knieschmerzen klagte, fand er eine Erklärung: So schießt der Rentner in einem Schützenverein. Auch ein vor einigen Jahren aufgestelltes Gerät, um Maulwürfe zu vertreiben, führte der Verteidiger an. Diese standen aber nicht sehr lange und hat die Familie 2015 wieder abgebaut.

Dass es sich hier um einen schwierig einzuschätzenden Fall handelt, gibt auch der Richter Marius Lindig zu. "Doch um wirklich zu beweisen, dass es sich um Körperverletzung handelt, bräuchte man ein Gutachten." Das würde den Prozess jedoch noch weiter in die Länge ziehen und hohe Kosten verursachen. Und letztlich die schon jetzt schwierige Nachbarschaft weiter belasten.

Richter Marius Lindig kommt deshalb zu dem Schluss, dass Verfahren "zur Vermeidung weiterer Beweisaufnahmen" vorläufig einzustellen. Der Angeklagte soll sich verpflichten, bis Ende 2018 keine weiteren Ultraschallgeräte aufzustellen. "Vielleicht finden sie ja eine andere Lösung wegen der Katzen", sagt Lindig an den Angeklagten gerichtet. Ob der Streit nicht wieder ausartet, lässt sich nicht voraussehen. "Hoffen wir, dass es hält", schließt Lindig die Sitzung ab.
Thomas Leurs
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!