Sonntag, 18. November 2018
Lade Login-Box.

"Das Beste für den Landkreis rausholen"

Neuburg
erstellt am 17.10.2018 um 20:48 Uhr
aktualisiert am 25.10.2018 um 17:10 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Nach einer über mehr als 48 Stunden währenden Zitterpartie stand am Dienstagabend um 20 Uhr fest: Landrat Roland Weigert wechselt in den bayerischen Landtag. Er wird neben Matthias Enghuber (CSU) der zweite Abgeordnete aus dem Stimmkreis. Wir haben mit dem FW-Politiker gesprochen.
Textgröße
Drucken
Bereitet sich langsam auf den Abschied aus dem Amt als Landrat vor: Roland Weigert. Am 5. November wird er im Landtag als Abgeordneter vereidigt.
Bereitet sich langsam auf den Abschied aus dem Amt als Landrat vor: Roland Weigert. Am 5. November wird er im Landtag als Abgeordneter vereidigt.
Schneider
Neuburg
Herr Weigert, Ihre Wahl in den Landtag war jetzt am Ende alles andere als eine sichere Bank. Bis Dienstagabend wussten Sie nicht: Schaff ich' oder schaff ich's nicht. Wie ging es Ihnen da?

Roland Weigert: Ich war Montag und Dienstag dienstlich im Saale-Orla-Kreis. So war ich thematisch und örtlich weg. Wenn ich hier gewesen wäre, wäre es in der Natur der Sache gewesen, dass ich mit diesem Thema konfrontiert werde. Die Zeit war aber vor allem spannend, weil die Zahlen ewig nicht eingepflegt worden sind. Ich hatte allerdings mit 16800 Stimmen eine Grundlage, mit der absehbar war, dass es funktionieren müsste. Müsste, weil der Ball rund ist und das Spiel 90 Minuten dauert. Und es kann letztlich in der 90. Minute oder in der Nachspielzeit ein Tor kommen. Dann dreht sich das Spiel. Aber das war nicht mehr der Fall. Das Direktstimmenergebnis war eine gute Grundlage, um über die Liste den Sprung zu machen.

Landrat Roland Weigert hat's geschafft

 
 

Jetzt waren Sie mit Leib und Seele Landrat. Sie müssen innerhalb von drei Wochen Ihre Zelte abbrechen und eine komplett neue Aufgabe organisieren. Es liegt ordentlich Arbeit vor Ihnen. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Weigert: Absolut richtig. Aber ich habe ein gutes Umfeld bei den Freien Wählern, an der Spitze mit Klaus Brems. Faktisch ist es kein Abschied, es ist nur die andere Seite des Schreibtisches. Ich bin dann Unterstützer des Landrats, ich denke, das ist eine ideale Situation. Ich bringe die Empathie für den Landrat - wer auch immer das künftig ist - mit und verstehe, was die Probleme eines solchen Entscheiders sind.

Was werden Sie am meisten vermissen, auch wenn Sie weiterhin politisch tätig sind?

Weigert: (überlegt) Gute Mitarbeiter im Landratsamt, die mir echte Freunde geworden sind, mit denen es eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gab. Das ist schon ein Stück weit Abschied. Ansonsten werde ich nichts vermissen, weil ich die gleichen Themen bearbeite - nur von einem anderen Blickwinkel aus, aber dann halt als "Edelsachbearbeiter".

Sie haben sich mit dem Anspruch beworben, die Region zu vertreten und als gestandener Kommunalpolitiker in München kräftig mitzumischen.

Weigert: Hintergrund war der aus meiner Sicht unwürdige Akt der Ablösung Horst Seehofers nach der Bundestagswahl, so dass wir plötzlich ohne Vertretung in München dagestanden sind. Insofern haben sich die Freien Wähler entschieden, den Wettbewerb aufzunehmen. Mir war zwei Wochen vor der Wahl bereits klar, dass sich aufgrund der schlechten Umfragewerte das Blatt zugunsten des Wettbewerbers der CSU wenden wird. Der Kollege Matthias Enghuber hat ein sehr gutes Ergebnis gemacht. Das freut mich auch für ihn. Und ich habe mir zu dem Zeitpunkt die Variante Liste als realistisches Szenario zurechtgelegt. Und so ist es gekommen. Den Landratsbonus, das muss man sagen, kann man einem CSU-Bonus nicht entgegen setzen. Ein CSU-Kandidat kann auf ein Grundrauschen von 25 bis 30 Prozent hoffen.

Jetzt wechseln Sie als Kommunalpolitiker in den Landtag. Und möglicherweise sind Sie Mitglied einer der beiden potenziellen künftigen Regierungsfraktionen.

Weigert: Zunächst einmal ist eine Regierungskoalition eine theoretische Option. Hubert Aiwanger hat sich ganz klar erklärt. Die Frage ist jetzt, ob die CSU das auch so will, oder ob sie eine Zusammenarbeit mit den Grünen eventuell vorzieht. Wenn es dazu kommen sollte, werden die Fraktionsführung und der Landesvorsitzende die Personalien festlegen. Inwieweit ich da eine Rolle spiele, wird Hubert Aiwanger zu gegebener Zeit erklären.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt für Ihre Arbeit in München?

Weigert: Für mich sind drei Themen von fundamentaler Bedeutung: der Donaupolder, die Donaumoos-Entwicklung und die Krankenhausversorgung. Polder und Donaumoos-Entwicklung könnte sich ergänzen, weil wir im Donaumoos mit einer vernünftigen Rolle des Freistaates Bayern den notwendigen Rückhalteraum schaffen könnten, so dass der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen an der Donau ganz weit vorne wäre mit Hochwasserschutzmaßnahmen. Das Thema Krankenhaus ist weiter zu fassen. Da geht es am Ende des Tages um die Demografie, um Geriatrie, um Pflege, um hausärztliche Versorgung. Das fasse ich zusammen unter dem Überbegriff "sorgende Gemeinschaft". Das, denke ich, ist ein fundamentales Thema. Was nicht bedeutet, dass die Frage der Infrastruktur keine Rolle spielt. Aber in den genannten Themen stecke ich tief drin und ich glaube, dass diese für den Landkreis entweder psychologisch oder auch faktisch von großer Bedeutung sind. Da brauchen wir Lösungen.

Kurz gesagt sind dann Ihre Schwerpunkte...

Weigert: ... Gesundheit, Umwelt und Landwirtschaft. Was nicht bedeutet, dass ich mir nicht andere Dinge vorstellen könnte. Man könnte beispielsweise auch sagen: Wissenschaft, wegen des Hochschulstandorts Neuburg. Ich bin da grundsätzlich offen. Aber von den Neigungen her, sind die drei Genannten für den Landkreis die Wichtigsten.

Jetzt haben Sie im Stimmkreis auch drei Gemeinden aus dem Landkreis Pfaffenhofen. Da haben Sie nicht so gepunktet ...

Weigert: Das Punkten war aus meiner Sicht gut. Man darf die Rolle eines Neuburger Landrats im Landkreis Pfaffenhofen nicht überschätzen. Nun, was die Themen im Bereich Pfaffenhofen angeht: Da wäre zum Beispiel ein weiteres Rettungsfahrzeug. Aber ob ich jetzt unmittelbar in einem Ressort Verantwortung hätte - in welcher Funktion auch immer: Das schließt ja nicht aus, in den verschiedenen Politikfeldern für eine Region etwas bewegen zu können.

Es gibt einen zweiten Abgeordneten im Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen. Matthias Enghuber hat das Direktmandat errungen. Wie stellen Sie sich da die Zusammenarbeit vor, zumal Ihre beiden Parteien möglicherweise die Regierung bilden?

Weigert: Unkompliziert, weil wir im Kreistag schon zusammengearbeitet haben. Ich gehe von einem vertrauensvollen Verhältnis aus. Nichts anderes können die Bürger von uns erwarten. Wir werden schauen, dass wir hier für den Landkreis das Beste rausholen.

Am Dienstag war die erste Zusammenkunft Ihrer Fraktion, an der Sie nicht teilnehmen konnten. Wie ist denn das Verhältnis zu Hubert Aiwanger?

Weigert: Mit Hubert Aiwanger gibt es einen engen Kontakt. Wir beide sind uns auch freundschaftlich verbunden, wir sind beide Jäger. Gute Voraussetzungen.

Sie freuen sich?

Weigert: Ich freue mich wirklich auf die Tätigkeit, weil ich der Überzeugung bin, dass ich für den Landkreis und auch für die Region wirklich viel bewegen kann. Und wir sind in einer Zeit, die einzigartig ist. Wir sind am Beginn der zweiten industriellen Revolution. Themen wie Digitalisierung oder künstliche Intelligenz spielen eine extrem große Rolle. Wir haben Megatrends, auf die wir nur indirekt Einfluss haben, etwa den Klimawandel. Wer mich kennt, der weiß, dass ich verliebt bin ins Gelingen. Und das ist mein Antrieb.

Das Gespräch führte

Marco Schneider.
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!