Freitag, 16. November 2018
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Arbeitszeitprobleme: Nörvenich übernimmt von Neuburger Geschwader - Vize-Kommodore: "Kein leiser Abschied"

Alarmrotte pausiert zweimal im Jahr

Neuburg
erstellt am 07.11.2018 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 11.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Man ist um Konsens bemüht, auch wenn niemand den Lärm wegreden will und kann: Das machte der stellvertretende Kommodore Siegfried Beck bei der jüngsten Fluglärmkommission deutlich.
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Eine gute Nachricht hatte er dabei: Zweimal im Jahr soll die Alarmrotte für jeweils vier Wochen abgegeben werden.

Acht Wochen pro Jahr wird die Alarmrotte künftig von Nörvenich übernommen. Am Neuburger Fliegerhorst müssen Arbeitsstunden abgebaut werden.
Acht Wochen pro Jahr wird die Alarmrotte künftig von Nörvenich übernommen. Am Neuburger Fliegerhorst müssen Arbeitsstunden abgebaut werden.
Schanz/Archiv
Neuburg
"Daraus ergeben sich natürlich dann weniger Flugbewegungen", erklärte Beck. Er vertritt derzeit Kommodore Thomas Früh, der wie bereits berichtet für ein halbes Jahr im Auslandseinsatz in Jordanien ist. Die Aufgaben der sogenannten "QRA" ("Quick Reaction Alert" - Alarmrotte in hoher Bereitschaftsstufe) der Nato übernimmt dann das Taktische Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke" im nordrhein-westfälischen Nörvenich. Diese Maßnahme sei notwendig, um die Arbeitszeitbelastung seiner Mannschaft zu reduzieren. Für den Vorhalt der Alarmrotte brauche er 14 Crews, die 24 Stunden an sieben Tagen die Woche innerhalb von 15 Minuten in der Luft sein müssten. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling wollte wissen, ob das dann der "leise Abschied" des Geschwaders vom Standort Neuburg sei. Das verneinte Oberstleutnant Beck: "Hier geht es nur um das Arbeitszeitgesetz. " Dass es auch derzeit weniger Flugbewegungen von Zell aus gibt, erklärte Beck den Bürgermeistern und Ortssprecher, liegt vor allem an der Beteiligung des Neuburger Geschwaders am Einsatz im Baltikum.

Beck sowie der Kommandeur der Fliegenden Gruppe Swen Jacob betonten in ihren kurzen Vorträgen, dass man einiges getan habe, um den Fluglärm direkt über den Ortschaften in unmittelbarer Nähe zum Fliegerhorst zu reduzieren. So wurde etwa die Abflugschneise um drei Grad verlegt. Es gebe weiterhin "keine Überflüge über platznahe Ortschaften", man nehme Rücksicht auf Beerdigungen und Großereignisse und halte sich möglichst an Mittagspause (12.30 bis 14 Uhr) sowie die Nachtruhe (22.30 bis 6 Uhr). Ausgenommen davon seien Alarmstarts, wie es etwa an Allerheiligentag einen gegeben habe.

Dennoch sei festzustellen: Es gibt weitaus weniger Flugstunden über Neuburg als vor 30 Jahren. Lagen diese bei bis zu 10000 pro Jahr, so erreicht das Geschwader heuer vermutlich nicht einmal die 3000er-Marke. Für Beck und seine Mannschaft allerdings ein Problem: "Wir sind am Mininum, damit unsere Crews überhaupt ihre Lizenz behalten. " Sei es doch notwendig, dass sie regelmäßige Übungsflüge durchführen. Hier versuche man aber schon regelmäßig mit dem Simulator zu arbeiten: "Wir müssen nicht mehr alles in der Luft üben", so Beck.

Sprecher betroffener Ortschaften hatten sich erst am Dienstag via E-Mail an den OB und das Geschwader gewandt, um zu bestimmten Zeiten - etwa spätabends - um Überprüfung der Flugzeiten zu bitten. Swen Jacob erklärte: "Der Nachtflug geht nur, wenn es dunkel ist. " Der Ortssprecher von Bruck, Günter Steinwand, hielt dagegen, dass es nun bereits gegen 18 Uhr dunkel sei. Jacob erläuterte: "Wir müssen uns absprechen. " Es müsse immer eine Alarmrotte einsatzbereit am Boden stehen, so dass beispielsweise die Nörvenicher nicht gleichzeitig mit Neuburg üben könnten. Gegebenenfalls müsse man auch, da die QRA Nato-Angelegenheit sei, mit den Bündnispartnern Kontakt aufnehmen. "Diesen Hintergrund kennt die Bevölkerung nicht", sagte Steinwand. "Wir versuchen, die Zeiten so gut wie möglich zu schieben", so Beck. Aber man habe "nicht unbegrenzt Arbeitsstunden zur Verfügung". Und Jacob versicherte: "Wir machen das nicht zum Spaß. "

Der Rohrenfelser Bürgermeister Wigbert Krammer verwies auf einen Vorfall Anfang der Woche, als gegen 21 Uhr ein "Gasttornado" (Beck) um Anflugerlaubnis gebeten hat: "Da haben die Leute gemeint, jetzt geht's los! " Beck räumte ein, dass das nicht optimal gelaufen sei. Der Pilot habe um einen einmaligen Übungsanflug gebeten, habe das aber mit fünf Platzrunden verbunden. "Das hat uns weh getan. " Er habe unmittelbar mit dessen Flugplatz Kontakt aufgenommen. "Der braucht jetzt erst einmal nicht mehr kommen. "

Für solche oder ähnliche Beschwerden gibt es übrigens eine eigene Kontaktstelle beim Luftfahrtamt der Bundeswehr. Sie ist telefonisch über (0800) 8620730 zu erreichen, per E-Mail über fliz@bundeswehr. org. Aus Neuburg und der Region sind heuer bislang zehn Beschwerden eingegangen. "Das ist", wie Oberstleutnant Sascha Greuel sagte, "für einen Flugplatz mit Eurofightern im Deutschlandvergleich sehr wenig. " Vize-Kommodore Beck führte das mitunter auch auf den "offenen Dialog" zurück, den man führe. Und: "Auch wir wohnen mit unseren Familien hier. " Man wisse, was diese Belastung bedeute. "Neuburg ist auch unsere Heimat. "

Den Vorschlag von Fritz Goschenhofer, eine Informationsveranstaltung für die Bürger von Zell ähnlich der Anfang des Jahres in Hardt durchzuführen, nahm Beck gerne auf. Goschenhofer sagte: "Das trägt viel dazu bei, das Verständnis der Menschen zu fördern. " Beck versprach, einen Termin dafür zu finden.
Marco Schneider
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