Kritik an Großbrauereien
Spalter Hopfenpflanzer trotzen dem Gegenwind des Weltmarkts

Ohne Dolden hilft der beste Preis nichts

31.10.2023 | Stand 31.10.2023, 20:16 Uhr

Frank Braun, Chef der Hopfenverwertungsgenossenschaft, freut sich bei einer früheren Ernte, über das grüne Gold. Foto: Leykamm

Sie haben viel gearbeitet und investiert, dafür zwei Jahre lang schlechte Ernten eingefahren. Und müssen nun erkennen, dass die Preise trotzdem sinken. Das alles kann die Mitglieder des Spalter Hopfenpflanzerverbands (Landkreis Roth) dennoch nicht entmutigen, wie bei dessen Herbstversammlung zu erfahren war. Vorsitzender Fritz Kolb appellierte dazu, „in stürmischer Marktlage die Zuversicht nicht zu verlieren“.



Es klang am Abend des Öfteren die Frage durch, was mit dem Preisgefüge wohl passiert wäre, wenn die diesjährigen Ernteergebnisse gut ausgefallen wären. Was sich vielleicht auch selbst beantworten lässt, denn sie fallen in der Tat besser aus als ursprünglich befürchtet.

Bei der ersten Schätzung „lagen wir ganz verhalten bei 550 Tonnen“, blickte Geschäftsführer Wolfgang Jank zurück. Ein Wert, der aber im Laufe des Einbringens der Dolden immer weiter nach oben korrigiert werden durfte. Derzeit liegt man sogar bei 656 Tonnen.



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In den Lagern schlummern noch Vorräte

„Aber es kommt ja noch einer zum Abwiegen“, betonte Frank Braun, Chef der heimischen Hopfenverwertungsgenossenschaft (HVG). Damit käme man immerhin schon in die Nähe des Durchschnitts der vergangenen zehn Jahre. Auch insgesamt sei die Ernte „nicht so schlecht wie prognostiziert“, ergänzte sein Hallertauer Amtskollege Johann Pichlmaier.

Allerdings hätten gerade viele Großbrauereien angesichts einer drohenden Erntemisere nicht unerhebliche Hopfenmengen nach der Bestellung einfach wieder an die Vermarktungsgemeinschaften zurückgehen lassen. Was natürlich möglich war, da in den Lagern „noch große Vorräte aufgetaucht sind“, wie Kolbs Stellvertreter Werner Krieglmeier monierte. Nach dem Motto „jetzt lieber zu viel als zu wenig kaufen“ angehäuft noch unter dem Eindruck des letztjährigen Ernteschocks: „Jetzt müssen die Pflanzer das ausbaden, was die großen Brauereien verbockt haben,“ beklagte er weiter. Denn die Kosten unter anderem für Mindestlohn und Materialien stiegen ja weiterhin: „Es ist richtig Feuer unterm Dach!“

In der Tat sei es derzeit „etwas schwierig, optimistisch in die Zukunft zu blicken“, gestand Pichlmaier zu. Was auch daran liege, dass der in den vergangenen Jahren stetig angewachsene Bedarf an Hopfen nun weltweit stagniere. Auch dem Trend zu mehr Bitter- und zu weniger Aromahopfen (wie er in Spalt angebaut wird) gelte es Rechnung zu tragen. Stelle man hierzulande aber das Sortiment entsprechend um, heiße dies, verstärkt in den Wettbewerb mit den USA zu treten. Doch hier hätten die deutschen und vor allem die Spalter Hopfenpflanzer einen großen Vorteil: „Wir sind kostengünstiger, sonst würde es uns ja schon lange nicht mehr geben.“

Denn die großen Strukturen aus Übersee könnten es preislich mit den kleinen Familienbetrieben hierzulande nicht aufnehmen, die obendrein noch viele Unannehmlichkeiten des Marktes besser abpuffern könnten. „Ihr beherrscht euer Handwerk, seid breit aufgestellt und weniger abhängig von den Marken, denen gerade der Gegenwind des Weltmarktes ins Gesicht bläst“, ermutigte der Hallertauer HVG-Chef.

Freilich sei aber nicht alles „eitel Sonnenschein“. Mit dem Investieren sollten die Pflanzer derzeit lieber etwas vorsichtiger sein. Mit der Sorte Spalt-Spalter verfüge das Angebot nicht nur „über den feinsten Hopfen der Welt“, so Amtskollege Braun. Sondern damit auch über einen besonderen Trumpf. Denn jene Dolden seien von den Turbulenzen nur wenig betroffen und behielten sich ein solides Preisniveau: „Die Versorgungssituation wiederum ist in keinstem Falle besorgniserregend.“ Janks Vorgänger Werner Wolf mahnte indes weiterhin zu einem engen Schulterschluss zwischen Erzeugern und Brauern. Zudem sei es nicht sinnvoll, die jungen Hopfenbauern zu vergraulen, ergänzte Pichlmaier: „Aber die Wahrheit kommt über den Preis eben immer auf den Tisch“. Bleibe zu hoffen, dass die Brauer nicht nur auf Preise und Rezeptumstellungen schielten, sondern die Verwertung von Qualitätshopfen weiterhin als wichtigen Teil der eigenen Marketingstrategie begriffen, so im folgenden Udo Weingart, Spalter Rathauschef und Geschäftsführer der Stadtbrauerei.

Ein gewisses Maß an Gelassenheit bewahren

Insgesamt gelte es, „ein gewisses Maß an Gelassenheit zu bewahren,“ riet Kolb. Beherzigt hat dies bereits Heinz Auernhammer, dritter Bürgermeister von Georgensgmünd: „Wir haben Hopfenbetriebe, die wir unbedingt halten müssen. Aber die haben auch alles im Griff, ich sehe da nicht so schwarz.“ Neue dunkle Wolken allerdings ziehen von Brüssel herauf. Seitens der EU und ihrer Gremien reichen die Verringerungswünsche in Sachen Pflanzenschutzmittel immer weiter. Aber vielleicht lässt sich hier ja noch gegensteuern. Er habe bereits Gespräche mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir geführt und ihn auch schon nach Spalt eingeladen, erklärte Tobias Merkenschlager, Vorsitzender des Bewässerungsverbandes Unteres Rezattal.

Für diesen erwarte man sich in Bälde das Wasserrecht: „Wir hoffen, da nicht mehr ausgebremst zu werden!“ Denn die für die Spalter Hopfenbauern unbedingt benötigte Ertragsstabilität lasse sich nur über eine ausreichende Bewässerung erzielen, machte auch Kolb deutlich. Sei kein Hopfen mehr da, nütze auch der Preis nichts mehr. Fürs kommende Jahr aber gibt es erst einmal doppelten Grund zur Freude: einmal auf eine mehrtägige Lehrfahrt nach Tschechien – mit Besuch des Pilsener Brauereimuseum – und natürlich auf die EM, die zur Marktbereinigung den Bierkonsum steigen lässt.

HK