Herzenssache hat noch Handlungsbedarf
Podiumsdiskussion zieht Bilanz über fünf Jahre Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ im Landkreis Roth

10.07.2024 | Stand 10.07.2024, 11:12 Uhr |

Reger Austausch über Artenschutz im Landkreis: Im Bild von links Norbert Schäffer, Agnes Becker, Anita Schäffer, Volker Bauer und Manfred Dorner. Foto: LBV

Was ist aus der Umsetzung der neuen Ziele und Gesetze die in Folge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ geworden, welche die Staatsregierung angenommen und teilweise sogar noch weitergefasst hatte? Und wie haben sich diese auch im Landkreis Roth ausgewirkt?



Das war Thema eines Vortrags von Norbert Schäffer, dem Vorsitzender des Landesbund für Vogel- und Naturschutz, sowie einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Agnes Becker (ÖDP), Volker Bauer (Landtagsabgeordneter der CSU) und Manfred Dorner (Bauernverbands-Kreis-Obmann).

In seinem Vortrag machte Norbert Schäffer deutlich: „Das Volksbegehren hat in einigen Bereichen bereits zu positiven Veränderungen für Bayerns Natur geführt, zum Beispiel durch die Ausweisung von 6000 Hektar Waldschutzgebieten, mit dem Bayerischen Streuobstpakt und die Ausweitung des Vertragsnaturschutzprogramms.“ An anderer Stelle bestehe jedoch noch Handlungsbedarf. „Ob bei der Vernetzung von Lebensräumen oder der Ausweitung der Ökologischen Landwirtschaft – Bayern droht, seine Vorreiterrolle im Naturschutz zu verlieren. Es braucht verstärkte Bemühungen, um die Ziele des Volksbegehrens zu erreichen“, so Schäffer.

Im anschließenden Podiumsgespräch der Vorsitzenden der LBV-Kreisgruppe Roth-Schwabach Anita Schäffer mit ihren Gästen zeigte sich, dass Politik, Landwirtschaft und Naturschutzverbänden der Schutz von Natur und Artenvielfalt nahezu gleichermaßen am Herzen liegt. Bei den Möglichkeiten der Umsetzung von Maßnahmen und dem Prinzip der Freiwilligkeit gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Dabei sei es nie die Absicht des Volksbegehrens gewesen, den Landwirten „den Schwarzen Peter“ zuzuschieben, wenn es beispielsweise um den Rückgang von Vogelarten in der Agrarlandschaft geht. Tatsache ist, dass knapp die Hälfte der Fläche Bayerns landwirtschaftlich genutzt wird – ein Einfluss der Bewirtschaftungsweisen auf Bodenhaushalt und Artenvielfalt sei nun mal nicht zu leugnen, wie Agnes Becker mehrfach betonte. Beim Thema biologische Landwirtschaft ist noch viel Luft nach oben, im Landkreis Roth liege die Quote für biologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe nach Information von Renate Brunner, Sachgebietsleiterin Landwirtschaft beim Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Roth, bei etwa acht Prozent. Ziel der Staatsregierung ist bayernweit ein ökologischer Anbau auf 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bis zum Jahr 2025, bis zum Jahr 2030 sollen es sogar 30 Prozent sein.

Nach Aussage Volker Bauers kann ein Fortschritt nur gemeinsam und über Gespräche zustande kommen. Eine Möglichkeit dazu ergab sich über Fragen und Erläuterungen aus dem Publikum zu Einzelbeispielen vor Ort, die jedoch nicht als repräsentativ gelten können.

Ausreichend geeigneter Lebensraum in der Kulturlandschaft steht beispielsweise Kiebitzen und anderen Wiesenbrütern derzeit bei Weitem nicht zur Verfügung. Beim Biotopverbund gibt es also noch jede Menge zu tun. Ausdrücklich begrüßt wurde von allen Beteiligten die Bereitschaft zum Austausch im Landkreis. Allerdings sei konstruktive, faktenbasierte Diskussion nicht gleichzusetzen mit bedingungsloser Übernahme der Meinung des anderen.

HK