Nürnberg

Kammerpräsident kandidiert für Landtag

Thomas Pirner ist von der CSU im Nürnberger Norden überraschend nominiert worden

21.08.2022 | Stand 21.08.2022, 16:17 Uhr

Die Direktkandidaten für Nürnberg-Nord Catrin Seel (Bezirk) und Thomas Pirner (Landtag) mit CSU-Bezirksverbandschef Michael Frieser (links) und dem Kreisvorsitzenden Nürnberg-Nord Hartmut Spreng (rechts). Foto: Heublein

Von Nikolas Pelke

Nürnberg – Normalerweise gibt es wenige Überraschungen, wenn Parteien ihre Kandidaten für die nächsten Wahlen nominieren. Wie so häufig können Ausnahmen die Regel bestätigen. So hat sich bei der CSU im Nürnberger Norden jetzt relativ überraschend der Herausforderer gegen die Amtsinhaberin durchgesetzt.

Am Mittwochabend entschieden sich die CSU-Mitglieder mehrheitlich für Thomas Pirner als neuen Kandidaten für den Bayerischen Landtag. Mit Barbara Regitz hatte die amtierende Stimmkreis-Abgeordnete zwischen Flughafen und Kaiserburg mit lediglich rund 40 Prozent der Stimmen deutlich das Nachsehen.

Bereits die Kandidatur von Thomas Pirner hatte Beobachter zuvor aufhorchen lassen. Das 58-jährige CSU-Stadtratsmitglied kann als Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken durchaus zu den Schwergewichten innerhalb der Partei gezählt werden. Pirner hat auf Anfrage bestätigt, dass sowohl Ministerpräsident und Parteichef Markus Söder als auch Michael Frieser als Bundestagsabgeordneter und Bezirksparteichef (beide CSU) seiner Kandidatur keine Steine in den Weg legen wollten.

„Die Barbara Regitz hat das gut gemacht“

Von einer „Kampfabstimmung“ wollte Pirner im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Nominierungsversammlung freilich nichts wissen. „Die Barbara Regitz hat das gut gemacht. Aber ich bin der Meinung, dass gerade jetzt in den schwierigen Zeiten andere Themen wie Arbeit, Handwerk und Wirtschaft noch wichtiger sind“, sagte Pirner kurz vor dem entscheidenden Votum der Mitglieder.

Nach 22 Jahren im Nürnberger Stadtrat war Regitz erst 2018 als direkt gewählte CSU-Abgeordnete für den Stimmkreis Nürnberg-Nord in den Bayerischen Landtag eingezogen. „Mit Leidenschaft und Optimismus engagiere ich mich im Bildungsausschuss und Petitionsausschuss und bin Sprecherin für Seniorenpolitik“, stellt sich die gelernte Grundschullehrerin auf der eigenen Homepage als Landespolitikerin vor. Wenn sie nicht in München im Bayerischen Landtag sitze, treffe man sie in „meiner schönen Heimatstadt“.

Auch kurz vor der entscheidenden Abstimmung ist Regitz viel im Nürnberger Norden unterwegs gewesen. „Politik beginnt für mich vor der Haustür“, sagt Regitz über Regitz, die nicht nur gerne daheim am Klavierflügel musiziert, sondern auch gerne beim Schafkopf der vermeintlichen Männerdomäne frönt. Überhaupt hat sich Regitz, die mit einem selbstständigen Augenoptiker verheiratet ist, als Bezirksvorsitzende der Frauen-Union für Gleichberechtigung besonders stark gemacht.

Zuletzt hat Regitz ein gemeinsames Foto mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten gepostet. Günter Beckstein soll Regitz seinerzeit zur Kandidatur für den Stadtrat überredet haben. Sogar mit der ehemaligen Landtagspräsidentin Barbara Stamm (ebenfalls CSU) hat Regitz als Rundfunkrätin anlässlich einer Feier im neuen „Studio Franken“ des Bayerischen Rundfunks kürzlich für die Kamera posiert. Doch selbst diese kleine „Werbeoffensive“ mit prominenten Parteigrößen kurz vor der entscheidenden Nominierungsversammlung hat die Mitglieder offensichtlich nicht vollständig begeistern können.

Gegen hohe Energiepreise und für mehr Fachkräfte

Thomas Pirner erklärt, dass er schon länger mit einer Kandidatur geliebäugelt hätte. Die wirtschaftlichen Herausforderungen hätten ihn dazu bewogen, seine Expertise als Präsident der Handwerkskammer, Friseurmeister und Stadtratsmitglied nun im Landtag einbringen zu wollen. Besonders kämpfen wolle Pirner gegen hohe Energiepreise und für mehr Fachkräfte. Zuletzt sei er von der eigenen Parteibasis verstärkt dazu aufgefordert worden, als Kandidat für den Landtag anzutreten.

Pirner warnt mittlerweile sogar vor sozialem Unfrieden, wenn die wirtschaftlichen Probleme nicht bald gelöst würden. „Wir brauchen einfach mehr Praktiker in der Politik. Deswegen will ich noch mehr Verantwortung übernehmen“, sagt Pirner und kündigt an, Präsident der Handwerkskammer auch nach seiner möglichen Wahl ins Landesparlament im nächsten Jahr bleiben zu wollen.

HK