Landkreis Roth

Inflation und steigende Energiekosten: Schuldnerberatungsstelle in Roth bietet professionelle Hilfe

06.08.2022 | Stand 06.08.2022, 5:00 Uhr

Wenn im Geldbeutel vor Monatsendenur noch ein paar Cent übrig sind, dann kann die Schuldnerberatung hilfreich unter die Arme greifen. Foto: dpa

Von Monika Meyer

Hilpoltstein/Roth – Die aktuellen Schlagzeilen verheißen nichts Gutes: „Warten auf den Preishammer“, „Strompreise explodieren“, „Privatkonkurs durch hohe Inflation“. Sie treiben auch Wolfgang Hunner Sorgenfalten auf die Stirn. Hohe Lebensmittelpreise, teurer Strom und extreme Energiepreise könnten viele Menschen in ein finanzielles Desaster treiben, befürchtet er. Der Schuldnerberater der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Roth hält aber nichts davon, untätig abzuwarten. Vielmehr empfiehlt Wolfgang Hunner (Foto) allen, die knapp wirtschaften müssen, sich so rasch wie möglich mit ihrer Situation auseinanderzusetzen. „Und dabei kann ich professionell unterstützen“, verspricht er.

Die Stadtwerke Roth beispielsweise hätten den Abschlag für das Gas bereits um 30 Prozent erhöht. Zudem sei von weiteren Preissteigerungen auf breiter Front auszugehen, egal ob für Lebensmittel oder Benzin. Den Kopf in den Sand zu stecken, sei da wenig hilfreich. „Jetzt müssen die Ausgaben auf den Tisch, um sich einen Überblick zu verschaffen“, ist sein wichtigster Tipp.

Mit einem Haushaltsplan könne man die laufenden Kosten überprüfen. Viele wüssten gar nicht so genau, wofür sie ihr Geld ausgäben, sagt Hunner und nennt ein Beispiel: „Benzin für das Auto hat man auf dem Schirm, aber dann werden die Steuer und anfallende Reparaturen vergessen.“ In einem Haushaltsplan sollten wirklich alle anfallenden Kosten aufgelistet werden. „Ich helfe auch gerne dabei, Kontoauszüge durchzugehen“, sagt Hunner.

Ist dieser erste Schritt erledigt, könne man daran gehen, Einsparpotenziale aufzuspüren. Der Schuldnerberater hält es auch für unerlässlich, sich selbst ein Budget für den Einkauf zu geben. Er nennt es „Einkauf nach Kassenlage“. Man dürfe sich nicht fragen: „Was hätte ich gerne?“, sondern: „Wie viel Geld habe ich zur Verfügung?“ Es gelte, wirklich jede Möglichkeit zu prüfen, zum Beispiel auch, über das Auto nachzudenken. „Dann muss ich fragen: Wollen Sie Auto fahren oder wollen Sie eine Wohnung haben?“ Er sei sich dessen bewusst, so Hunner, dass die aktuelle Lage schwierig sei und noch schwieriger werden könnte. Nämlich dann, wenn die nächsten Nebenkostenabrechnungen ins Haus flattern. „Spätestens Mitte des kommenden Jahres rechnen wir mit einem Ansturm bei der Schuldnerberatung“, stellt Hunner fest.

Gerade unter privaten Vermietern habe sich noch nicht herumgesprochen, dass es angeraten sei, die Abschlagszahlung vor dem Heizwinter zu erhöhen. „Tun sie das nicht, kommt im Frühjahr das böse Erwachen.“ Bei Menschen, die Grundsicherung erhalten, geht Hunner zwar davon aus, dass sie Nachzahlungsforderungen vom Amt erstattet bekommen. Jedenfalls dann, „wenn sie die Mehrkosten nicht selbst verschuldet haben und das dürfte bei den wenigsten der Fall sein“. Aber die arbeitende Bevölkerung – und gerade Bezieher von Mindestlohn – hätte hingegen Schwierigkeiten, eine größere Summe auf einen Schlag aufzubringen. „Man kann nicht davon ausgehen, dass das alle angespart haben.“ Deshalb sollten auch die Mieterinnen und Mieter selbst rechtzeitig den Kontakt zum Vermieter suchen und den monatlichen Abschlag eventuell freiwillig erhöhen. Eine kleine Rückzahlung sei jedenfalls besser als eine große Nachzahlung.

Der Wechsel in eine günstigere Wohnung sei in der Regel hingegen keine Option, so Hunner. Denn der Markt sei schlicht leer gefegt. „Ich habe viele Klienten, die haben Schwierigkeiten, überhaupt eine Wohnung zu finden, selbst wenn sie ein höheres Budget zur Verfügung haben“, beklagt der Schuldnerberater. „Die Mieten sind aktuell kaum bezahlbar.“ Genossenschaften, die in der Regel günstigeren Wohnraum zur Verfügung stellen, böten auch keinen Ausweg: „Die sind hoffnungslos überlaufen.“

Sollten sich die Gaspreise nun wirklich vervielfachen, könnte dies dazu führen, dass etliche Menschen ihre Wohnungen verlieren, weil sie ihre Nebenkosten nicht bezahlen können. Hier hofft Hunner auf ein sogenanntes Moratorium durch die Bundesregierung. Laut einem Eckpunktepapier will die SPD-Fraktion finanziell weniger gut gestellte Mieter für ein halbes Jahr vor Kündigungen bei hohen Heizkosten schützen.

Aber selbst Normalverdienende sieht Hunner mittlerweile in Gefahr. „Geht es so weiter, dann kommt selbst die Mittelschicht an den Punkt, wo sie sich das Leben nicht mehr leisten kann.“

Wer sich gerne den Rat des Schuldnerberaters holen möchte, kann während der telefonischen Erreichbarkeit von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer (09171) 9664-30 einen Termin für die Schuldnerberatungsstelle in der Drahtzieherstraße 6 in Roth vereinbaren. Hausbesuche sind ebenfalls möglich.

HK