Mit der Axt in die Badewanne gehauen
Heidecker Erzählcafé – Badetag daheim – Sauerei in der Küche keine Seltenheit

25.05.2024 | Stand 25.05.2024, 15:00 Uhr

Früher eine Badewanne, heute ein Blumentrog. Foto: Ebner

Das Badezimmer mit Badewanne und Dusche ist heute nicht mehr wegzudenken. Doch vor 1960 war die Körperpflege anders organisiert. Darum ging es im aktuellen Heidecker Erzählcafé.

Die Beteiligten erinnerten sich bestens. Der große Badetag fand meist am Samstag statt, unter der Woche wurde mit einem nassen Waschlappen nur der grobe Schmutz entfernt. Mehrmals duschen wie heute hätte man sich nicht leisten können. Zum Einsatz kam eine Zinkwanne. Bei mehreren Kindern kamen zuerst die kleinen dran, denn sie brauchten weniger Wasser.

Das Wasser kam nicht heiß aus dem Wasserhahn, es musste erst auf dem Holzofen erhitzt werden. Wenn das erste Kind fertig war, hieß es, „raus aus der Wanne“ und das nächste Kind kam hinein. Dann wurde etwas heißes Wasser nachgegossen und weiter ging die Wascherei. Bequem in der Wanne liegen, Musik hören und ein Buch lesen? Das gab es freilich nicht.

Mutter schrubbte schnell und energisch mit dem Waschlappen den Dreck ab. Zum Einsatz kam oft Kernseife. Das Handtuch (Grubenhandtuch weiß blau kariert) zum Abtrocknen kam von der Wäscheleine und war in etwa so weich wie ein 80er-Schmirgelpapier. Einen Fön gab es natürlich auch nicht. Die Jungs rubbelten ihr kurzes Haar so trocken wie möglich und die Mädchen bekamen ein Kopftuch verpasst, damit sie sich nicht erkälteten. Oft gab es danach frische Unterwäsche.

Nach dem letzten Badegast warf man die Schmutzwäsche in die Wanne und weichte sie ein. War auch das erledigt, konnte man das Schmutzwasser nicht in den Gully schütten, denn den gab es noch nicht. Raus in den Garten oder hinaus auf die Straße damit.

Klein Gisela wollte wissen, ob die Axt aus Papas Schuppen in der Wanne stecken bleiben würde. Sie traf, stecken blieb die Axt nicht. Aber unbeschadet hat es die Wanne nicht überstanden. Beim nächsten Badetag wurde die Wanne auf den Küchenfußboden gestellt und mit Wasser befüllt. Das Wasser fand seinen Weg und saute den Küchenfußboden ein. Natürlich wollte es hinterher niemand gewesen sein. Und einem kleinen Mädchen traute man so etwas nicht zu. Ihr Bruder meinte, er könne sich nicht daran erinnern, könnte es aber gewesen sein.

Vor Feiertagen wie Ostern und Weihnachten wurde schon mal ein extra Badetag eingelegt. Man wollte nicht riskieren, dass der Pfarrer eines der Kinder zum Waschen nach Hause schickte. Selbst als man später ein eigenes Badezimmer hatte, behielten viele den Samstag als Badetag bei. Nur konnte man sich nun in die Badewanne legen und im Radio die Bundesliga verfolgen.

Das nächste Heidecker Erzählcafé findet wie immer am dritten Donnerstag im Monat, 20. Juni, um 14.30 Uhr statt. Thema diesmal „Vatertag“. Wer schon immer wissen wollte, was das besondere Flair des Erzählcafés ist, darf gerne vorbeikommen.Im Juli und August macht das Erzählcafé dann Sommerpause. Weiter geht es wieder im September.

HK