Landratswahl
Grüne zu 100 Prozent für Ben Schwarz

SPD-Kandidat bekommt die volle Unterstützung – Partei- und Gemeindegrenzen überwinden

20.10.2022 | Stand 22.09.2023, 4:20 Uhr |

Das grün-rote Team Ben 2023: Grünen-Sprecher Kreistagsfraktion Felix Erbe, SPD-Kandidat Ben Schwarz, Grünen-Sprecher Henrik Schmidt-Heck, Kreisrätin Birgit Helbig, Grünen-Sprecherin Tanja Josche und SPD-Vorsitzende Ute Mahl (von links).

Von Robert Schmitt

Roth/Hilpoltstein – SPD und Grüne im Landkreis wollen mit Ben Schwarz als gemeinsamem Kandidaten in die Landratswahl im kommenden Jahr gehen. Das haben die Kreisvorstände beider Parteien beschlossen. Nun hat die Basis der Grünen diesem Plan zugestimmt. Die Kreisversammlung hat den Georgensgmünder Bürgermeister am Mittwoch in Roth noch vor seiner eigenen Partei als Kandidaten nominiert. Das Votum hätte nicht überzeugender ausfallen können. Die Grünen haben den SPD-Mann mit 100 Prozent der gültigen Stimmen aufs Schild gehoben.

In seiner Vorstellungsrede hatte Ben Schwarz mehrfach betont, wie wichtig gemeinsame Ziele für die Zukunft des Landkreises sind. „Wichtiger als ein Parteibuch“, fand er. Diesen Grundsatz hat er auch immer schon als Gemeinderatsmitglied und Bürgermeister beherzigt. Schließlich ist er bei seinen Wahlerfolgen 2011 und 2017 in Georgensgmünd ebenfalls von einer weiteren Partei nominiert worden. Allerdings war es beide Male die CSU, die Schwarz neben seiner eigenen Partei unterstützte und zu Wahlen jeweils ohne Gegenkandidaten verhalf.

Daraus resultierte über elf Jahre hinweg ein extrem kooperativer Stil im Gemeinderat. „Nur so war es möglich, große durchaus umstrittene Projekte auf den Weg zu bringen“, sagte Schwarz. Insbesondere daraus leitete er auch seine Befähigung für das Amt des Landrats ab. „Wie kein anderer weiß ich, was der Landkreis jetzt braucht: Ich habe das Knowhow, auch als Kandidat, der schon gezeigt hat, dass er Partei- und Gemeindegrenzen überwinden kann, der das große Ganze im Blick hat“, skizzierte Schwarz seine persönlichen Stärken aus seiner Sicht.

Als zentrale Herausforderung für die Politik im Landkreis sieht es Schwarz an, „ökologische, ökonomische und soziale Themen zu verbinden und die Menschen mitzunehmen, die Zukunft zu gestalten“. Dabei betonte er mehrfach, dass er auf Landkreisebene Koordinierungs- und Führungsfunktion für bedeutende Entwicklungsaufgaben in den Gemeinden übernehmen wolle.

„Das Landratsamt soll für die Kommunen eine verbindende und leitende Rolle übernehmen als Ideengeber und Koordinationsstelle“, schilderte Schwarz sein Verständnis des Landratspostens. Konkret nannte er dabei die Realisierung der Energiewende, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und die Ausweisung gemeinsamer Gewerbegebiete in Kooperation mehrerer Gemeinden, um den Flächenverbrauch zu reduzieren. So wolle er wohnortnahes Arbeiten und bezahlbaren Wohnraum verbinden.

Zugleich hob Schwarz hervor, dass es in Sachen Biodiversität und Ökologie wichtig sei, die regionale Land- und Forstwirtschaft stärker zu unterstützen. Ein wichtiger Punkt sei hier das Konzept „Original Regional“, das Menschen für lokale Produkte sensibilisiere. An diesem Punkt und an einigen weiteren kündigte Schwarz an, die Politik Herbert Ecksteins weiterführen zu wollen. „Ich will aber Themen weiter- und vor allem neu denken“, sagte Ben Schwarz.

Auf Seiten der Grünen zeigte man sich sehr froh, dass es zu dieser Kooperation mit der SPD kommen konnte. Schließlich war es für die Partei das erste Mal überhaupt, dass sie im Landkreis Roth einen eigenen Landratskandidaten nominierte. „Dass wir das gemeinsam mit der SPD tun, bietet uns die historische Chance Grüne Themen wie noch nie im Landkreis zu verankern“, erklärte der Grünen-Sprecher Henrik Schmidt-Hack. SPD-Co-Kreisvorsitzende Ute Mahl vertrat die Auffassung, dass Ben Schwarz alle Voraussetzungen für einen Landrat mitbringe. „Das hat er als Georgensgmünder Bürgermeister bestens unter Beweis gestellt.“ Sie wolle auf Landkreisebene vor allem die Themen Bildung und soziale Gerechtigkeit vorangetrieben sehen.

Felix Erbe, Kreistagsfraktionschef der Grünen, erwartete sich vom neuen Landrat auch in der Struktur seiner Arbeit als Organ der Exekutive und Vorsitzender des Kreistags Änderungen. „Mehr Transparenz und Offenheit in der Amtsführung sowie mehr Debatte in den Kreistagssitzungen“, mahnte Erbe an. Neue Ideen und Schwerpunkte seien auch bei der Bildung, Soziales und Klimaschutz erforderlich, fügte der Hilpoltsteiner Kreisrat hinzu. „Mit Ben Schwarz werden wir hier einen Trumpf haben, den wir so noch nie hatten“, sagte Erbe.

HK