Roth

Filmteam nimmt Leoni-Konversionsfläche in Blick

Dreh für Vorstellung im Rahmen von Förderprogramm LandStadt Bayern – Filme online und auf Sat.1 Bayern zu sehen

13.10.2022 | Stand 13.10.2022, 17:34 Uhr

Auftakt für eine städtebauliche Mammutaufgabe: Das Leoni-Areal soll umgenutzt werden. Im Film wird das Projekt vorgestellt. Foto: De Geare

Von Viola De Geare

Roth – Der Rother Stadtbaumeister Wolfgang Baier biegt ums Eck und geht auf die Pforte am alten Leoni-Gelände gegenüber dem Schloss Ratibor zu, Kameramann Guido Paetzold hält drauf. Journalist Achim Schregle, der quasi Regie führt, zeigt sich zufrieden. Am Dienstag ist in Roth gedreht worden. Mit buntem Herbstlaub hat sich die Stadt heraus geputzt und zeigt sich von ihrer romantischen Seite – perfekte Kulisse für die Filme über das Projekt zur Revitalisierung des Leoni-Geländes.

Als einzige Kommune in Mittelfranken wurde Roth gemeinsam mit zehn anderen bayerischen Orten als LandStadt Bayern-Modellkommune ausgewählt. Das bayerische Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr möchte mit der Initiative Kommunen fördern, die mit innovativen und nachhaltigen Ideen urbane Wohnviertel schaffen wollen. Gemein ist den meisten Projekten, dass innerörtliche Brachflächen umgewandelt werden, um dort dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Urbanes Leben auf dem Land also. Aus den zehn Kommunen werden später noch einmal drei Orte ausgewählt. Diese werden dann bei der Umwandlung intensiv von Experten unterstützt und speziell gefördert.

An diesem Tag entstehen zwei Filme, beide sollen rund drei Minuten lang werden, einer soll das Projekt auf der Projekt-Website des Bauministeriums vorstellen, einen weiteren Film produziert der Journalist Achim Schregle für Sat.1 Bayern. Dieser soll Mitte November ausgestrahlt werden. Nach und nach werden so auf Sat.1 Bayern alle Projekte vorgestellt.

Roth steht mit der Konversion eine städtebauliche Mammutaufgabe bevor. Schon die Hälfte der Mitarbeiter in der Stadtplanung sei derzeit mit dem Projekt befasst, berichtet Baier. Kein Wunder – das gesamte Areal ist fast genau so groß wie die Rother Innenstadt. Rund 500 Menschen könnten hier ein neues Zuhause finden. Wie das genau aussieht? Das soll mit viel Bürgerbeteiligung und in einem Architektenwettbewerb geklärt werden. Die Parameter sind dabei, dass bestehende Gebäude, so denn möglich, umgenutzt werden und das Viertel Raum für Wohnen und Arbeiten für alle Generationen bieten soll. Sobald Leoni vollständig an die Rother Lände umgezogen ist, kann es losgehen, die Vorbereitungen laufen.

Noch ist aber zum Beispiel die Versandabteilung auf dem alten Areal untergebracht, wie Wolfgang Lösch, ehemaliger Leoni-Chef und seit einem Jahr im Ruhestand, berichtet. Immer wieder kommen Lastwagen und wollen durch die Pforte, während das Filmteam mit Baier am Eingang des Geländes Interview-Sequenzen dreht.

Wehmut aber auch Freude ob Veränderungen auf Areal

Für Wolfgang Lösch ist auch „Wehmut dabei“, wenn er sieht, wie sein alter Arbeitsplatz nach und nach verschwindet. Das große Verwaltungsgebäude mit Beton-Fassade steht schon komplett leer. Wolfgang Baier würde hier gerne das Projektbüro einrichten. „Das wäre charmant, wenn man die Bürgerbeteiligung in einem der alten Gebäude direkt vor Ort machen könnte“, aber da müsse er bei Leoni noch einmal nachhaken.

Für Lösch sind das gute Zeichen. Denn trotz der Wehmut verspürt er Freude: „Es ist schön zu sehen, dass es weitergeht – und vor allem, wie es weitergeht. Dass hier etwas entsteht, dass die Generationen verbinden soll“, sagt er. Er ist später an diesem Tag mit dem Interview dran und führt durch das Fabrikmuseum. Hier wird er dem Filmteam die Ursprünge der „Leonischen Industrie“ zeigen, die Roth so intensiv geprägt hat.

Diese Verbindung von Tradition und Moderne soll auch mit dem Rother Modellprojekt angestrebt werden. Franziska Klepper, Referentin in der Abteilung Städtebau des Ministeriums begleitet das Projekt und an diesem Tag auch den Dreh. Sie zeigt sich immer wieder fasziniert von den verschiedenen Facetten des Geländes, etwa dem Pförtner-Häuschen, das nicht von ungefähr an eine überdimensionierte Kabeltrommel erinnert. Unter Denkmalschutz steht auf dem Areal zwar kein Gebäude, die ganz alte historische Substanz wurde bereits in den 1950er-Jahren ersetzt, aber erhaltenswerte Strukturen gibt es dennoch. „Wer sich für Architektur interessiert, kann die Vorhangfassade hier durchaus schätzen“, sagt Baier und deutet auf eine zweistöckige Halle im hinteren Bereich des Geländes. Da kann Klepper nur zustimmen.

Nach und nach bewegt sich das Team durchs Gelände. Durch einen schmalen Gang zwischen zwei Häusern geht es am großen Schornstein vorbei zum Werkkanal, der entlang des Geländes und direkt unterhalb der Straße fließt. Dort sieht man auch die malerische alte Sandsteinbrücke über die der Fabrikant Stieber zu Pferde vom Schloss, wo er wohnte, in seine Fabrik zu reiten pflegte, wie Museumsleiter Guido Schmid berichtet. Das könnte auch in Zukunft wieder möglich werden, heute aber mit dem Drahtesel. Wo jetzt Gebäude stehen, direkt am Ufer des Werkkanals, soll später der Radweg entlang führen, die alte Stieberbrücke könnte zum Zugang in Richtung Altstadt werden.

Aber auch ein anderes Thema drängt sich beim Blick auf den randvollen Werkkanal auf. Mit den angrenzenden Flüssen ist Hochwasserschutz eine nicht zu vernachlässigende Komponente, weshalb das neue Gelände etwas höher liegen soll, wie Baier berichtet. Aber auch klimaangepasstes Wohnen spielt eine Rolle: „Die Rednitz bringt die Kühle in das neue Viertel“, erklärt Baier.

Ob der schieren Dimensionen des Geländes staunt Journalist Achim Schregle dann doch: „Das wird das Gesicht von Roth schon verändern“, sagt er nachdenklich. Rund zehn Hektar Fläche sind es, berichtet Baier und stimmt zu: „Deswegen muss es architektonisch auch besonders werden.“

HK