Wieder nur die Nummer zwei
Erlangen ist weiter sicher – Doch liegt die Unistadt bei der Kriminalstatistik hinter Nachbar Fürth

17.05.2024 | Stand 17.05.2024, 15:00 Uhr

Bezeichnen Erlangen trotz gestiegener Fallzahlen von fast 5900 auf rund 6400 Straftaten im letzten Jahr nach wie vor als sicher: Klaus Wild, Christian Daut und Heinz Hanisch (v.l.) von der Erlanger Polizei. Foto: Pelke

Sicherste Stadt im Freistaat: Den schönen Platz an der Sonne muss Erlangen regelmäßig den Nachbarn aus Fürth überlassen. „Fürth ist seit Jahren auf Platz eins. Wir sind seit Jahren auf Platz zwei“, ärgert sich Klaus Wild, Leiter der Polizeiinspektion Erlangen-Stadt fast ein wenig über das stetige Nachsehen an der Tabellenspitze.

In der Kriminalstatistik belegt die Kleeblattstadt auch aktuell den ersten Platz mit rund 4700 Straftaten pro 100000 Einwohner. Die Hugenottenstadt folgt gleich dahinter auf dem zweiten Platz. Hier liegt die Häufigkeitszahl der Verbrechen auch im letzten Jahr mit fast 5500 deutlich fast uneinholbar vorne, hat Wild bei der Vorstellung der offiziellen Kriminalstatik für Erlangen im Jahr 2023 kürzlich erklärt.

• Berg-Kirchweih bringt allein 200 Straftaten hervor

„Schuld“ an dieser fast schon traditionellen Reihenfolge im offiziellen Städte-Ranking der Polizeistatistik ist aber nicht das vermeintlich gefährlichere Pflaster in Erlangen. Ganz im Gegenteil: Wild will drei Hauptursachen für die schlechtere Platzierung erkannt haben.

„Der erste Grund: Wir haben die Bergkirchweih“, sagt Wild und erklärt, dass der letzte Berg allein für fast 200 Straftaten – hauptsächlich Rohheitsdelikte – verantwortlich gewesen sei. Vor über zehn Jahren hätte die Bergkirchweih sogar mit fast 500 Fällen die Kriminalstatistik belastet.

Seitdem habe die Stadt als Veranstalter gemeinsam mit der Polizei zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Straftaten zu senken. Polizeibekannten Missetätern werde schon vor dem Anstich des erstes Fasses der Besuch verwehrt. In diesem Jahr sei laut Polizei ein Erlanger mit dem gefürchteten Berg-Verbot belegt worden. Auch wer während der fünften Jahreszeit zwischen Felsenkellern und Riesenrad negativ bei der Polizei auffällt, muss für den Rest des Traditionsfestes mit einem Platzverbot rechnen.

Kneipen: Kirchweihgäste machen die Nacht zum Tag

Und der zweite Grund für den zweiten Platz: „Wir haben in Erlangen viel mehr Bars, Discos und Clubs“, sagt Wild und verweist auf das Phänomen der After-Berg-Party. Nach dem allabendlichen Zapfenstreich auf den Bierkellern um 23 Uhr würden viele Berggänger in der City die Nacht zum Tag machen.

Drogenkuriere und Tankbetrüger auf der A3

Der dritte Nachteil gegenüber dem Spitzenreiter aus dem zumindest statistisch betrachtet sichereren Fürth seien die Autobahnen. Allein Tankbetrüger und Drogenkuriere auf der A3 würden ein düsteres Bild der tatsächlichen Kriminalitätslage in der wohlhabenden Unistadt zeichnen.

Derweil habe auch Erlangen unter dem bundesweiten Trend der verschlechterten Sicherheitslage zu leiden. „Wir haben auch einen Anstieg der Zahlen. Aber Erlangen ist sicher“, betont Wild und freut sich trotz allen Ärgers darüber, dass der Sprung von rund 82000 auf fast 88000 Straftaten durch minderschwere Deliktbereiche verursacht worden wäre.

Diebstähle: Asylbewerber aus dem Ankerzentrum

Allein die Ladendiebstähle seien für 15 Prozent der gesamten Straftaten in Erlangen verantwortlich. Diese würden in der absoluten Mehrheit von nichtdeutschen Zuwanderern beispielsweise aus Marokko ausgeführt. Sie kämen häufig aus dem Bamberger Ankerzentrum für Flüchtlinge nach Erlangen. Ladendiebstähle durch Asylbewerber bezeichnet der Erlanger Polizeichef sogar als „Kriminalitätstreiber“.

Magisch angezogen fühlen sich offensichtlich auch Fahrraddiebe von den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten in der Hugenottenstadt. Wild spricht in diesem Zusammenhang von organisierter Kriminalität. Die Schadenssummer sei allein zwischen 2022 und 2023 von rund 350000 auf fast 550000 Euro gestiegen. Aber nicht nur der Wert der geklauten Drahtesel steige. Auch die Zahl der Fahrraddiebstähle sei um rund 80 auf rund 650 Fälle gestiegen.

Gewaltkriminalität: Keine Schwerstkriminalität

Dagegen sei die Gewaltkriminalität leicht gesunken auf rund 200 Straftaten. „Wir haben keine Schwerstkriminalität und auch keine offene Drogenszene in Erlangen“, hat sich Heinz Hanisch als Leiter der Erlanger Kriminalpolizei bei der Vorstellung der Zahlen gefreut. Spektakuläre Fälle habe es im letzten Jahr leider trotzdem gegeben. Beispielsweise hätten zwei Heranwachsende mit einer Serie von Raubüberfällen auf Schreibwarenläden und Lottogeschäfte für Schlagzeilen gesorgt. Der 17-jährige Haupttäter sei mittlerweile zu einer fast vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Sexualstraftaten: 23-Jähriger Straftäter geschnappt

Ein 23-jähriger Lustmolch, der im letzten Frühling reihenweise Joggerinnen im Stadtgebiet sexuell belästigt und dabei unsittlich berührt habe, sei inzwischen wegen Vergewaltigung zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Die rund 300 Polizisten der Erlanger Inspektion hätten alle Kräfte mobilisiert, um den Sexualstraftäter zu schnappen und das Gefühl der Erlanger von relativ hoher Sicherheit wieder herstellen zu können. Am Ende habe der berühmte Kommissar Zufall die Ermittler über ein Phantombild noch vor dem Auftakt zur letzten Bergkirchweih relativ schnell zu dem Verdächtigen geführt.