Challenge-Triathlon

„Er muss das Ding nach Hause bringen“

Familien und Freunde fiebern am Schwimmstart des 20. Challenge am Kanal bei Heuberg mit

03.07.2022 | Stand 03.07.2022, 15:31 Uhr

Logenplatz auf der Heuberger Brücke: Von dort aus hat man den besten Überblick über den Schwimmstart des 20. Challenge Roth.

Von Monika Meyer

Hilpoltstein – Kleiner Holperstart: Die ersten Topathleten, die sich bereit machen für ihren Auftritt, müssen den Kanal kurz vor knapp noch einmal verlassen: Einige haben es wohl versäumt, sich bei der Zeitabnahme zu registrieren. „Bitte alle noch mal aus dem Wasser!“, brüllt deshalb der Stadionsprecher am Sonntagmorgen kurz vor 6.30 Uhr. „Wir wollen doch, dass die Zeit korrekt abgenommen wird.“

Das bleibt wohl der einzige kleine Aufreger am Kanal bei Heuberg, als der Challenge Roth in seine 20. Auflage geht. Endlich wieder dürfen die Zuschauer ran an das Geschehen – im Gegensatz zum Vorjahr. Da hatten sich die Veranstalter entschieden, den Langdistanztriathlon wegen Corona nicht nur in den September zu verlegen, sondern auch mit Sichtschutzwänden möglichst viele davon abzuhalten, überhaupt zum Zuschauen zu kommen. Das wirkt wohl noch ein wenig nach, denn am Sonntag bleiben beim Schwimmstart die großen Massen aus.

Darunter ist aber ein sehr bekanntes Gesicht: die ehemalige Topathletin Yvonne van Vlerken (43), die achtmal in Roth gestartet ist und dort dreimal gewonnen hat. An diesem Sonntag ist sie als Trainerin an der Lände, sie hat quasi die Seiten gewechselt, erzählt die sympathische Holländerin.

Einer ihrer Schützlinge ist die Südafrikanerin Magda Nieuwoudt, die im Topfeld startet. „Das wird ein sehr spannendes Rennen bei den Frauen, da ist da Feld sehr gut besetzt“, glaubt van Vlerken. Dass die Topathleten wegen der hohen Wassertemperatur ohne Neopren starten müssen, sei für ihre „Mädels“ nicht so gut, „sie sind sehr dünn und ich hoffe, sie erfrieren nicht“.

In den Genuss ihres Trainings ist auch Susanne Grönebaum, eine 31-jährige Lehrerin aus Stade gekommen. Sie quält sich gerade in den Neopren, um ihren ersten Langdistanz-Triathlon zu absolvieren. „Yvonne ist mein großes Idol“, sagt sie lachend. Weniger zum Lachen zumute ist hingegen der 29-jährigen Würzburgerin Lisa Käseberg. Wegen einer kürzlich durchgemachten Coronainfektion muss sie leider passen. „Ich bin schon sehr enttäuscht.“ Dabei war sie laut ihrer Trainerin Yvonne van Vlerken „in der Form ihres Lebens“. Die hat sich im Übrigen auf Athletinnen spezialisiert und deren Trainingspläne am weiblichen Zyklus ausgerichtet. „Das ist immer noch ein Tabuthema“, berichtet die Holländerin. „Mein Ziel ist es, dass die Frauen gesund sind und gesund bleiben, auch wenn sie mit dem Profisport aufhören.“ Da könne sie all ihre – zum Teil auch sehr leidvolle – Erfahrung einbringen.

Während sie noch erzählt, kommt mit Jan Frodeno der erste Topathlet aus dem Wasser, dicht gefolgt von Maurice Clavel. Helfende Hände der Rother Wasserwacht strecken sich ihm entgegen. Sie stützen und fangen auf, wenn jemand auf den algenbewachsenen und glitschigen Steinen des Kanals auszurutschen droht. „Die insgesamt 7500 Helfer nehmen den Athleten alles ab“, plärrt der Stadionsprecher ins Mikrofon. „Alles, außer dem Schwimmen, Radfahren und Laufen.“

In diesem Moment weiß aber noch keiner, dass der führende Superstar Frodeno später nach rund zwei Kilometer Laufen aus dem Rennen aussteigen muss – seine Achillessehne macht ihm zu schwer zu schaffen.

Am Schwimmstart geht es weiter Schlag auf Schlag: Die Athleten starten in insgesamt 17 Gruppen, die Staffeln kommen noch on top. Der Stadionsprecher verkündet erfreut, dass nun zum zweiten Mal innerhalb einer Stunde ein ausgefallener Staffelradfahrer spontan ersetzt werden konnte. „Das gibt es auch nur in Roth.“

Extra ein Banner drucken lassen hat sich Julia Nicolai, die mit Ehemann Bastian und Tochter Lennja angereist ist. Sie feuert nämlich ihren Bruder Christoph Jeromin an, einen Ex-American-Football-Profi, der bei Frankfurt Galaxy in der NFL Europe gespielt hat. Eigentlich hatte Julia vor vier Jahren unbedingt selbst in Roth starten wollen, musste aber verletzungsbedingt absagen. Diese Verantwortung wird nun delegiert: „Jetzt muss mein Bruder das Ding nach Hause bringen“, sagt die junge Frau lachend. Sie geht jedenfalls konform mit Yvonne van Vlerken, die sagt: „Hier ist es super schön. Es gibt kein anderes Rennen auf der Welt mit solch einer Stimmung.“

HK