Einmal noch Ballonfahren

Arbeiter-Samariter-Bund erfüllt Helga Barwig aus Wendelstein einen letzten Herzenswunsch

21.04.2022 | Stand 21.04.2022, 16:14 Uhr
Katrin Böhm

„Ein emotionales Erlebnis, das werden wir nie vergessen“: Mit ihrer Familie unternimmt die schwerkranke Helga Barwig aus Wendelstein eine Ballonfahrt, die der „Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes Franken/Oberpfalz möglich macht. Foto: ASB

Von Katrin Böhm

Helga Barwig ist schwerkrank. Ein Lungenflügel funktioniert gar nicht mehr, der andere nur noch zu 30 Prozent. Die 78-Jährige aus Wendelstein im Landkreis Roth leidet unter der chronischen Lungenkrankheit COPD und ist rund um die Uhr auf Sauerstoff angewiesen, eine Morphinpumpe lindert die Schmerzen. An schlechten Tagen liegt sie viel, an guten Tagen ist sie etwas mobiler. Zu einem dieser wenigen guten Tage zählt aber der, an dem Helga Barwig jetzt in einen Heißluftballon stieg.

Möglich gemacht hat das der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Franken/Oberpfalz. Damit versucht der ASB, sterbenskranken Menschen einen letzten Herzenswunsch zu erfüllen. Schwierigkeiten machte bei der Ballon-Aktion für Helga Barwig zunächst das Wetter. Immer und immer wieder mussten Termine abgeblasen werden, weil die äußeren Bedingungen und die Thermik nicht passten. Zwischendrin gab es dann auch noch die Befürchtung, dass es die 78-Jährige gesundheitlich womöglich nicht mehr schaffen würde, sagt Claudia Weichert. Sie ist eine der Töchter und pflegt ihre Mutter bei sich zu Hause. „Wir hatten Angst, dass sie es nicht mehr erleben kann. Aber ich hatte auch das Gefühl, dass es sie am Leben hält.“



Die Idee mit der Heißluftballonfahrt hatte ihre Nichte Larissa. Die 20-Jährige hatte ihre Oma schon im Herbst gefragt, was sie sich denn noch in ihrem Leben wünschen würde. Und da erzählte Helga Barwig von ihrem Traum mit der Heißluftballonfahrt. Larissa Barwig war der Wünschewagen ein Begriff, sie fragte an - und bekam zwei Tage später die Zusage. Die Familie überraschte die Oma, die sehr gerührt und aufgeregt war – und Monate später klappte es nun mit der Fahrt.

Die Ballon-Crew wählte als Startplatz eine Fläche zwischen Rocksdorf und der Belzlmühle in der Gemeinde Mühlhausen. Der Fahrgastkorb wurde ausgeladen, die riesige Ballonhülle aufgeblasen. Nun ist eine Ballonfahrt an und für sich schon eine Herausforderung – erst recht aber für eine schwerkranke Frau, die nicht mehr mobil ist. „Aber die haben alles möglich gemacht, damit die Mama da wohlbehütet reingekommen ist“, sagt Ilona Barwig, ebenfalls eine Tochter von Helga Barwig, die bei der Ballonfahrt dabei war.

In der Luft sei es dann „unvergesslich“ gewesen. Die Mutter, die sonst kaum mehr stehen kann, sei plötzlich die ganze Fahrt über auf den Beinen gewesen. „Sie hat das total genossen, es war ein magischer Moment. Aufregend, aber friedlich und ruhig.“ Und so ging es über Mühlhausen in eine Höhe von bis zu 1500 Metern. Weil der Wind sehr schwach war, musste der Ballonfahrer allerdings immer wieder mal die Höhe wechseln, um Windströmungen zu finden, die den Ballon mit 10 bis 20 Stundenkilometern voranbrachten. Als Landeplatz wurde eine Wiese hinter Freystadt angesteuert, wo der Ballon im Landeanflug nah über die Dächer der Stadt schwebte.

Und dann kam auch ein bisschen Angst bei der Familie auf. Denn bei der Landung kann es schon mal passieren, dass es holpert, dass Passagiere stürzen. „Wir hatten total Bammel“, sagt Ilona Barwig. Für ihre Mutter hätte ein Sturz womöglich katastrophale Folgen gehabt. Die Crew instruierte die ganze Familie – mit dabei waren auch die Enkel –, wie sie sich um die Oma stellen sollte, um sie zu schützen, wer wo festhalten, unterhaken und mit ihr in die Knie gehen sollte, damit beim Aufprall auf den Boden nichts passiert. „Und dann war das so eine sanfte Landung, dass man es kaum bemerkt hat“, sagt Ilona Barwig. „Wir hatten große Angst, aber es war gar nichts. Das war richtig toll.“

Helga Barwig war zurück auf dem Boden ebenfalls hin und weg. „Das war ein richtiger Push, es ging ihr psychisch viel besser“, sagt Claudia Weichert. Natürlich, niemand weiß, wie lange es letztlich noch gehen wird, „aber diese Ballonfahrt, das war so ein emotionales Erlebnis, das werden wir nie vergessen.“

HK