Oberndorf

Ausreichend Ertrag trotz weniger Chemie: Oberpfälzer Landwirt startet Langzeitversuch

26.06.2022 | Stand 27.06.2022, 6:20 Uhr
Heike Regnet

Die Kombination aus Hacken und wenig Chemie wird auf den Maisfeldern der Schwanfelders praktiziert. −Foto: Heike Regnet

Wer auf dem Weg von Oberndorf (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) nach Thannhausen am Maisfeld des landwirtschaftlichen Betriebs der Familie Schwanfelder vorbeifährt, kann den aktuellen Stand des derzeit laufenden Versuchs zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln sehen.



Auf dem Feld weisen vier Infotafeln auf die Bearbeitung der jeweils rund 1000 Quadratmeter großen Schauflächen hin. Harald Gebhardt, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg-Neumarkt, und Pflanzenbauberater Joachim Nagy informierten jetzt über das Projekt.

Langzeitversuch für Mais

Insgesamt sind es 14 Hektar Mais, die Landwirt Karl-Heinz Schwanfelder Jahr für Jahr als Futter für seinen Milchviehbetrieb benötigt. Sohn Stefan ist bereits in den Landwirtschaftsbetrieb mit eingestiegen. Um auch als Landwirtschaftsbetrieb langfristig bestehen zu können, muss stets mit Weitsicht gehandelt werden. Der Schutz von Boden, Wasser, Klima und die Artenvielfalt habe für die Landwirtschaft höchste Priorität, betont Gebhardt. Ein wichtiges Thema sei hier der chemische Pflanzenschutz. Auf den vor wenigen Wochen angelegten Schauflächen soll nun im Langzeitversuch aufgezeigt werden, was in der Praxis umsetzbar ist und Sinn macht.

Wie Nagy erläutert, hat der Bayerische Landtag im Sommer 2019 im Zuge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ die Halbierung des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel als anzustrebendes Ziel bis 2028 beschlossen. Seit 2021 konnten landwirtschaftliche Betriebe erstmals im Rahmen der Antragstellung zu den Agrarumweltmaßnahmen einen Ausgleich in Höhe von 80 Euro pro Hektar für bestimmte Ackerbaukulturen beantragen, wenn hier auf den Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln (Herbiziden) verzichtet wird. Aktuell nehme bereits jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb in Bayern freiwillig an Agrarumweltmaßnahmen teil.

Auch im Rahmen der neuen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2023 werde der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ein wesentliches Element sein. Aufschluss über Möglichkeiten zur Reduktion des Herbizideinsatzes beim Mais soll nun das Demonstrationsprojekt in Oberndorf geben.

Innovative Hackgeräte

Mais gehört neben Rüben und Kartoffeln zu den klassischen Hackfrüchten. Hier können wegen des größeren Reihenabstandes Hackgeräte gut zum Einsatz kommen. Auf dem Hof der Familie Schwanfelder wird dies seit jeher umgesetzt. „Wir haben schon immer auf eine Kombi aus Hacken und möglichst wenig Chemie gesetzt“, sagt Karl-Heinz Schwanfelder. Das habe sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt und auch die entsprechend angelegte Schaufläche unterstreicht diese Aussage.

Bei vielen Landwirtschaftsbetrieben habe allerdings in den vergangenen 30 Jahren der Herbizideinsatz im konventionellen Ackerbau aus Kosten- und arbeitswirtschaftlichen Gründen dominiert, sagt Nagy. Nun aber rücken der Verlust an zugelassenen effektiven Wirkstoffen bei paralleler Entwicklung innovativer Hackgeräte mit Kamerasteuerung sowie die politischen Rahmenbedingungen die mechanische Unkrautregulierung wieder mehr ins Bewusstsein.

Auch unbehandelte Schaufläche zum Vergleich

Schauflächen wie in Oberndorf wurden auf Initiative des AELF bayernweit angelegt. Auch an eine unbehandelte Fläche wurde gedacht, die den vorherrschenden Unkrautdruck deutlich macht. Ohne jegliche Behandlung hat hier der Mais keine Chance, in die Höhe zu kommen.

Eine der nun in Oberndorf angelegten Vergleichsflächen ist die chemische Variante. Hier zeigt sich, dass die Betriebe selten die volle Aufwandmenge eines Produktes wählen, sondern den Herbizideinsatz wohlüberlegt an die Situation vor Ort anpassen. Daneben sind die rein mechanische Variante und zwei Hybridvarianten, bei denen in der Reihe eine sogenannte Bandspritzung und der Einsatz eines Hackgeräts erfolgte, zu sehen. In den Hybridvarianten kann der chemische Einsatz bis zu 70 Prozent gesenkt werden, da nur die Maisreihe behandelt wird. Auch der Zeitbedarf auf dem Feld und die Kosten werden bei der Auswertung des Projekts berücksichtigt.

Karl-Heinz Schwanfelder sieht sich beim Vergleich der Schauflächen in seiner bisherigen Arbeitsweise bestätigt. Durch den Einsatz des Hackgeräts konnte er seit jeher den Einsatz chemischer Mittel reduzieren. „So werden wir auch künftig weitermachen“, sind sich Vater und Sohn einig.

− HK