Rechtsradikale Äußerungen

Rock im Park: Auftritt der Heavy-Metal-Band Pantera abgesagt

Proteste wegen rechtsradikaler Äußerungen des amerikanischen Sängers zeigen Wirkung

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 20:02 Uhr
Nikolas Pelke

Nun wird es also keinen Auftritt von Phil Anselmo und seiner Band Pantera in Nürnberg geben. Foto: Lopez, imago

Nach der Kritik an dem geplanten Auftritt der amerikanischen Heavy-Metal-Band Pantera wegen rechtsradikaler Äußerungen von Sänger Phil Anselmo haben die Veranstalter die umstrittene Band doch noch aus dem Musikprogramm von Rock im Park auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg gestrichen.



Die Band werde nicht wie angekündigt bei dem Rockfestival auftreten, teilten die Konzertveranstalter mit. Zuletzt hätten sich die Festivalmacher intensiv mit der Kritik auseinandergesetzt und beschlossen, Pantera aus dem Programm von Rock im Park und der zeitgleich stattfindenden Schwesterveranstaltung „Rock am Ring“ in der Eiffel zu werfen.

Hitlergruß und rassistische Parolen

Die Toten Hosen hatten sich zuvor in dem schwelenden Streit zu Wort gemeldet. „Als wir zugesagt haben, dieses Jahr auf den Festivals zu spielen, war von Pantera noch keine Rede“, hatte Band mitgeteilt. Bislang hätten Campino & Co. die umstrittene Band aus Amerika „nicht auf dem Schirm“ gehabt. Das Urteil der Toten Hosen fällt dennoch eindeutig aus. „Das Video, das den offensichtlich besoffenen Anselmo 2016 beim Hitler-Gruß und dem Rufen einer rassistischen Parole zeigt, ist abstoßend und widerlich.“ Dass sich der Pantera-Sänger danach für sein „unterirdisches Verhalten“ entschuldigt habe, macht die Entgleisung aus Sicht der deutschen Punkband nicht besser. „Wir selber sind Phil Anselmo nie begegnet und können nicht beurteilen, wie es um seine wahre Gesinnung steht. Die ganze Situation empfinden wir als kompliziert und unglücklich“, ist im Statement weiter zu lesen. Die Toten Hosen gingen davon aus, „dass auch dieser spezielle Fall noch einmal genau durchleuchtet wird und gegebenenfalls die notwendigen Konsequenzen gezogen werden.“



Zunächst hatte der Veranstalter angekündigt, Pantera nicht ausladen zu wollen und der Band das „von vielen Fans langersehnte Konzert“ trotz aller Vorwürfe bei Rock im Park im Juni in Nürnberg ermöglichen zu wollen. SängerPhil Anselmo habe sich bei den Veranstaltern ausdrücklich von früheren Aussagen distanziert und für sein Fehlverhalten entschuldigt, teilte ein Sprecher von Argo Konzerte aus Würzburg seinerzeit mit. „Wir haben daraufhin beschlossen, der Band Pantera eine Chance zu geben und somit unzähligen Rockfans den Traum zu erfüllen“, teilte Nino Bauer von Argo Konzerte zunächst mit.

Zeitgleich hatte Kulturbügermeisterin Lehner erklärt, dass es die Entscheidung des Veranstalter von Rock im Park sei, an dem Auftritt der Band festzuhalten.

Nun ist also die Kehrtwende erfolgt und der Auftritt der Band vom Tisch. Zu den näheren Umständen der Absage wollte sich Julia Popp von Argo Konzerte aus Würzburg am Dienstag nicht näher äußern. Derweil hat Kulturbürgermeisterin Lehner auf Anfrage mitgeteilt, dass man im Rathaus die Absage des Pantera-Auftritts „sehr begrüßt“.

Zuvor hatte sich in Nürnberg bereits Stadträtin Réka Lörincz (Grüne) gegen den Auftritt der Band in Nürnberg ausgesprochen. „Wir sind erleichtert über die Entscheidung des Veranstalters, der Band keine Bühne zu bieten“, sagte Lörincz. Aufgrund von wiederholt antisemitischen und antirassistischen Äußerungen von Bandfrontman Phil Anselmo sei für die Grünen-Stadträtin ein Auftritt ausgerechnet auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände unvorstellbar gewesen.

Die vielen Hintergrundgespräche und der „konzentrierte, aber stets konstruktive Druck“ der Nürnberger Politik und Zivilgesellschaft haben sich laut Natalie Keller, kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Nürnberger Stadtrat, gelohnt. Darauf könne Nürnberg stolz sein. Nun bedürfe es nach Meinung der Grünen „nachhaltiger und struktureller Lösungen, um diesen besonderen Täter- und Lernort nicht weiter zu belasten“. Die Nürnberger Stadtverwaltung müsste zukünftig rechtliche Spielräume nutzen, um unliebsame Auftritte auf den sensiblen Gelände bereits im Vorfeld verhindern zu können.

Angebliches Schweigen des Oberbürgermeisters

Derweil hat Linda Reinke, Vorsitzende der Jusos in Nürnberg, das angebliche Schweigen der Stadtspitze zum Thema Pantera moniert. Es könne nicht sein, dass Oberbürgermeister Marcus König und die

Kulturbürgermeisterin Julia Lehner (beide CSU) zum Thema Pantera geschwiegen hätten. „Von unserem Oberbürgermeister, der unentwegt die Rolle Nürnbergs als Stadt der Menschenrechte betont, hätte ich eine klarere Kante gegen Rechts erwartet“, hat Anil Altun, Co-Vorsitzender der Jusos in Nürnberg, ergänzt.

HK