Wolnzach

VR-Bank möchte das Gebäude bauen: Museum der Hand soll von der Peripherie ins Zentrum umziehen

Wolnzach stellt dafür Leader-Förderantrag – Kritische Stimmen zu den Kosten

15.07.2022 | Stand 15.07.2022, 17:03 Uhr

Seit 1996 ist die feine Sammlung zum „Händemuseum“ in einem Gebäude Am Brunnen untergebracht. Demnächst soll sie in einen Neubau am Marienplatz ziehen. Foto: WZ-Archiv

Von Karin Trouboukis

Wolnzach – Wer den ersten Live-Stream dieser Gemeinderatssitzung verfolgt hat oder das Video im Nachhinein im Internet anklickt, der hört kritische Stimmen zur Verlegung des Museums der Hand ins Wolnzacher Zentrum, sieht Gemeinderäte, denen die hohen Kosten offenbar Bauchschmerzen bereiten, einen, der ein fehlendes Konzept kritisiert und einen anderen, der sogar Würste in die Kamera hält.

Verborgen bleibt die Tatsache, dass es erst im September zum Museum der Hand und zur geplanten Verlegung ins Zentrum eine Sondersitzung gab – mit ganz anderen Tönen, aber auch anderen Zahlen: Zur Verlegung der Dauerausstellung war damals von – damals noch grob geschätzt – rund 625000 Euro und Zuschüssen von 65 Prozent die Rede gewesen, einstimmiger Ratsbeschluss und durchgehendes Lob für die „Hände“-Sammlung inklusive.

Jetzt liegt die detaillierteKostenschätzung vor

Die jetzt vorliegende detaillierte Kostenschätzung von einer knappen Million Euro für die Dauerausstellung und Gesamtkosten von rund 1,9 Millionen Euro inklusive Planungskosten für das Museum, den Multifunktionsraum, Depot und Touristeninfo mit Behindertentoilette am Marienplatz haben die ursprünglich durchwegs positive Stimmung jedoch offensichtlich kippen lassen. Das Projekt Museum „Kulturgeschichte der Hand“ – das Selbiges als Arbeitstitel zu verstehen ist, sollte im Verlauf der Sitzung noch Thema sein – wurde am 22. Juni im Leader-Lenkungsausschuss vorgestellt. Folge: einstimmiger Beschluss, weshalb der Markt Wolnzach jetzt einen Förderantrag von 850000 Euro stellen kann – eine Fertigstellung bis zum 31. Dezember 2024 vorausgesetzt.

Ausgehend von den Gesamtkosten von rund 1,9 Millionen Euro entfielen somit laut Sitzungsleiter Drittem Bürgermeister Werner Hammerschmid (SPD) im schlimmsten Fall 1,17 Millionen Euro auf den Markt Wolnzach. „Bis zum Radiergummi“ sei hier alles erfasst, so Hammerschmid. Er gehe davon aus, dass der Markt „sehr deutlich“ unter dieser Beteiligungssumme liegen werde, weil eventuelles Sponsoring, Förderungen und Zuschüsse noch nicht eingerechnet seien.

Zweifel wegen der hohen Kosten und der Koppelung der Förderzusage mit dem Fixtermin 31. Dezember 2024 meldete Simon Zimmermann (FW) an; auch Alois Brummer (CSU) sähe lieber eine Verteilung der Last auf „mehreren Säulen“, wie es beispielsweise beim Zweckverband Hopfenmuseum der Fall sei. Max Wallner (BGW) fühlt sich „scheibchenweise“ und nicht „am Stück“ informiert (was er anhand von Würsten demonstrierte) – und stellte plötzlich gar den Standort generell in Frage; man solle doch eher nach vorhandenen Möglichkeiten im Zentrum suchen und die Bürger entscheiden lassen.

Konzept für „Sammlung“soll entwickelt werden

In besagter Sondersitzung vor wenigen Monaten hatte jedoch auch er noch dafür gestimmt gehabt, den Weg der Verlegung des Museums in einen von der Volksbank-Raiffeisenbank erstellten Neubau am Marienplatz mitzugehen. Zu dieser Sitzung hatte die Marktverwaltung einen Fachmann eingeladen gehabt: den promovierten Historiker, Volkskundler und international tätigen Museumsfachmann Rainer Tredt, der sich von der von Norbert Nemetz zusammengestellten und seit 1996 der Öffentlichkeit zugänglichen Sammlung begeistert zeigte. Diese „Sammlung“ habe es verdient, im Zentrum präsentiert zu werden – ein entsprechendes Konzept vorausgesetzt.

Dass es ein solches Konzept nicht gibt, kritisierte in der live übertragenen Ratssitzung Hans Geißlinger (Grüne), der für Birgit Janecek in den Gemeinderat nachgerückt ist und zum Zeitpunkt besagter Sondersitzung dem Gremium nicht angehört hatte. Geißlinger, der in Philosophie promoviert hat und durch diverse Kunstprojekte nationalen und internationalen Ruf genießt, stört sich an der Bezeichnung „Kulturgeschichte der Hand“ – weil es eine eben solche „nicht gibt“. Menschliche Gliedmaßen seien keine Kultur. Er würde sich gerne in beratender Funktion zur Verfügung stellen. Ein Angebot, das man gerne annehme, so Dritter Bürgermeister Werner Hammerschmid, der die Sitzung gerade ob der auch kritischen Stimmen für eine Klarstellung nutzte: Der Macher der Händesammlung, Norbert Nemetz, habe für sein Werk etliche Anfragen zur Übernahme „für viel Geld, und wir bekommen sie von ihm geschenkt“. Das könne man nicht genug wertschätzen. Ebenso das Angebot der VR-Bank, die für Kultur und Innerortsbelebung hier ein Gebäude zur öffentlichen Nutzung gestalte. „Das verdient Dank und Respekt“, so Hammerschmid. Auch Jutta Winter (CSU), Brigitte Hackl (GfW), Tanja Maier (SPD), Steffi Maier (CSU) vermittelten mit ihren Wortmeldungen diese Einstellung. Am Ende stand dann doch eine deutliche Mehrheit dafür, den Leader-Förderantrag zu stellen und das Kostendefizit zu übernehmen. Dagegen stimmten Simon Zimmermann und Max Wallner.

WZ