Pfaffenhofen

Thomas Herker präsentiert das Pfaffenhofener Jahr erneut online

„Wachstum ist für uns kein Ziel“: Bürgermeister rechtfertigt Kuglhof-Pläne – und will von Blackout-Panikmache nichts hören

23.11.2022 | Stand 23.11.2022, 19:00 Uhr

Bürgermeister Thomas Herker bei der Präsentation im Studio – die Bürgerversammlung fand erneut online statt. Foto: Tomaschek

Von Patrick Ermert

Pfaffenhofen – Sobald Thomas Herker vor der Kamera steht, beginnt für den SPD-Bürgermeister das Heimspiel. Das dritte Jahr in Folge hatte er am Dienstagabend das Vergnügen, den Pfaffenhofenern am Bildschirm seine Weichenstellungen zu erläutern. Er bewältigte die Aufgabe souverän, hatte Zahlen zu bieten und erklärte seine Politik grundlegend.

Hauptthema war das Gewerbegebiet Kuglhof 2. Die meisten Fragen, die per E-Mail oder Telefon eingingen, drehten sich darum. „Es wird viel und oft sehr flach diskutiert“, kommentierte Herker die Debatte, die wohl per Bürgerentscheid entschieden werde. Am Flächenverbrauch gebe es nichts zu deuteln, räumte er ein. Aber wenn die Stadt so ein Vorhaben anpacke, wolle sie es besonders vorbildlich tun.

Große Gewerbehallen, aber trotzdem ein Plus für die Biodiversität? Das geht für Herker zusammen. Der ökologische Wert des Areals nach der Bebauung werde gegenüber der intensiven Landwirtschaft gesteigert, meinte er. Die Bürgerinitiative habe nur erreicht, dass ein Unternehmen, das sich ansiedeln und 600 Arbeitsplätze in der Brennstoffzellenfertigung schaffen wollte, abgesprungen sei. Für die Stadt sei das Projekt essenziell, um mit den Einnahmen zukunftsweisende Projekte zu finanzieren. Der Bau der Umgehung werde durch die Trassenverlegung beschleunigt, behauptete der Bürgermeister. Und er sieht es als Aufgabe, die Zahl der 8000 Auspendler durch attraktive Arbeitsplätze zu reduzieren. „Das verringert den Verkehr, bringt mehr Freizeit und steigert den Konsum in der Stadt.“

Wie ernst es Herker mit der Nachhaltigkeit ist, zeigten weitere Aussagen. „Wachstum ist für uns kein Ziel“, sagte er. Der Bau der drei Windräder im Förnbacher Forst soll nächstes Jahr endlich gelingen. Die Allianz mit den Landwirten wertet er als „entscheidenden Hebel, mit dem wir uns um den Boden kümmern können“. Und auf einen Blackout wäre Pfaffenhofen auch vorbereitet. An „beheizbaren Leuchttürmen“ – etwa in Schulen, Kitas und Turnhallen – würde für einen Notfall vorgesorgt, mit dem Herker nicht rechnet. „Ich will keine Panikmache“, entgegnete er einer Nachfrage – trotzdem sei die Stadt bestens gerüstet.

Die Bürgerversammlung in Kürze

Personal: Bei der Stadt Pfaffenhofen sind aktuell 329 Personen angestellt – davon 135 in der Kernverwaltung (zehn Auszubildende und 14 Praktikanten). 22 sind nicht aktiv beschäftigt, also in Elternzeit oder Sonderurlaub. Und in den Kitas arbeiten rund 150 Beschäftigte. Bei den „Töchtern“ arbeiten insgesamt zehn Personen: sechs bei der WBG, drei bei der WSP sowie eine bei der Fundationsstiftung.

Die Einwohnerzahl lag zum Stichtag 31. Oktober bei 27330 Bürgern. Das sind fast 500 mehr als zum Jahreswechsel. Im Stadtgebiet leben 20106. Der größte Ortsteil ist Niederscheyern mit 2025 Einwohnern – vor Förnbach (1048), Tegernbach (949), Weihern (912), Heißmanning (463) und Uttenhofen (446).

Ukrainekrise: Im Stadtgebiet leben derzeit 267 Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet. Elf Kinder besuchen die Kitas, 29 die Grundschulen, 24 die weiterführenden Schulen.

Finanzen: Das Haushaltsvolumen liegt in diesem Jahr bei über 86 Millionen Euro. Die Steuereinnahmen bewegen sich trotz der gegenwärtigen Krisen auf hohem Niveau: Gewerbesteuer und Einkommensteuer bei jeweils rund 20 Millionen Euro. An der Gewerbesteuer sind etwa 1000 Firmen beteiligt – zwei Drittel der Gesamtsumme bezahlen jedoch nur zehn Firmen.

Kulturleben: Nach der Pandemie konnten alle Kulturformate wieder stattfinden – sowie erstmals ein dreitägiges Bürgerfest. Im kommenden Jahr sind Paradiesspiele und eine zweitägige Nacht der Kunst geplant – 2024 dann wieder ein Bürgerfest.

Musikschule: Die Zahl der Schüler ist zum September auf 615 gestiegen. An der Bläserklasse der Realschule waren zuletzt 42 Kinder aktiv.

Kitas und Schulen: Betreut werden an den Krippen 246 Kinder, in den Kindergärten 940 Kinder, im Hort 75 Kinder, in der Tagespflege 80 Kinder. Pro Kind bezahlt die Stadt einen Zuschuss in Höhe von etwa 3700 Euro. „Personell“, so Herker, „leben wir auf einer Insel der Glückseligkeit.“ Nur wenige Stellen seien unbesetzt. Erweitert wird momentan „Maria Rast“ in Niederscheyern – und für St. Elisabeth laufen die Planungen. An den Grundschulen lernen 772 das Lesen, Rechnen und Schreiben – die Mittelschule besuchen 537 Jugendliche.

Spielplätze: Die rund 30 Spielplätze im Stadtgebiet werden reihum auf den neuesten Stand gebracht. Aktuell ist der Abenteuerspielplatz in Niederscheyern an der Reihe. Er wird gerade erweitert – im Frühjahr sollte alles fertig sein. Danach stehen Uttenhofen, Ehrenberg und der Spielplatz an der Jakob-Sanwald-Straße auf dem Plan.

Straßenbau: Die Bagger rollten heuer im Ostviertel (Birkengrund), am Radlberg, auf der Auenstraße und gegenwärtig auf der Altenstadt. Radler und Fußgänger will Herker „vermehrt in den Fokus nehmen, nachdem sich jahrzehntelang gar niemand um sie gekümmert“ habe. 87 Zebrastreifenleuchten wurden auf LED umgebaut – und von insgesamt 3584 Straßenlampen wurden inzwischen 1605 auf LED umgerüstet. Ein Pilotprojekt mit Bewegungsmeldern läuft in Pfaffelleiten. Bei der Lärmberechnung, um „gesundes Wohnen“ zu gewährleisten, hat die Moosburger Straße eine Grenze gerissen. Daher entsteht dort eine 30er-Zone.

Hochbau: Neben Pfaffelleiten werden gerade die Baugebiete in Affalterbach und Tegernbach realisiert; Planungen werden für Ehrenberg und Uttenhofen erstellt. Von privaten Vorhaben sind die Projekte auf dem Baywa-Areal (100 Wohnungen) und Am Burgfriedenstein (74 Wohnungen) herausragend. Allerdings ließ Herker durchklingen, dass durch die gegenwärtigen Veränderungen in der Immobilienbranche auch dort vieles im Fluss sei.

Wohnungsbau: Die WBG verfügt über zehn Gebäude mit 155 Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten. Insgesamt betreut die Tochtergesellschaft 275 Wohneinheiten. Neben dem betreuten Wohnen am St.-Franziskus-Altenheim werden gerade Projekte am Stettberg, in der Fliederstraße und an der Ziegelstraße werden angestoßen. „Bei uns läuft es zwar noch“, so Herker. Aber wenn Bund und Land nicht bald passende Förderinstrumente zur Verfügung stellen sollten, werde alles zum Erliegen kommen.

PK