Wolnzach
Szenen wie von einem anderen Stern bei Übung zu Chlorgasaustritt im Schwimmbad

28.11.2023 | Stand 28.11.2023, 14:00 Uhr

Zur Dekontamination, der Säuberung von Gefahrstoffen, war ein spezielles Zelt aufgebaut. Fotos: Feuerwehr, Markt Wolnzach

Chlor ist in den meisten öffentlichen Bädern unverzichtbar beim Desinfizieren des Wassers, aber es birgt auch große Gefahren. Was passiert, wenn im Schwimmbad Chlorgas austritt? Wie gehen die Rettungskräfte vor? Und worauf ist zu achten? Dieses Szenario haben die Rettungskräfte, allen voran die Feuerwehren Wolnzach und Reichertshofen, jetzt im Wolnzacher Schwimmbad nachgestellt. Soviel vorweg: So manche Szenen dieser Großübung hatten optisch ein bisschen etwas vom Leben auf einem anderen Stern.

Feuerwehrleute in dicken, gelben Schutzanzügen, mit Stiefeln, Handschuhen und großem Kopfschutz. Andere in etwas leichteren, orangefarbenen Ganzkörperanzügen neben einem Zelt, in dem die Einsatzkräfte dekontaminiert, also von Giftstoffen gesäubert wurden. Dieses Zelt ist im Besitz des Landkreises Pfaffenhofen und stationiert bei der Feuerwehr Reichertshofen, die im Falle eines Gefahrstoffunfalles alarmiert wird. So wie eben an diesem Abend am Wolnzacher Schwimmbad. „Chlorgasaustritt, eine Person vermisst.“ Diesen Notruf hatte die Schwimmbadleitung abgesetzt und damit die Rettungskette in Gang gesetzt.

Spezialausrüstung zur Dekontamination



Die Feuerwehr Reichertshofen rückte mit dem eingangs beschriebenen Equipment und den entsprechend ausgebildeten Einsatzkräften sofort nach Wolnzach aus, die Wolnzacher Feuerwehr, die ebenfalls über eine Spezialausrüstung für solche Fälle – beispielsweise sogar eine kleinere Dekontamination-Station und eben die etwas leichteren orangefarbenen Schutzanzüge verfügt – war binnen weniger Minuten am Einsatzort.

„Beeindruckend für das anwesende Badpersonal war die Professionalität, mit der die Freiwilligen Feuerwehren den Einsatz gestemmt haben“, zieht der Markt Wolnzach als Betreiber des Schwimmbades Bilanz. Der Zuschauer erlebt solche Einsatzübungen so: Die Aufgabenbereiche sind exakt zugeteilt, die Einsatzkräfte gehen ruhig, aber schnell und gezielt vor und jeder Handgriff sitzt.

Das Aufspüren und das Versorgen der gemeldeten verletzten Person und zugleich die Eindämmung der „Gefahrenlage“ hatten dabei oberste Priorität: Die verletzte Person – in diesem Fall eine Puppe – wurde schnell im Keller des Techniktraktes von einer Truppe aufgespürt und mit Hilfe eines Tragetuchs geborgen.

Danach kümmerten sich die Teams um ein blaues Fass, von dem eine kritische Flüssigkeit ausgetreten war, das Leck wurde verschlossen. In der Zwischenzeit schlüpften die dafür trainierten Feuerwehrler, unterstützt von Kameraden, in ihre Chemikalien-Schutzanzüge und bauten die Dekontaminationsstation auf. Im Chlorgasraum schlossen die Einsatzkräfte in der Zwischenzeit die Chlorgasflaschen. Danach wurden die Kollegen in den gelben Anzügen von jenen in den orangefarbenen im Zelt von gefährlichen Gefahrstoffen gesäubert. Mitarbeiter des Schwimmbades und der Marktgemeinde verfolgten die Übung – und waren am Ende beeindruckt und beruhigt. Ihr Fazit: Es tue gut zu wissen, dass im hoffentlich nie eintretenden Ernstfall kompetente Hilfe nicht weit ist.

WZ