In Plattling auf‘s Podest
Speedway: Pfaffenhofener Julian Bielmeier schafft es beim internationalen Sandbahnrennen auf Rang drei

13.05.2024 | Stand 13.05.2024, 16:12 Uhr
Erhard Wallenäffer

Hoch hinaus ging es für Julian Bielmeier in Plattling: Der Pfaffenhofener schaffte es bis auf Rang drei. Fotos: Körner

Internationales Sandbahnrennen in Plattling – Insider der Rennszene denken da an Highspeed, haarige Duelle und Dramatik. Nun fand das Spektakel wieder statt und so nervenaufreibend, wie viele Fans das Szenario erwartet haben, war es dann auch: Viel Action und eine prekäre Kollision im Finallauf erlebten die Zuschauer an der berüchtigten niederbayerischen Piste. Mit dabei war Julian Bielmeier aus Pfaffenhofen, der im Feld mit Weltklasse-Piloten bis auf Platz drei durchstartete.

Hat sie drei, fünf oder gar sieben Kurven? Ist ihr Verlauf eiförmig oder ist das ein schlampiges Oval, welches mitten in der Stadt planiert wurde? Über die Plattlinger Sandbahn hat jeder seine eigene Meinung. Fest steht, dass allein schon der Begriff „Plattling“ manchen Rennfahrer und viele Fans nervös macht: Die legendäre Rennstrecke aus dem Jahr 1936 ist schnell, schmal und selbst für Profis schwer zu fahren.

Stichwort „schnell“: So rasant wie Julian Bielmeier peitschte beim Training kein anderer Teilnehmer sein Motorrad um die 835 Meter-Runde. Schon da war klar, dass mit dem Pfaffenhofener zu rechnen sein würde. Beim „Angriff auf den Bahnrekord“ – dabei wurde das Durchschnittstempo einer fliegenden Runde gemessen – verpasste Bielmeier den Sieg haarscharf: 129,4 km/h reichten für Platz zwei.

Die eigentlichen Wettfahrten begannen im Anschluss und Bielmeier beschreibt die Szenerie bei seinem ersten Lauf so: „Ich bin beim Start super rausgekommen, dann ist mir beim Schalten in den zweiten Gang der Zahnriemen gerissen. Sonst wäre ich ziemlich sicher vorne geblieben.“ Erst einmal wanderten also keine Punkte auf sein Konto, aber das änderte sich gleich hinterher, wie der 22-Jährige ergänzt: „Den nächsten Durchgang konnte ich mit großem Abstand gewinnen.“

„Sauschnell“: Bielmeier vom neuen Motor begeistert

Fünf Zähler gab es dafür und dass er seinen Gegnern enteilte, führt Bielmeier auch auf seinen neuen Motor zurück: „Der ist einfach sauschnell.“ Sein Team um Chef Robert Grichtmaier hat das Aggregat bereitgestellt, gebaut hat es Robert Barth. Der vierfache Weltmeister weiß wie man einige Extra-PS aus dem italienischen GM herauskitzelt, das merkten in Plattling vor allem Bielmeiers Gegner. Gewiss nützt aber das beste Triebwerk nichts, wenn man den Schub nicht beherrschen kann. Das war für den Pfaffenhofener aber kein Thema: Im nächsten Lauf holte er Platz zwei und seinen vierten Run gewann Bielmeier wieder.

Damit hatten sich 14 Zähler auf seinem Konto angesammelt, wodurch locker das Ticket für das Finale der sechs Tagesbesten gelöst war. Und hier wurde es dramatisch, wie Bielmeier erzählt: „Wir sind alle gleichauf in die erste Kurve gefahren, dann habe ich gemerkt, dass die anderen Fahrer von innen drückten und von außen kamen, weshalb ich das Gas zugedreht habe.“ Das war anscheinend genau die richtige Reaktion, denn direkt vor Bielmeier verhakten sich die Bikes von Jörg Tebbe und Tero Aarnio, weshalb sie fatal stürzten.
Während der Norddeutsche mehrere Brüche erlitt, gab Aarnio später Entwarnung: „Ich habe zum Glück nur Prellungen abbekommen.“ Man kennt den Finnen gut von Drift on Ice in Pfaffenhofen – verständlich indes, dass der Endlauf nicht mehr erneut gestartet wurde.

Für die Tageswertung wurden schließlich die Ergebnisse aus den Vorläufen herangezogen, hier rangierte Kenneth Kruse Hansen (Dänemark) vor Aarnio. Platz drei ging an Bielmeier, der es zum ersten Mal bei einem internationalen Rennen auf das Podium schaffte. Aber auch er denkt derzeit an seine verletzten Rennfahrer-Kollegen: „Ich wünsche natürlich beiden, dass sie schnell wieder vollständig gesund werden.“

Vier Tage später: Sechster Platz in Lüdinghausen

Gerade einmal drei Tage Zeit hatte Bielmeier, um sich auf das nächste Rennen vorzubereiten. Bereits am Donnerstag bestritt er das traditionelle Vatertags-Grasbahnrennen in Lüdinghausen (bei Münster/Westfalen). Hier konnte der Pfaffenhofener gegen die internationale Konkurrenz erneut zwei Läufe gewinnen – letztlich fuhr er im Final-Lauf als Sechster durchs Ziel. Bielmeier berichtete von schweren Wettfahrten, bei denen er sogar einmal den Schleifschuh verlor.

PK