Rohrbach
Spazieren und diskutieren

Planerinnen holen Anregungen aus den Ortsteilen für Rohrbacher Gemeindeentwicklungskonzept ein

27.11.2022 | Stand 19.09.2023, 3:26 Uhr |

Ausgesprochen interessiert waren die Bewohner der Rohrbacher Ortsteile – in diesem Beispiel die Rohrer rund um ihren Maibaum − an den Ortsspaziergängen im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzept. Die Planerinnen Barbara Hummel und Beate Lang nahmen viele Erkenntnisse mit. Die drei noch ausstehenden Spaziergänge finden im Frühjahr statt. Foto: Hummel & Kraus

Rohrbach – Durchs Dorf spazieren und dabei eifrig diskutieren – was gibt es Schöneres? In den Rohrbacher Ortsteilen hatte es zuletzt aber sogar System: Denn es wurde über das Gemeindeentwicklungskonzept gesprochen. Das haben überraschend viele Bürger aus Ottersried, Buchersried, Gambach, Rohr, Rinnberg und Fürholzen in den vergangenen Wochen genutzt. Mit dabei waren die für das Konzept beauftragten Planerinnen Barbara Hummel und Beate Lang vom Büro Hummel/Kraus – und es kam zum erhofften regen Austausch.

Den eigenen Ort aus einem neuen Blickwinkel betrachten: Das sollte angeregt werden. Denn so ein Gemeindeentwicklungskonzept kann nur zusammen mit den Bürgern aller Ortsteile entwickelt werden. Es werden dabei die Historie, die Siedlungsentwicklung, die Verkehrssituation, die Einkaufsmöglichkeiten, die Gastronomie, die Natur- und Landschaftsräume, aber auch die Bevölkerungsentwicklung, soziale Infrastruktur, Brauchtum, Traditionen und Gewohnheiten berücksichtigt. „Eben alles, was ein Dorf ausmacht“, wie es die Planer sagten.

Schwieriger Umgang mitleerstehenden Hofstellen

Bei der ersten Ortsbegehung kam eine zentrale Frage auf: Welche Zukunft haben die noch bestehenden Hofstellen?. Es gibt in den Ortsteilen noch Hofstellen, die mehr oder weniger in Betrieb sind. Doch es ist eine Tatsache, dass die Landwirtschaft zurückgeht und immer mehr Gebäudeteile ungenutzt sind. Also: Wie geht man damit um? Die Gruppen diskutierten über Umbau und Erhalt genauso wie über den Abbruch der Hofstellen und den Neubau von Einfamilienhäusern. „Einig waren sich alle, dass das Dorf Geschosswohnungsbau mit vielen Wohneinheiten, gebaut von einem Investor, nicht verträgt“, fassten die Planerinnen die Ergebnisse zusammen. Auf die Frage: „Was macht ein Dorf aus?“ war nach Meinung der meisten Teilnehmer allerdings, dass die Gebäudestellung und wie die Häuser aussehen nicht so wichtig ist.

Große Einigkeit bestand zum „Baurecht“ – also dass Angehörige und Familienmitglieder auf dem eigenen Grundstück oder auf neu ausgewiesenen Bauflächen einen Anspruch auf Bauplätze haben sollten. Hier wiesen die Planerinnen auf die Notwendigkeit des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden sowie den Schutz der Landschaft vor Versiegelung hin, wenn andererseits ungenutzte Gebäude leerstehen. Die Meinungen, ob regionaler Baustil bevorzugt oder sogenannte „Toskanahäuser“ entstehen dürfen, gingen auseinander. Manche Teilnehmer sprachen sich für die überwiegende Entscheidungsfreiheit des Bauwilligen aus. „Das noch vorherrschende Ortsbild kann zu Gunsten des individuellen Baustils aufgegeben werden“, lautete deren Fazit. Andere wiederum wollten schon, dass es ein paar Rahmenbedingungen geben sollte. „Die Gebäude sollen ins Ortsbild passen. Und dieses soll im Großen und Ganzen erhalten bleiben. Was aber nicht heißen soll, dass historisch gebaut werden soll“, wurde vorgebracht.

Über eine gelebte Dorfgemeinschaft gab es in den Ortsteilen sehr unterschiedliche Ansichten. Manchen Dörfern war die Gemeinschaft sehr wichtig, etwa Rohr und Rinnberg: Es hieß dort: „Wir wollen, dass es auch weiterhin so bleibt.“ Auch die Gambacher erklärten, dass ihr Ort Leben und eine aktive Gemeinschaft habe. Buchersried orientiert sich nach Fahlenbach und nimmt am dortigen Gemeinschaftsleben teil. In Ottersried gebe es kaum eine Gemeinschaft, erklärten die Bürger. Und alle Ortsteilbewohner standen einem zu starken Zuzug von Auswärtigen kritisch gegenüber.

Einfamilienhäuser haben beiBürgern oberste Priorität

Das Wohnen im Einfamilienhaus hat oberste Priorität _ zumindest bei den Bewohnern der kleinen Ortsteile. Das Leben in einem Mehrgenerationenhaus wurde skeptisch beurteilt, obwohl dies von den Planerinnen wegen des großen ungenutzten Gebäudebestandes angeregt wurde.

Was darf man und was darf man nicht auf dem eigenen Grundstück, stieß bei vielen wegen der baurechtlichen Vorgaben auf Unverständnis. Besonders die Begriffe Außenbereich und Innenbereich lösten Verwirrung aus. Hier wünschten sich die Bürger eine Beratung, die in der Gemeinde Rohrbach allerdings bereits vom Bauamt geleistet wird. Nach Wunsch der Bürger sollten vor allem externe Bauherren entsprechende Auflagen erhalten, damit keine städtebaulichen Missstände aufkommen können.

Die noch ausstehenden Spaziergänge in Fahlenbach, Waal und Ossenzhausen finden voraussichtlich im Frühjahr 2023 statt. Die Termine werden rechtzeitig benannt.

PK