Geisenfeld

Sie hatte schon drei Namen: Die Geschichte der Geisenfelder Maximilianstraße

Jahrhunderte lang die „Judengasse“ – und zwischendurch die „Adolf-Hitler-Straße“

29.09.2022 | Stand 29.09.2022, 19:00 Uhr

Bis zur Machtergreifung der Nazis und nochmal von 1945 bis 1955 hieß die heutige Maximilianstraße Judengasse oder Judenstraße. Die Aufnahme zeigt sie um das Jahr 1925. Fotos: Weinmayer-Buch

Geisenfeld –Sie hat tatsächlich schon ihren dritten Namen, die Geisenfelder Maximilianstraße: Über Jahrhunderte hinweg hieß sie „Judengasse“, dann ab 1933 für zwölf Jahre „Adolf-Hitler-Straße“– und seit 1955 hat sie ihre heutige Bezeichnung. Nach den vier bereits abgehandelten Ortseinfallstraßen widmen wir dieser meistbefahrenen Durchgangsstraße den fünften und letzten Teil unserer Straßenserie – auch dieses Mal basierend auf Veröffentlichungen des früheren Geisenfelder Heimatpflegers Helmut Weinmayer.

Die Maximilianstraße erhielt vor 67 Jahren ihre jetzige Bezeichnung in Erinnerung an die vier bayerischen Kurfürsten namens Maximilian, deren bekanntester Maximilian I. (1573 bis 1651) war. Dieser gilt als einer der hervorragendsten Staatsmänner Bayerns. Er war im Dreißigjährigen Krieg das Haupt der Katholischen „Liga".
So gut wie alle Häuser in der heutigen Maximilianstraße sind erst nach dem großen Brand vom August 1847 entstanden. Die Gebäude, die vor 175 Jahren vom Feuer vernichtet wurden, stammten laut Weinmayer weitgehend aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Jahrhunderte lang hatte in dieser Straße die Post ihren Sitz. Wo früher die Taxisschen Postreiter und Postwagen haltmachten und einen Pferdewechsel vornahmen, hatte bis
1987 die Bundespost ihre Schalter. Wahrscheinlich befand sich bereits seit dem Jahre 1582 ständig ein Postamt in dem heutigen Gandorfer-Gebäude.

Die zweiflügelige Tür zum Gasthof „Zur Post" (dem heutigen chinesischen Restaurant), deren Füllungen die geschnitzten Insignien der Post und der Gastlichkeit sowie das Monogramm der Posthalterfamilie Auracher zeigen, stammt aus dem Jahr 1804. Auf dieser Straße fuhren Kaiser, Könige, Kurfürsten und andere berühmte Personen durch Geisenfeld oder legten im Posthaus eine kurze Rast ein.

Misthaufen und Odelgrubenvor den Häusern

Die Maximilianstraße sah vor einigen hundert Jahren noch völlig anders aus als heute. Sie war eine Straße mit vielen Giebelhäusern. Da die meisten der hier sesshaften Handwerker zugleich eine Landwirtschaft betrieben, waren die Misthaufen und Odelgruben vor den Häusern. Die Straße, so schreibt Weinmayer, habe wahrscheinlich erst im 17. Jahrhundert ein Pflaster erhalten. Vorher sei die Fahrbahn mit schweren Eichenbügeln befestigt gewesen, von denen mehrere beim Bau der Kanalisation zutage kamen. Der sogenannte Egelsee (nach der heute eine Gasse benannt ist) verursachte noch bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges eine Verengung der Straße in der Nähe des Marktplatzes.

Der frühere Name der Straße, „Judengasse", lässt sich einfach aus der Tatsache erklären, dass vor Jahrhunderten die in Geisenfeld ansässigen Juden hier ihren Wohnsitz hatten und ihren Geschäften nachgingen. !Aufgrund seiner Lage an der alten Handelsstraße zwischen den Reichsstädten Augsburg und Regensburg hatte Geisenfeld im Mittelalter wohl die größte Judensiedlung in der Hallertau“, heißt es in Weinmayers Heimatbuch. Die Einwanderung jüdischer Menschen haben wohl um 1100 von Regensburg, der ältesten Judengemeinde im alten Bayern begonnen.

Im Jahre 1450 traf ein allgemeiner Ausweisungsbefehl alle Juden in Bayern. Damit musste auch der letzte Jude Geisenfeld verlassen, Namen von den damals in Geisenfeld ansässigen Judenfamilien, jüdische Grabsteine, Reste einer Synagoge oder sonstige Kultureinrichtungen sind laut Weinmayer nicht erhalten geblieben. Aber in späterer Zeit lebten dann wieder einige Juden als (Hopfen-) Händler und Makler in Geisenfeld, wie sich aus Anzeigen im Geisenfelder Wochenblatt im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts schließen lässt.

Zwölf Jahre lang die „Adolf-Hitler-Straße“

Wie könnte es auch anders sein, als dass eine der ersten Amtshandlungen des nationalsozialistischen Gemeinderats von Geisenfeld im Mai 1933 den jahrhundertealten Namen „Judengasse" abschaffte und an dessen Stelle den Namen des „Führers" setzte. Aber auch als nach dem Krieg der alte Name wieder eingeführt worden war, hielt er sich nicht mehr lange. In einer Bürgerversammlung im März 1955 wurde vorgeschlagen, die Judengasse sie in „Maximilianstraße“ umzubenennen, eine Anregung, der der Stadtrat wenig später nachkam. Warum? „Vermutlich war durch die Ereignisse während des Nazi-Regimes und die schwere Hypothek des Holocaust eine Animosität gegenüber dem Wort Jude entstanden“, erklärte dazu vor einigen Jahren Heimatpfleger Weinmayer.

Ein weiterer Vorschlag war es 1955 im Übrigen gewesen, die Straße „Goethestraße" zu nennen, weil dieser große Dichter, wie in einem anderen Teil dieser Serie berichtet, 1784 mit einer Extrakutsche auf dieser Straße Italien fuhr.

GZ