Rohrbach

Rohrbacher Wasserversorgung: „So schwammig wie ein Blick in die Glaskugel“

Waaler Gruppe bohrt einen Tiefbrunnen bei Fürholzen – und hofft, dass sich der Rest irgendwie fügt

05.06.2022 | Stand 05.06.2022, 11:15 Uhr

Seltener Einblick: Die Arbeiten am neuen Hochbehälter der Waaler Gruppe sind fast abgeschlossen. Welches Wasser die riesigen Tanks künftig speichern sollen, steht aber nicht genau fest. Bei Fürholzen wird nun erst einmal ein Tiefbrunnen gebohrt. Foto: A. Ermert

Von Patrick Ermert

Rohrbach – Eine weitreichende Entscheidung haben die Rohrbacher Gemeinderäte am Mittwoch treffen müssen. Die Wasserversorgung der Waaler Gruppe stand auf der Tagesordnung – und Ingenieur Harald Kienlein gab den Räten eine Empfehlung mit, die eindeutig war, aber allen Beteiligten Bauchweh bereitete.

Das Vorgehen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung der Haushalte in der Gemeinde Rohrbach (außer Fahlenbach) und etlichen Reichertshofener Ortsteilen sieht wie folgt aus: So schnell wie möglich soll ein Tiefbrunnen im Feilenforst nahe Fürholzen gebohrt werden. Das geförderte Wasser aus diesem Tiefbrunnen und zwei Flachbrunnen im selben Waldstück muss dann „auf die Menge und auf die Chemie“, wie es Kienlein ausdrückte, untersucht werden. Der Bedarf an Trinkwasser, den die Waaler Gruppe zu stillen hat, liegt jährlich bei knapp 600000 Kubikmetern. „Und von der Menge des Wassers, das im Feilenmoos gefördert werden kann, hängt alles weitere ab“, ergänzte Kämmerin Beate Schilling.

Schließlich hat sich das Wasserwirtschaftsamt breitschlagen lassen, dass die Brunnen IV und V zwischen Rohr und Waal mit verminderter Leistung dauerhaft betrieben werden dürfen. Allerdings: „Dazu müssen wir dort wieder ein Wasserschutzgebiet ausweisen“, räumte Schilling ein. Exakt diesen Vorgang wollten die (früheren) Gemeinderäte aufgrund des Widerstands einiger Anlieger seinerzeit verhindern, indem sie sich auf das Abenteuer Brunnenbohren einließen. „Jetzt muss es endlich mal weitergehen. Sonst wird’s ganz schlimm“, kommentierte Helmut Schalk (FW) das Dilemma, das sich seit Jahren hinzieht. Michael Eisenmann (CSU), selbst Mitglied im Wasser-Arbeitskreis, äußerte sich enttäuscht über die Aussagen der Geologen von Ingeo. Diese seien „immer so schwammig wie ein Blick in die Glaskugel“, sagte er – und nie mit einer klaren Empfehlung versehen. „Letztlich wissen wir nichts und müssen die Entscheidungen alleine fällen“, sagte er. „Die Geologen legen sich nie fest“, versuchte sich Kienlein als Tröster. „Und sie sehen ja: Auch heute glänzen sie nur mit Abwesenheit.“ Auch Hans Vachal (CSU), der die Sitzung als Dritter Bürgermeister leitete, gab dem Team um Ulrich Kwasnitschka aus der Ferne einen mit. Die Geologen sollen die Bohrung des Tiefbrunnen umgehend in die Wege leiten. „Und wenn wir bald meinen, meinen wir bald“, sagte er, „und nicht erst in ein oder zwei Jahren.“

Vom Ergebnis der Bohrung hängt viel ab. Vor allem, welche weitere Variante des gesamten Bauvorhabens zum Zug kommt. Ob eine (kleinere oder größere) Aufbereitungsanlage bei St. Kastl gebaut werden muss und ob die alte Anlage bei Waal saniert oder dicht gemacht wird, hängt von Menge, Qualität und Chemie des bei Fürholzen geförderten Wassers ab. Die Gesamtkosten für die Brunnen, die Leitungen und die angeschlossenen Anlagen variieren zwischen sechs und sieben Millionen Euro.

Andere Entscheidungen folgten. Geringe Nachträge (etwa 12000 Euro) zum Bau des fast schon fertigen Hochbehälters wurden genehmigt. Der Abriss des alten Bauwerks soll im Frühjahr 2023 starten – der Auftrag wird wohl im Dezember vergeben. Die maroden Leitungen unter der Privatstraße, die durch den Wald zum Hochbehälter führt, werden für etwa 235000 Euro durch die Gemeinde erneuert. Diese Baumaßnahme soll aber erst nach dem Abriss gestartet werden. Zur Energieversorgung des Hochbehälters wird eine mobile Netzersatzanlage erworben, die später an anderer Stelle eingesetzt werden kann. Der Beschluss über die Errichtung einer PV-Anlage wurde derweil vertagt. „Sie kann erst dimensioniert werden, wenn wir wissen, was wir alles bauen müssen – und wie hoch der Energieverbrauch ist“, so Vachal.

PK