Dem Hopfen-Erbgut auf der Spur
Hüll - das ganz kleine Dorf der ganz großen Forscher

19.06.2024 | Stand 19.06.2024, 11:00 Uhr |

In den Hüller Gewächshäusern werden neue Hopfensorten gezüchtet – bislang ist das ein langwieriger Prozess. Foto: Archiv

Das Hopfenforschungsinstitut steht in Hüll in der Marktgemeinde Wolnzach, somit setzt ein kleines Dorf mit nicht einmal 50 Einwohnern Akzente, die weltweit Beachtung finden – zum Beispiel in der Züchtung neuer Sorten. In seiner Reihe „Forschungsschwerpunkte am Hopfenforschungszentrum Hüll“ gibt das Institut in regelmäßigen Abständen Einblick in seine Arbeit. Aktuell geht es um Neuerungen in der Züchtung neuer Sorten.

Noch dauert es Jahre



Die Entwicklung einer neuen Hopfensorte ist ein langwieriger Prozess, so das Institut in seiner Mitteilung. Ausgehend von der Kreuzung eines männlichen mit einem weiblichen Hopfenstamm durchlaufen die Nachkommen über Jahre hinweg viele Auswahlschritte: Zunächst werden im Gewächshaus anfällige Keimlinge aussortiert. Die verbleibenden Nachkommen werden dann hinsichtlich ihres Geschlechts und ihres Wachstums bewertet, die weiblichen Hopfennachkommen ohne Wuchsfehler kommen ins Feld.

Dort erfolgt der nächste Selektionsschritt: Sie werden meist mehr als zehn Jahre in Versuchen auf Ertragspotenzial und Ertragsstabilität geprüft. Von anfänglich einigen 1000 Nachkommen bleiben schließlich so weniger als zehn übrig. Für sie folgt dann der letzte Selektionsschritt: Die Qualität wird durch umfangreiche Analysen sowie das Brauen von Versuchsbieren bestimmt. Oft vergehen daher 15 bis 20 Jahre von der ursprünglichen Kreuzung bis zur finalen Sorte.

Rasche Veränderungen



„Die klimatischen Bedingungen für den Hopfenanbau in der Hallertau haben sich bereits verändert, vor allem auf mehr Hitzetage in Kombination mit zu geringer Wasserverfügbarkeit wird sich der Hopfenanbau einstellen müssen“, so die Hüller Forscher. Damit die Hopfenzüchtung mit der Geschwindigkeit der Veränderungen Schritt halten und der Hopfenproduktion stets angepasste Sorten zur Verfügung stellen kann, müsse der Zuchtprozess beschleunigt werden – unter anderem durch genombasierte Selektion. Wie das funktioniert, erklärt das Institut so: „Dazu wurde ein Sortiment von internationalen Hopfensorten und Zuchtstämmen aus Hüll zusammengestellt, für das wir auf Feldbeobachtungen des letzten Jahrzehnts zurückgreifen können.“ Alle Hopfensorten und -stämme dieses Diversitätssortiments wurden genotypisiert, heißt: Die Unterschiede zwischen den Genotypen wurden im gesamten Erbgut (Genom) erfasst, um diese Unterschiede dann mit den unterschiedlichen Feldleistungen hinsichtlich Gesamtertrag und Säureinhalt bezüglich der Alpha- und Betasäuren verknüpfen zu können.

WZ