Zweites Trockenjahr in Folge
Hopfenpflanzer rechnen erneut mit einer Ernte deutlich unter dem Durchschnitt

23.08.2023 | Stand 12.09.2023, 22:59 Uhr

Die Hopfengärten in der Hallertau – wie hier bei Wolnzach – stehen kurz vor der Ernte, die voraussichtlich Ende August oder Anfang September anlaufen wird. Foto: Rebl

Nach der miserablen Ernte im vergangenen Jahr haben die deutschen Hopfenpflanzer heuer auf ein gutes – oder wenigstens durchschnittliches – Jahr gehofft. Diese Erwartungen scheinen sich nicht zu erfüllen: Auch in diesem Jahr wird es den Prognosen zufolge nur eine unterdurchschnittliche Ernte geben.

Die offizielle Schätzung des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer, die dieser am Mittwoch in Wolnzach präsentiert hat, geht von 35250 Tonnen Hopfen für das Anbaugebiet Hallertau aus und von 41100 Tonnen für das gesamte Bundesgebiet – ein Wert, der laut Pflanzerverband rund zehn Prozent unter einer normalen Durchschnittsernte liegt.

Dabei war es wieder die lange Trockenperiode im Sommer, die den Hopfenbeständen zu schaffen machte, gerade in deren Hauptwachstumsphase von Mitte Mai bis Ende Juli. „Obwohl in den einzelnen Hopfenbauregionen durchaus mehr oder weniger Regen fiel, muss doch insgesamt auch 2023 wieder als ein Trockenjahr für den deutschen Hopfen bezeichnet werden“, so Pflanzerpräsident Adolf Schapfl. Immerhin regnete es dann ab Ende Juli kräftig. Das habe, so Schapfl, die schon befürchtete Missernte zumindest in einigen Regionen verhindert. Die verpasste Ausbildung einer üppigen Pflanze konnte der Regen zwar nicht mehr wettmachen, aber die Dolden profitierten davon. „Auf eine einfache Formel gebracht, kann man sagen: Wir ernten zwar heuer durchaus gut ausgebildete Dolden, aber leider zu wenige davon“, so Schapfl.

Sehr inhomogene Bestände

Ungewöhnlich ist laut Gabriel Krieglmeier von der Schätzkommission, dass die Bestände innerhalb der Hallertau sehr inhomogen sind. Manche stünden sehr gut da, andere sehr schlecht. Allgemein sei die Lage im Süden der Hallertau, wo es mehr und früher geregnet hat, besser als im Norden. Überraschend glimpflich hat die Hallertau den Hagel in der vergangenen Woche überstanden. Laut Krieglmeier wurden nur sehr vereinzelte und marginale Schäden festgestellt, die aber keine Auswirkungen auf die Schätzergebnisse haben.

Wie sich die derzeitige Hitze mit über 30 Grad so kurz vor der Ernte auf den Hopfen auswirkt, darauf wollen sich selbst die Fachleute nicht so recht festlegen. Was den Alphasäuregehalt betrifft, der ein wichtiger Maßstab für die Brauqualität ist, deuten erste Voruntersuchungen auf leicht unterdurchschnittliche Werte hin. Genaue Angaben ließen sich aber wegen des zu erwartenden späten Erntezeitpunktes noch nicht machen, so die Experten. Voraussichtlich beginnen die 841 Pflanzer in der Hallertau erst Ende August oder Anfang September mit der Ernte der frühen Sorten. „Wir hoffen, dass sich das Alpha bis dahin noch positiv entwickelt“, so Schapfl.

„Klimawandel ist im Hopfenbau angekommen“

Zwei ausgesprochen trockene Jahre hintereinander – eine Erfahrung, die, so die Befürchtung des Pflanzerverbandes, künftig „das neue Normal“ sein könnten. Bisher habe man erfahrungsgemäß etwa einmal im Jahrzehnt mit einem Trockenjahr und der damit verbundenen schlechten Ernte gerechnet. „Der Klimawandel ist definitiv bereits im deutschen Hopfenbau angekommen“, stellt Schapfl fest. Das verlange eine Anpassung der Anbausysteme. Trockentolerante Sorten und Bewässerung seien der globale Standard. „Deutschland als eines der führenden Hopfenländer muss hier aufholen.“

Trotz der zweiten unterdurchschnittlichen Ernte in Folge wird es laut Pflanzerverband keinen Engpass für die Brauereien geben. Aufgrund der Vorratssituation gehe man davon aus, dass auch im kommenden Braujahr alle ausreichend mit deutschem Hopfen versorgt werden können, so Schapfl.

WZ