Pfaffenhofen
„Pro & Contra“ Kuglhof 2: So lief die Live-Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern

19.04.2023 | Stand 16.09.2023, 23:23 Uhr |

Im Studio stellten sich die Diskussionsteilnehmer auch Leserfragen, die per E-Mail oder telefonisch eingingen. Foto: Straßer

Es ist ein Kräftemessen der Argumente gewesen, das sich Gegner und Befürworter des geplanten Gewerbegebiets Kuglhof 2 geliefert haben. Im Studio der PN Medien GmbH saßen sich am Dienstagabend Bürgermeister Thomas Herker (SPD) und Planer Wolfgang Eichenseher auf der „Pro“- sowie Manfred „Mensch“ Mayer und Ferdinand Müller auf der „Contra“-Seite gegenüber, um die Zuschauer an den Bildschirmen von ihrer jeweiligen Sicht der Dinge zu überzeugen.



Wer als Sieger daraus hervorgegangen ist, zeigt sich erst am 7. Mai. Bis dahin können die Wahlberechtigten in Pfaffenhofen per Briefwahl abstimmen. Sie entscheiden mit ihren drei Kreuzchen, ob vor den Toren Pfaffenhofens ein 38 Hektar großes, mit hohen ökologischen Hürden versehenes Gewerbe- und Industriegebiet entstehen soll − oder eben nicht.

Die Grundzüge der Kuglhof 2-Planung



Trotz verhärteter Fronten verlief die Live-Debatte, moderiert der PK-Redaktionsleitung mit Michael Kraus und Patrick Ermert, fair und respektvoll: Allen vier Beteiligten gaben die beiden Gastgeber zu Beginn die Möglichkeit, für ihre Sicht zu werben. Eichenseher stellte die Grundzüge der Planung vor. Herker erläuterte, weshalb dieses Gewerbegebiet seiner Meinung nach so wichtig für die Stadt ist. Die meisten Argumente waren nicht neu, sie wurden aber in der gebotenen Kürze und geballt präsentiert.

Gegner argumentieren mit Gefühl und Engagement



Die Gegenseite wusste auch zu überzeugen. Bauingenieur Müller erwiderte die Sicht eines direkt Betroffenen – und ließ auch fachliche Bedenken einfließen. Er lebt in Eberstetten, ist also „einer von hier“. Mayer hielt mit der ideologischen Maxime dagegen, dass die Natur um jeden Preis zu schützen und Wachstum in einer Stadt, in der es an nichts fehle, keinesfalls notwendig sei.

Wer die Debatte für sich entschieden hat, darüber gehen die Ansichten auseinander: Wo Herker und Eichenseher professionell und faktenstark auftraten, punkteten die Vertreter der IG „Stoppt den Flächenfraß“ mit Gefühl und Engagement.

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Hinter ihnen stand offenkundig auch die Mehrheit jener PK-Leser und Zuschauer, die Fragen für die zweite Hälfte der Sendung per E-Mail oder Telefon einreichten – und zwar so viele, dass nur ein Teil diskutiert werden konnte. Eines der drängendsten Themen dabei: die Südumgehung. Sie ist in der Debatte eng mit dem Gewerbegebiet verknüpft, obwohl es sich um ein davon unabhängiges Straßenbauprojekt des Freistaats handelt. Aber kommt sie wirklich schneller, wenn die Bürger für das Gewerbegebiet stimmen? Immerhin hat die Umplanung des Trassenverlaufs seit 2019 auch Zeit gekostet. „Mit Kuglhof 2 kann die Südumgehung schneller umgesetzt werden, da die entscheidenden Grundstücke bereits gesichert sind“, betonte Eichenseher. Herker verwies auf den Widerstand der Landwirte gegen den ursprünglichen Verlauf von 2014 – anders bei der neuen Variante: „Die Landwirte haben die entscheidenden Flächen per Notarvertrag und per Option verkauft.“ Diese Optionen würde der Investor aber nur ziehen, wenn auch Baurecht kommt. „Dann gibt es keine langwierigen Enteignungsverfahren.“ Zudem sei mit dem Vogelsang bereits eine Ausgleichsfläche geschaffen – auch das werde die Realisierung der Straße beschleunigen.

Lebhafte Diskussion zur Südumgehung



Mayer kritisierte, dass diese Argumentation nur auf Pfaffenhofen abziele. „Die Umgehungsstraße geht auch über Hettenshausener Grund“, sagte er. Dort seien keine Flächen gesichert. „Gegen diese Variante gibt es erhebliche Widerstände in Hettenshausen, was eine zeitliche Verzögerung mit sich bringt.“ Das bezweifelte Herker: „Beide Varianten werden auf Hettenshausener Flur nicht ohne Weiteres umzusetzen sein. Aber die verschobene Variante ist weiter weg von der Wohnbebauung und wird deswegen weniger Konflikte verursachen.“

Krebswachstum oder nötig für die Stadtfinanzen?



Auch die Rolle des Gewerbegebiets für die Stadtfinanzen wurde hinterfragt. „Ich erinnere an die 2000er Jahre, als ein einziges Unternehmen einen Einbruch hatte und damit kompletter Stillstand in der Stadt eingekehrt ist“, mahnte Herker. Vor solchen Verwerfungen sei die Stadt auch heute nicht gefeit. „Die Top 10 der Unternehmen verursachen zwei Drittel bis drei Viertel des Gewerbesteueraufkommens“, argumentierte er. Pfaffenhofen müsse die Basis verbreitern. Mayer sieht es gegenteilig: „Dauerhaftes Wachstum ist Krebswachstum.“

Weitere Aspekte betrafen Grundwasser, Pendlerströme, Folgekosten durch Infrastruktur oder Bodenbelastung. Auch wenn die Zeit nicht reichte, um alle Fragen zu thematisieren: Wer noch keine feste Meinung zu den Planungen hat oder sich weiter informieren will, für den lohnt es sich, die Aufzeichnung des Gesprächs anzuschauen.

PK