Jebertshausen

„Ende gut, alles gut“ für Kreisbäuerin Erna Stanglmayr

Jebertshausenerin freut sich nach zehn Jahren an Spitze der Landwirtinnen im Kreis Pfaffenhofen auf Radltouren und Reisen

05.08.2022 | Stand 05.08.2022, 5:00 Uhr

Ein Höhepunkt in ihren zehn Jahren als Kreisbäuerin ist für Erna Stanglmayr der Besuch beim damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer im Herbst 2014 gewesen. Fotos: PK-Archiv

Von Anna Ermert

Jebertshausen – Erna Stanglmayr aus Jebertshausen hat ihre Aufgabe als Kreisbäuerin nach zehnjähriger Amtszeit abgegeben und in die Hände ihrer Nachfolgerin Waltraud Daniel gelegt – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich habe dieses Ehrenamt immer gerne ausgeführt. Es wird mir schon etwas fehlen“, sagt sie. „Aber ich habe jetzt mehr Zeit – und ich glaub, ich kann gut damit leben.“

Neue Pläne hat sie auch schon: „Ich werde mit meinem Mann, nachdem wir beide noch sehr fit sind und in unserem Betrieb kürzertreten wollen, sicher öfters mit dem Rad unterwegs sein. Was wir auch noch vorhaben: Wir wollen noch ein bisserl auf Reisen gehen.“

Die Jebertshausenerin ist auch zu Hause gut beschäftigt mit Haus und Garten und mit sechs Enkelkinder, von denen drei mit auf dem Hof wohnen: „Oma sein ist auch schön“, lacht Erna Stanglmayr und fährt fort: „Ich mache jetzt Sachen, für die ich nie Zeit gehabt habe. Das habe ich mir vorgenommen und das ziehe ich jetzt auch durch – alles ganz gemütlich und ruhiger als zuvor.“ Damit es ihr nicht langweilig wird, macht sie noch Führungen im Hopfenmuseum.

Die Welt braucht das Ehrenamt

Was Erna Stanglmayr immer schon wichtig warm, ist das Ehrenamt. „Man bekommt auch viel zurück. Es war mein Ausgleich, meine Freizeitbeschäftigung. Was wäre unsere Gesellschaft ohne das Ehrenamt?“, fragt sie. Aber sie beobachtet auch, dass sich die heutige Jugend meistens nicht mehr so selbstlos engagiert.

Sie selbst ist in Untermettenbach in einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Haupterwerb Hopfen aufgewachsen, hat eine landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen, sich mit Kursen weitergebildet und als Hauswirtschaftliche Meisterin abgeschlossen. 1978 heiratete sie nach Jebertshausen und zog mit ihrem Mann Hans die Tochter Martina und den Sohn Andreas auf, der 2013 das elterliche Anwesen übernommen hat.

„Ich hab mich immer schon ehrenamtlich engagiert und so hab ich dann 1997 das Amt der Ortsbäuerin übernommen, nachdem meine Vorgängerin aus Altersgründen aufhörte.“ Es hat ihr gefallen, als Ortsbäuerin mit anderen Bäuerinnen zusammen zu kommen: „Da konnte ich mich durch angebotene Kurse wie Rhetorik und Zeitmanagement weiterbilden und -entwickeln. Es war mir einfach wichtig, über den eigenen Tellerrand rüberzusehen.“ Sie war gerne in Gesellschaft Gleichgesinnter, um dabei immer wieder im Gespräch und per Gedankenaustausch neue Erkenntnisse und Impulse zu erhalten.

Anfang 2000 besuchte sie mit ihrer Freundin Johanna Fuß einen Kurs, den die Beiden als Ernährungsfachfrau abschlossen. „Zusammen haben wir dann über zehn Jahre Kochvorführungen im Landkreis gemacht. Das waren immer schöne Abende: Den Teilnehmerinnen gefiel es, zusammen essen und sich austauschen und wir Beide haben es gerne zusammen gemacht.“

2007 wurde sie als Ortsbäuerin für fünf Jahre in den Kreisvorstand gewählt: „Ich bekam dann 2012 die Chance, Kreisbäuerin zu werden, worauf ich schon stolz bin“, erzählt Erna Stanglmayr rückblickend. „Damals waren wir über 80 Ortsbäuerinnen und ich hatte das Glück mit meiner Stellvertreterin Brigitte Hagl sehr gut zu harmonieren. Wir Beide arbeiteten prima zusammen, auch mit dem gesamten Vorstand.“ Jeder hat sich nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten eingebracht. Man wusste wer was kann. Aus dem vorherigen Vorstand waren nur zwei Mitglieder geblieben und es war dann wirklich spannend, wie diese Zusammenarbeit wird. „Es war schön, das Arbeiten machte Spaß. Unsere Arbeit wurde gut angenommen, das spürten wir und wurde uns auch immer wieder bestätigt – schon allein dadurch, dass die organisierten Veranstaltungen immer wieder sehr gut besucht waren.“

Veranstaltungen immer gut besucht

Auch die Arbeitstagungen von den Ortsbäuerinnen wurden sehr gut besucht: „Denn was hilft es, wenn man plant und organisiert und dann kommt keiner? Das hat mich schon immer sehr gefreut“, sagt Stanglmayr. Und der Höhepunkt jeden Jahres war für die Kreisbäuerin immer der Landfrauentag: „Da kamen fast alle Bäuerinnen zusammen, denn da wurde die Arbeit der Landfrauen gewürdigt. Wir ließen uns immer wieder ein neues Programm einfallen und es kam auch immer sehr gut an“, zieht die frühere Kreisbäuerin Bilanz.

„Ich habe dieses Ehrenamt in diesen zehn Jahren immer mit Freude und viel Engagement ausgeübt, viel Zeit investiert in die Vorbereitung, die Reden – das sollte ja auch alles passen und einen persönlichen Bezug haben. Ich hab es einfach immer so gemacht, wie ich meinte, dass es richtig ist“, erklärt die Jebertshausenerin. Sie denkt, ihre Nachfolgerin wird es sicher anders machen. „Ich habe das Amt der Kreisbäuerin als eine sehr schöne persönliche Bereicherung angesehen. Das Amt hat mir sehr viel zurückgegeben, es war jede Mühe wert.“

„Sabine“ macht einen Strich durch die Rechnung

Sie erzählt weiter: „Wenn ich nur an die Arbeitskreistagungen denke, die oberbayernweit – einmal sogar bayernweit – stattfanden. Da lernt man unterschiedliche Betriebe kennen. Man kommt ins Gespräch, man tauscht sich aus, man hat Freunde gefunden. Es entstehen Freundschaften, die auch nach dem Ende der zehnjährigen Ära Kreisbäuerin weiter bestehen werden.“ Erna Stanglmayr kann es fast selbst nicht glauben: „Auch wenn diese Arbeitstagungen anstrengend waren: Sie waren immer interessant und man hat immer seinen beruflichen Horizont erweitern können, das wird mir schon abgehen.“

Stanglmayr freute sich in den vergangenen Jahren über jede Einladung, „sie waren mir alle wichtig“. Doch ein Höhepunkt war die Einladung der Kreisbäuerinnen und Kreisobmänner aus den Regionen Neuburg, Eichstätt und Pfaffenhofen vom damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in die Staatskanzlei. „Solche Möglichkeiten zu einem persönlichen Treffen hat nicht jeder“, erinnert sich Erna Stanglmayr gerne.

Eine große Herausforderung war das Sturmtief „Sabine“, das ausgerechnet beim Landfrauentag 2020 durch den Landkreis fegte. „Es waren Würste, Getränke und Torten für 600 Frauen bestellt, die Agnes-Bernauer-Halle in Vohburg war dekoriert und die Festrednerin, die Südtiroler Landesbäuerin, war schon einen Tag früher angereist. Was sollten wir tun?“ Absagen ging nicht mehr, aber zum Glück legte sich dann der Sturm etwas. „Wir vom Vorstand fuhren dann nach Vohburg, Beginn des Landfrauentags war um 11.30 Uhr und hofften auf Besucher.“ Es kamen immerhin cirka 300 Frauen, für die kurzfristig noch schnell ein Auftritt der Kinderprinzengarde von Vohburg organisiert wurde, sodass der Tag halbwegs gerettet war. Aber was sollten sie mit den Torten machen? Es fand sich auch dafür schnell eine Lösung. „Wir spendeten unsere Torten einem benachbarten Seniorenheim. Also Ende gut alles gut.“ 2021 sollte wieder alles perfekt ablaufen, war der Wunsch von Erna Stanglmayr, der ging aber nicht mehr in Erfüllung. „Es kam Corona – und dieser dramatische Landfrauentag 2020 war mein letzter.“

PK