Kulturtante vom Dienst

Sabine Beck plant das Ilmbrettl, schreibt Kinderbücher und macht Musik

19.06.2022 | Stand 19.06.2022, 8:13 Uhr

Sabine Beck vor dem Stockerstadel, wo seit heuer das Ilmbrettl seine Kleinkunst-Veranstaltungen abhält. Foto: Johannes Hauser

Von Tina Bendisch

Pfaffenhofen – Kulturtante? Damit hat Sabine Beck überhaupt kein Problem. Auf die Frage nach ihrer offiziellen Berufsbezeichnung meint sie lachend: „Kulturschaffende wäre sicher treffend, aber die saloppe Tante passt schon; ich empfinde das nicht als abwertend.“

Text- und Kulturbüro – für internationale Firmen ebenso wie für regionale Projekte – Gesang und Percussion im Liedermacher-Trio Hudlhub, Kinderbuch-Autorin: Sabine Beck (Jahrgang 1977) ist kulturell breit aufgestellt, wie man so sagt. Die Liebe zur Musik war zuerst da, denn sie ist in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Klavier ab sechs, was dann mit 14 für das Schlagzeug und den Gesang in der Schülerband aufgegeben wurde: „Das war mein Ding“. Das Schreiben ebenso, denn sie wurde Tageszeitungsredakteurin. In die Organisation von Kulturprogrammen wie der Barocktage in Schrobenhausen, der Kultur im Winkel oder der Kleinkunst-Plattform Ilmbrettl ist sie zunächst nur nebenbei in vielen Jahren hineingewachsen; heute fordert es neben Hudlhub und Konrad Kleinmögel – er ist der Held ihrer Kinderbücher – die meisten Arbeitsstunden.

Das echte Hudlhub gibt es als klitzekleinen Ortsteil der Gemeinde Gerolsbach wirklich; den Namen hat sich das Trio ausgeliehen, wie Sabine Beck erklärt: „Sozusagen ein literarisches Hudlhub, ein weißblaues Klischeedorf mit Kirchturm, Maibaum und Wirtshaus. Wo jeder jeden kennt und die Welt weitgehend noch in Ordnung ist.“ Also das, was sich der kleine Fritz aus Norddeutschland unter bayrischem Landleben vorstellt? Sabine Beck schmunzelt: „Könnte man sagen“. Leicht und locker besingt das Trio das Leben in all seinen Facetten, hat dabei viel Sinn für Fröhlichkeit und lässt Ernsthaftes nicht aus. Hudlhub – das sind Barbara Seitle, Sabine Beck und ihr Ehemann Mathias Petry, der ausgezeichnet Gitarre spielt – kennt man inzwischen auf Kleinkunstbühnen in ganz Bayern; die Fangemeinde wächst.

Nach einem Bandscheibenvorfall – „durch Sport habe ich es wieder in den Griff bekommen“ – hat sie sich vom Schlagzeug verabschiedet und sorgt mit dem „hand sonic“ für die Percussion. Das Geschenk ihres Mannes habe sie zunächst als „herzlosen Elektronik-Kasten“ angesehen, um dann festzustellen: „Das klingt ja ganz natürlich, organisch“. Inzwischen liebt sie ihr Instrument und weiß nicht zuletzt die praktischen Vorteile zu schätzen: „Ganz einfach, wenn man auf Tour ist, kein Auto mehr voll Tschingderassabum.“ Der persönliche Musikgeschmack ist breit gefächert und stand in der Jugend „natürlich Depeche Mode“ ganz oben auf der Liste, so mag sie heute ganz Vieles von Rock bis Klassik: „Ich höre gern Gitarrenmusik und genieße auch ein Barockkonzert; da hat mich meine Arbeit in Schrobenhausen auf den Geschmack gebracht.“

Reges Leben gibt es auch im Untergrund des fiktiven Weilers Hudlhub, denn dort wohnt die Erdkobold-Kolonie Kleinmögel (die tagein tagaus Karotten orange anmalt). Ursprünglich hat sich Sabine Beck die Geschichten um ihren Protagonisten Konrad Kleinmögel für Sohn David ausgedacht; inzwischen stehen zwei von Pädagogen gelobte Kinderbücher im Regal. Ein Zitat von Daphne du Maurier – „Ein freundliches Wort kostet nichts und ist doch das schönste alle Geschenke“ – hat sie als Motto für Konrads aktuelles Abenteuer in der wunderbaren Welt der Wörter gewählt. Lange gesucht? „Überhaupt nicht“, sagt Sabine Beck, „in meiner Kindheit stand es mal auf dem Küchenkalender meiner Mutter und blieb in meinem Kopf.“

Das Lesetheater für Kinder ist ihr Herzensprojekt, etwas, an dem sie die größte Freude hat: „Ein schönes Publikum, das gerne mitmacht. Leider sind etliche Termine coronabedingt ins Wasser gefallen, wie so vieles.“

Kinder sind gnadenlose Kritiker; was nicht gefällt, wird herausposaunt und Autoren müssen sich warm anziehen. Sabine Beck kann entspannt an die „Vorlesung“ herangehen: „Bis jetzt sind sie begeistert, alles gut.“

Man plane eigentlich immer, was auch sonst, denn irgendwann wird doch alles wieder „normal“. So die Organisatorin über die Arbeit des Kulturbüros. Es kommt wieder Leben in die Kleinkunst-Szene; auch ins Ilmbrettl, das nach der Abstinenz wieder echte Musik- und Kabarettschmankerl anbieten kann. Der Nachholbedarf ist groß, die Karten gehen sehr gut weg. Mit der Idee, die Wirtshaus-Kultur zu erhalten, wurde das Ilmbrettl vor vier Jahren aus der Taufe gehoben. Ein Gegenüber statt strenger Stuhlreihen, Menschen kommen an Tischen ins Gespräch. „Ein klarer Vorteil zur Stadt, wo alles anonymer ist“, sagt Sabine Beck. „Es ist doch wunderbar, was Kultur auf dem Land alles kann“.

PK