Kommentar
Bezuschusste Menstruationstassen statt Tampons? Bitte nicht!

Seit Januar gibt es 34 Anträge beim AWP Pfaffenhofen

01.04.2024 | Stand 01.04.2024, 5:00 Uhr

So sehen sie aus, die Menstruationstassen. Bei der Anwendung . Der AWP Pfaffenhofen bezuschusst sein

34 Anträge für den Zuschuss auf Tassen, Stoffbinden oder Periodenwäsche sind bisher beim Abfallwirtschaftsbetrieb Pfaffenhofen vonseiten der menstruierenden Landkreisbevölkerung eingegangen. Warum will Frau nicht mehr für die Umwelt tun? Da fallen unserer Autorin gleich mehrere Gründe ein.

Seit Januar spendiert der Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreisbewohnerinnen 20 Prozent der Anschaffungskosten (mindestens 25 und maximal 40 Euro pro Frau und Jahr) für „nachhaltige Menstruationsartikel“. Gemeint sind zum Beispiel Periodentassen, Stoffbinden oder Periodenwäsche.

Mittlerweile gibt es – Stand Ende März – 34 Anträge aus dem Landkreis, 612 Euro wurden ausbezahlt, sagt Werkleiterin Elke Müller, die den Zuschuss im Werkausschuss vorgeschlagen hatte. „Wir sind eigentlich zufrieden.“ Beim Reparaturbonus gebe es nur halb so viele Anträge wie bei den nachhaltigen Menstruationsartikeln, freut sich Müller. Geschenkt, dass ein Vergleich im Zusammenhang mit den Themenfeldern reparaturbedürftige Elektrogeräte und menstruierende Frauen zwangsläufig holprig daherkommt. Fakt ist, dass es mehr als 34 Frauen im Landkreis gibt, die ihre Periode haben. Was also lässt diese Frauen zögern?

Klammern wir einmal die Tatsache aus, dass sich nicht jede Frau mit einer Stoffbinde sicher fühlt und widmen uns der Menstruationswäsche. Das Ergebnis von Stiftung Warentest beim Test dieses Produkts ist wenig appetitlich: Die getesteten Slips waren alle für heiße Wäsche ungeeignet. Aber erst bei 60 Grad gehen Bakterien, Viren und Pilze wirklich raus, sagen Experten.

Das ist nicht das Problem der Menstruationstasse. Die Tipps, die Stiftung Warentest für den Gebrauch dieses Produkts gibt, legen allerdings den Verdacht nahe, eine berufstätige Frau könnte hier im Alltag auf Grenzen stoßen. Dass es für die Falttechnik zum Einsetzen eine Anleitung braucht – okay. Dass man die Tasse nach jeder Anwendung mit warmen Wasser auswaschen soll – zuhause nur ein bisschen lästig.

Doch die Menstruation stoppt leider nicht automatisch, sobald eine Frau das Büro betritt. Und der Anteil der Frauen, der gerne am Waschbecken vor den Kolleginnen die Menstruationstasse auswäscht, dürfte in etwa so hoch sein wie der Anteil der Kolleginnen, der das gerne sehen will. Doch auch hier hat Stiftung Warentest einen Tipp: „Dann empfiehlt es sich etwa, eine Flasche Wasser dabei zu haben, um die Tasse zu waschen.“ Selbstredend ist hier eine Glasflasche gemeint.

Klingt alles nicht so richtig super, aber es ist ja schließlich für die Umwelt. Allerdings, ob diese Produkte – rechnet man Herstellung sowie Strom- und Wasserverbrauch mit ein – tatsächlich nachhaltiger sind als Tampons (die es ja auch schon bio ohne Plastik gibt) – darauf will sich Müller überhaupt nicht festlegen. „Das weiß ich nicht.“ Es gehe ihr bei der Aktion schließlich nur um die Abfallvermeidung.

Apropos Abfallvermeidung: Ob die Frauen ihre bezuschussten Tassen, Stoffbinden und Slips eigentlich dauerhaft nutzen oder ob sie im nächsten Zyklus zusammen mit einer Ladung Tampons im Müll landen – das wird freilich nicht kontrolliert.

PK