Schweitenkirchen

Andreas Mehltretter lernt Kreis Pfaffenhofen mit dem Radl kennen

SPD-Bundestagsabgeordneter tüftelt Maßnahmen zur Bewältigung der Energiekrise mit aus

05.08.2022 | Stand 05.08.2022, 7:00 Uhr

Radelt durch den Wahlkreis: Andreas Mehltretter beim Besuch im Agrar- und Baustoffhandel Moser in Schweitenkirchen. Foto: Ermert

Von Patrick Ermert

Schweitenkirchen – An ein Eingewöhnen, wie für Novizen im Bundestag üblich, ist für Andreas Mehltretter (SPD) nicht zu denken gewesen. Als Teil der Ampel-Koalition und Mitglied der Kanzlerpartei musste er vom Start im vergangenen Oktober an viel Verantwortung übernehmen.

Falls der Freisinger gedacht haben sollte, dass sein Sitz im Ausschuss für Klimaschutz und Energie ein ruhiges Plätzchen ist, wäre er mit dem russischen Überfall auf die Ukraine eines Besseren belehrt worden. „Da geht es richtig zur Sache“, erzählt er. „Weil das Thema Energie im Moment alles überstrahlt und jeden Menschen in diesem Land – wenn er nicht zu den Allerwohlhabendsten gehört – mächtig betrifft.“ Aber an seinen Aufgaben wächst ein Mensch eben auch, und so fühlt sich Mehltretter in Berlin fast schon so daheim wie in seinem Wahlkreis. Um die Bindung zur Heimat zu stärken, schwingt sich der 30-Jährige seit einigen Tagen in den Fahrradsattel. Um klimaneutral Freising, Schrobenhausen und den Landkreis Pfaffenhofen kennenzulernen. „Auf dem Rad sieht man viel mehr“, sagt er, „und man lernt die Leute kennen.“ Seine Tour erstreckt sich über 200 Kilometer, auf denen rund 20 Termine bei Firmen, Organisationen und Vereine auf den Bundestagsabgeordneten warten. „Eine bunte Mischung“, wie Mehltretter sagt, „bei der ich möglichst viel Input erhalten möchte, wo der Schuh drückt.“

Der drückt an vielen Stellen. „Ich will Lösungen finden, helfen wo ich kann. Das ist mein Job als Abgeordneter. Sonst hätte ich mich nicht darum bewerben brauchen“, sagt der Freisinger. Beim Energiethema hat er ein (fast) reines Gewissen. „Wir haben getan, was in unserer Macht steht“, sagt er mit Überzeugung. Fast? „Wir brauchen noch mehr Entlastungsmaßnahmen für die Bürger“, räumt er ein. Und die Anreize, mit denen Privathaushalte dazu gebracht werden sollen, mehr Gas einzusparen, müssten in Stein gemeißelt werden. „Da sind wir dran.“ Bauchweh bereiten ihm Profite jener Branchen, die von der Krise profitieren. Eine Übergewinnsteuer sei in weiter Ferne, räumt er ein. „Aber wir haben eine nationale Krise. Das kann nicht sein, dass einzelne profitieren oder wenige Aktionäre riesige Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit einfahren.“

Nach Schweitenkirchen ist Mehltretter geradelt, um mit Sabine Moser-Wilms, Marco Wilms und Seniorchef Georg Moser vom hiesigen Agrar- und Baustoffhandel zu sprechen. Alles andere als klassische SPD-Klientel also. Entsprechend deutlich brachte das Trio seinen Unmut über die gegenwärtige Lage zum Ausdruck. Die bürokratischen Hürden auf dem Bausektor und die logistischen Hemmnisse – vor allem im Schienennetz der Bahn – sprach Moser an. „Jetzt fahren wir die Waren halt wieder mit dem Lastwagen herum. Weil es nicht anders geht“, meinte er. Die langen Wege, um an Zuschüsse zu kommen, kritisierte das Trio auch. Und Wilms vermisste die Wertschätzung für junge, moderne Landwirte.

Der Arbeitskräftemangel trifft den Handel auch. Mitarbeiter für den Vertrieb zu finden, sei fast unmöglich, beklagte Moser-Wilms. Auch bei den Azubis sehe es schlecht aus. „Die Politik muss etwas für das Image der einfachen Lehrberufe tun“, forderte sie. Es könne nicht sein, dass so viele Kinder ans Gymnasium wollen, obwohl sich als Handwerker sehr gutes Geld verdienen lasse.

Zumindest eine gute Nachricht hatte Moser parat. „Bei den Baustoffen hat sich die Lage normalisiert“, sagte er. Alle Materialien seien wieder verfügbar. Auch die Preise würden wieder nach unten gehen. „Da hat die Industrie halt an den Stellschrauben gedreht“, fügte Moser-Wilms an. Denn: „Die will halt auch an der Krise mitverdienen.“

PK