Gefühl der Entschleunigung
Mit Pferdekraft auf dem Wasserweg

Erster Schleusenwärter-Workshop auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal bei Berching

21.07.2023 | Stand 13.09.2023, 6:47 Uhr

In aller Ruhe zog die brave Stute „Betti“ den Treidelkahn. Fotos: Hradetzky

Der erste Schleusenwärter-Workshop auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal ist bei den Teilnehmern sehr gut angekommen.

Zahlreiche Pferdefreunde und technikaffine Personen sowie einige Treidelkapitäne des Lastkahns „Elfriede“ aus Burgthann waren gekommen, um an der Schleuse 25 bei Mühlhausen Einblicke in das Treideln und Schleusen zu erhalten.

Initiiert hatte den Workshop Wolf-Dietrich Nahr, der sich seit Jahren mit dem Thema Ludwigskanal und Treideln beschäftigt und das Buch „Menschen am alten Kanal“ herausgegeben hat. Unterstützt wurde er von dem Treidelanbieter Martin Deflorin von der Kutscheralm.

Nahr fasste kurz zusammen, was auf die Interessierten während des ausgebuchten dreistündigen Seminars zukommen sollte. Eingeteilt in zwei Gruppen, durften sich die Teilnehmer als Ruderer und ebenso gemäß Fachjargon als Pferdereiter ausprobieren. Am Ende des Workshops stand noch eine historische Schleusung auf dem Programm..

Historische Schleusensind bestens erhalten

Umfangreiche Hintergrundinformationen über die denkmalgeschützte 170 Kilometer lange und im Jahr 1846 eröffnete Wasserstraße König Ludwigs samt deren Bau und Konstruktion waren ebenso Teil des Seminars wie die Funktionsweise und der Mechanismus der historischen Schleusen. Diese sind immer noch bestens erhalten. Eine der Absichten des Workshops war es zudem, den Kontakt und Austausch der Treidler von Burgthann und Pollanten/Mühlhausen zu fördern und Möglichkeiten für weitere Kooperationen zu finden.

Mühlhausens Altbürgermeister Anton Galler war Ende der 1990er-Jahre eine der Schlüsselfiguren, um das Treideln in der Region voranzutreiben. Die Gemeinde Mühlhausen hatte den 20 Meter langen und im Jahr 1933 erbauten Lastkahn „Alma Viktoria“ gekauft und an Hans Luber zu Treidelzwecken verpachtet. Auch Galler begrüßte die Teilnehmer: „Wir freuen uns, dass die Institution weitergeführt wird, worauf wir sehr stolz sind. Gemeinsam mit den Burgthannern sollten wir diese Tradition weiterhin erhalten.“

Im Sinne König Ludwigs wurden nun entlang des Treidelpfads kleine Obstbäumchen gepflanzt. Das Treideln, das in Burgthann und im Abschnitt zwischen Mühlhausen und Berching noch auf dem Ludwigskanal mit Pferd betrieben wird, ist deutschlandweit einmalig und erfreut sich großer Beliebtheit.

Martin Deflorin, Treidelkapitän und Züchter, lieferte Wissenswertes über die Rasse des süddeutschen Kaltbluts, die sich als robustes und leistungsstarkes Zugpferd hervorragend zum Treideln eignet.

Nach den einführenden Worten ging es los und sogleich machten sich die Kapitäne aus Burgthann an das Steuern des hinteren und vorderen Ruders. Die brave Stute „Betti“, die von Pferdefreunden am Flussufer geführt wurde, zog den Treidelkahn indes im Tempo von etwa vier Kilometern pro Stunde an. Beim Pflügen durch das Wasser konnten die Teilnehmer nicht nur die Flora und Fauna aus anderer Perspektive genießen, sondern auch das Gefühl der Entschleunigung erleben und sich in die Zeit zurückversetzen lassen, als der Transport von Holz, Lehm oder Getreide damals im 19. Jahrhundert noch auf der Wasserstraße vonstatten ging, bevor der Siegeszug der Eisenbahn den Pferdetransport im Jahr 1946 zum Erliegen brachte. .

Beruf des Schleusenwärters ist ausgestorben

Der Höhepunkt des Schleusenwärter-Workshops war schließlich die historische Schleusung bei der Schleuse 25. Dass es damals bei rund 100 Schleusen, die es noch gab, 66 Schleusenwärter – ein Beruf, der mittlerweile ausgestorben ist – bedurfte, welche die Schleuse bedienten, erfuhr man im Expertengespräch. Am Ende erhielten die Teilnehmer als Erinnerung ein Schleusen-Diplom.

Bei einem Weißwurst-Imbiss ließ man den Workshop kulinarisch ausklingen und hatte noch die Möglichkeit, sich über Lenkung, Steuerung, Hufschmiede, das Treideln und die Wasserstraße an sich auszutauschen. Auch die Kapitäne von Burgthann waren begeistert und sprachen den Teilnehmern eine Einladung zum Treideln in Burgthann auf der „Elfriede“ aus. Die Teilnehmer werteten den Workshop als Erfolg und er wird wiederholt.

DK