Nachwuchs in der Turmstube
Im Arnsdorfer Kirchturm zieht ein Falkenpaar seine Jungen auf

18.06.2024 | Stand 21.06.2024, 9:28 Uhr |

Die Turmfalken von Arnsdorf sind Vogelteenager geworden und bald flügge. Fotos: Paulus

Stolz greift Johann Halbig in Arnsdorf ( Dietfurt an der Altmühl, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) zu seinem Fernglas und blickt freudig von seinem Grundstück neben der Kirche zu deren Turm hinauf. Auf dem Sims vor den Jalousien des Fensters herrscht reges Treiben.



Derzeit wohnen dort ein Turmfalkenpärchen und seine sechs Jungen. Dass sich dort überhaupt Turmfalken ansiedeln können, ist dem passionierten Natur- und Vogelliebhaber zu verdanken. Im Zuge der Kirchenrenovierung vor drei Jahren hatte er mit den Verantwortlichen der Kirche vereinbart, dass in die neuen Rollläden Aussparungen gemacht wurden, die groß genug waren, dass ein Falke Einlass hatte. Gleichzeitig ist dieser Durchlass aber auch so klein, dass der größte Feind der Turmfalken, der Uhu, eben nicht hindurch passt.

Im Frühjahr 2022 baute Halbig dann einen Nistkasten, den er mühevoll in den engen Turm einsetzte. Den anspruchslosen Vögeln legte er Hackschnitzel und Splitt als Nistmaterial hinein. Kurz darauf hatte ein Turmfalkenweibchen zwei Eier hineingelegt. Die Freude war riesig, wurde jedoch schnell getrübt. Es kamen keine neuen Eier dazu und das Vogelweibchen war nicht mehr zu sehen. Vermutlich ist sie einem ihrer natürlichen Feinde zum Opfer gefallen.

Schon ein Jahr später sah die ganze Sache dann schon viel besser aus. Im Frühjahr 2023 fand sich ein Turmfalkenpärchen ein, dass der Halbig Hans liebevoll Anna und Jakob taufte. Der Vogelvater kam durch den Kirchenpatron des Arnsdorfer Gotteshauses zu seinem Namen. Das Weibchen nannte er so, weil es in der Bibel ein Paar mit diesen beiden Namen gibt. Im Nest lagen bald drei Eier, die die Vogelmama ausbrütete. Gemeinsam mit dem Terzel, dem männlichen Turmfalken, zog sie die drei Küken groß. Im Herbst muss sich der Nachwuchs dann üblicherweise ein eigenes Revier suchen.

In diesem Frühjahr wartete Halbig dann schon gespannt auf neues Turmfalkenglück. Er wurde nicht enttäuscht. Im April stellte er nämlich fest, dass wieder ein Pärchen um den Arnsdorfer Kirchturm kreiste. Am Verhalten der Vögel merkte er, dass es sich wieder um Anna und Jakob handeln musste. „Das hat man gleich gemerkt. Die haben sich da schon ausgekannt.“ Mitte April lagen dann auch sechs Eier im Nistkasten.

Kurz darauf war das Vogelweibchen nicht mehr zu sehen. Der Terzel allerdings flog mit ganzen Mäusen im Schnabel zum Durchlass im Fenster des Kirchturms. Da lag der Verdacht nahe, dass Anna mit dem Brüten begonnen hatte. Anfang Mai schlüpften dann alle sechs Küken munter aus ihren Eiern. Anna flog wieder aus, denn der Nachwuchs war sehr hungrig. Jakob sorgte für Futternachschub und überbrachte seiner Frau eine Maus nach der anderen. Auf dem Kranz des Arnsdorfer Kirdabaums, der unweit der Kirche steht, fand oft die Übergabe der Nagetiere zwischen dem Elternpaar statt. Die hungrigen Küken warteten schon plärrend auf dem Sims auf Futter. Anna aber fütterte meist innen, damit auch die schwächeren Küken genug zum Fressen hatten. Halbig findet, dass Anna und Jakob wirklich sehr gute und fürsorgliche Eltern sind.

Mittlerweile ist der Nachwuchs etwa sechs Wochen alt. Aus den flauschigen Wollbällchen mit Schnabel sind mittlerweile kräftige Teenager mit echtem Gefieder geworden.

DK