Auszeichnung für lebendige Tradition
Chinesenfasching: Dietfurt erhält Aufnahmeurkunde für das Immaterielle Kulturerbe

12.06.2024 | Stand 12.06.2024, 15:01 Uhr |

Gruppenbild mit Drache: Die Dietfurter erlebten in München einen unvergesslicher Abend, von links: Bezirkstagspräsident Walter Jonas, Minister Albert Füracker, Regina und Karl Donauer, Katrin Hradetzky, Bürgermeister Bernd Mayr und Landrat Willibald Gailler. Foto: StMFH/Christian Blaschka

Seit März zählt der Dietfurter Chinesenfasching im Landkreis Neumarkt zum Immateriellen Kulturerbe Bayerns. Am Dienstagabend durften die Dietfurter zur feierlichen Übergabe der Aufnahmeurkunde durch Heimatminister Albert Füracker (CSU) in die Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz kommen.



Schon von Weitem sahen die Teilnehmer an diesem Festakt, dass die bayerischen Chinesen da waren. Angereist waren im Festornat Karl und Regina Donauer, die als kaiserliche Hoheiten DaKare und DiMucki im Fasching über Bayrisch-China regieren. Sogar einen bunten Drachenkopf hatten sie mit nach München gebracht.

Gemeinsam mit Bürgermeister Bernd Mayr (FW), dem Dritten Bürgermeister Konrad Leidl (CWU), Hauptamtsleiter Markus Koller, Kulturamtsleiter Thomas Himmler, dem langjährigen Moderator Stefan Röll, Katrin Hradetzky und den Musikanten von Altmühlblech, nahmen sie an dem feierlichen Empfang teil.

Neunköpfiges Expertengremium

Aus dem neunköpfigen Expertengremium stellte Professor Daniel Drascek vom Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft der Universität Regensburg sieben der 13 Neueinträge vor.

Drascek präsentierte gleich zu Beginn den Chinesenfasching. Er gehöre zu den bekanntesten Faschingsveranstaltungen in Bayern. „Am Unsinnigen bewegt sich ein rund 1500 Teilnehmer zählender Umzug mit Kaiserpaar, teilweise chinesisch gewandeten Fußgruppen und Umzugswagen Richtung Stadtplatz, wo der Empfang vor einem großen Kaiserthron den Höhepunkt bildet“, fasste der Experte zusammen. Der Name basiere auf dem historischen Ortsnecknamen „Chinesen“ für die Dietfurter und werde seit dem frühen 20. Jahrhundert als Faschingsmotto umgesetzt.

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Heute gebe es einen engagierten Kulturaustausch mit China, zum Umzug kommen der Generalkonsul, chinesische Kulturvereine beteiligten sich. Der Dietfurter Chinesenfasching reihe sich, so Drascek, in den Chor der Fasnachts- und Karnevalsbräuche ein, weise jedoch durch die thematische Ausrichtung auf China eine sehr originelle Ausprägung auf. „Dabei hat eine bemerkenswerte Diversion des einstigen Spottnamens zu identitätsstiftenden Brauchgeschehens stattgefunden.“

Mehrere Fragen an das Kaiserpaar

Dann wurden die Dietfurter Chinesen auf die Bühne gebeten. Moderatorin Traudi Siferlinger hatte einige Fragen. Vom Kaiserpaar wollte sie wissen, was der genaue Anlass war, dass sich die Dietfurter Hansenkapelle 1928 im Fasching erstmals chinesisch maskierte.

„Euer Gewand ist wunderschön. Wer hat das gemacht?“, wollte Siferlinger von der Kaiserin wissen. DiMucki erklärte, dass eine Schneiderin diese zum Teil mit Stoffen aus China eigens für das Kaiserpaar anfertige. Auch die Aufgaben eines Kaiserpaars beschrieb sie.

Eine herzliche Einladung zum Bayrisch-Chinesischen Sommer am 22. und 23. Juni, bei dem die Gäste aus nah und fern sich über chinesische Tänze und Akrobatik sowie viele bayerische Einlagen freuen dürfen, sprach Katrin Hradetzky aus. Sie hatte sich federführend um die Organisation gekümmert. Hradetzky betonte, dass die Dietfurter mit diesem Fest der bayerisch-chinesischen Freundschaft Ausdruck verleihen wollen. Was die Chinesen selbst zum Dietfurter Fasching sagten, wollte Siferlinger vom Bürgermeister wissen. „Die sind begeistert. Sie werden nicht glauben, wie bekannt wir in China sind,“ so Mayr, der auch gleich ein Beispiel dafür brachte.

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Vor der Übergabe der Urkunde spielten die Musikanten von Altmühlblech die bayerische Chinesenhymne, die Dietfurter sangen stolz mit. Natürlich durfte auch das dreifache Kille Wau durch das Kaiserpaar nicht fehlen.

Weitere Veranstaltung findet im Juli statt

Staatsminister Füracker überreichte im Beisein von Landrat Willibald Gailler (CSU) die Urkunden. Im Anschluss wurden die sechs anderen Kulturformen vorgestellt und mit Urkunden geehrt. In einer weiteren Veranstaltung im Juli in Nürnberg sollen die restlichen Neuaufnahmen aus Nordbayern ihre Urkunden erhalten. Darunter ist auch das Treideln auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal. Nach der Auszeichnung blieb noch genügend Zeit sich bei diesem unvergesslichen Abend auszutauschen, bevor die Dietfurter den Heimweg ins bayerische Chinareich antraten.

Die nächste Bewerbungsrunde startet voraussichtlich am 1. April 2025. Informationen zum Bewerbungsverfahren finden sich unter www.ike.bayern.de. Interessierte und Antragsteller können sich bei der Beratungs- und Forschungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern informieren unter E-Mail ike@volkskunde.badw.de oder Telefon (089) 51556144.

khr