Zum 50. Geburtstag

Sandwichkind aus Bamberg: Landrat Peter von der Grün ganz privat

05.10.2022 | Stand 05.10.2022, 6:38 Uhr

Nur eines seiner Hobbys: Peter von der Grün spielt seit Jugendtagen begeistert Tennis und durfte unlängst sogar in Doppeln mit seinem Sohn Konstantin antreten. Foto: Schmitt, DK-Archiv

Von Sebastian Hofmann

Bertoldsheim – Eine Falschinformation, mit der Peter von der Grün immer wieder konfrontiert ist, ist die über seinen Geburtsort: „Viele meinen, ich bin in Waidhofen geboren, aber das stimmt nicht“, sagt er. Das Licht der Welt hat er, der heute mit Frau und zwei Kindern im Rennertshofener Gemeindeteil Bertoldsheim lebt, an diesem Mittwoch vor exakt 50 Jahren im oberfränkischen Bamberg erblickt.





Er ist das dritte von insgesamt fünf Kindern, das „Sandwichkind“, wie er selbst sagt. Zwei ältere und ein jüngerer Bruder und eine jüngere Schwester hat Peter von der Grün. Mit denen zusammen ist er in Waidhofen aufgewachsen, wo er den Kindergarten und die Grundschule besuchte.

Danach ging es für ihn ans Gymnasium Schrobenhausen, das er bis zu zehnten Klasse ganz regulär absolvierte. Und dann kam auch schon ein sehr besonderer Abschnitt in seinem Leben, bei dem Peter von der Grün immer noch ein Funkeln in den Augen bekommt, wenn er davon berichtet. Er durfte an einem Austauschprogramm teilnehmen und ein Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika verbringen. In der Kleinstadt Puyallup, im Bundesstaat Washington an der US-Westküste, war er nacheinander bei vier Gastfamilien untergebracht. „Ich war da voll integriert“, schwärmt Peter von der Grün heute noch.

Der wertvollste Spieler der Saison

Gewöhnungsbedürftig sei es schon ab und an gewesen, denn einerseits habe er sich auf eine andere Kultur einstellen müssen. Und andererseits hatte er einen großen schulischen Sprung gemacht: „Ich bin von der zehnten Klasse Gymnasium in die zwölfte Klasse High School gekommen“, berichtet er. Aber er fand sich zurecht. „Nach drei Monaten habe ich zum ersten Mal auf Englisch geträumt. Da wusste ich, dass ich angekommen war.“

In der amerikanischen Schule konnte er zudem seine beiden liebsten Hobbys ausleben. Er spielte Klarinette in einem großen Symphonie-Orchester, das sei „auf wahnsinnig hohem Niveau“ gewesen. Von der Grün habe es toll gefunden, dass er auch außerhalb des reinen Unterrichts von früh bis spät an der Schule beschäftigt gewesen sei. Denn neben der Musik trieb ihn auch das Tennisspielen um: An der Rogers High School war er Teil des Tennisteams und wurde zum Ende der Saison sogar zum Most Valueable Player, dem wertvollsten Spieler, gewählt. „Die Medaille hängt heute noch in meinem Büro“, scherzt von der Grün. Überhaupt sei sein Jahr im Ausland sehr prägend gewesen. „Du gehst als schüchterner 16-Jähriger und kommst als Weltenbummler wieder.“

Weil er den Ehrgeiz hatte, wieder in seine alte Klasse zu kommen, legte er eine Prüfung über die Inhalte der elften Klasse, die er ja überspringen wollte, ab. Er schaffte den Test, „aber ich hatte meine Lücken in Mathe“. Das Abitur schaffte er 1992 trotzdem mühelos und mit sehr guten Noten.

Er nahm schließlich ein Jura-Studium auf. Warum? Weil Peter von der Grün auch Jura studiert hatte. Gemeint ist damit sein gleichnamiger Onkel, der es mit dieser Ausbildung bis zum Polizeipräsidenten Mittelfrankens gebracht hatte. „Ich hätte mir aber auch Lehramt für Mathe und Englisch vorstellen können“, sagt der Neffe. Aber diese Fächerkombination habe es nicht gegeben. Also Jura.

Diese Wahl sollte beruflich wie privat wegweisend für den Waidhofener sein. Denn er knüpfte während seines Studiums schon den einen oder anderen Kontakt zu Behörden und Personen, die später einmal eine größere Rolle in seinem Leben spielen sollten. So war Peter von der Grün nach dem ersten Staatsexamen als Referendar im Landratsamt in Neuburg-Schrobenhausen tätig – sein Mentor dort war Ralf Rick, heute Geschäftsleiter der Neuburger Stadtverwaltung. Und auch am Neuburger Amtsgericht wurde von der Grün eingesetzt – und traf dort den damaligen Strafrichter Bernhard Gmehling, heute Neuburgs Oberbürgermeister, zum ersten Mal beruflich.

Tennis und Musik auch mit den Kindern

Nach dem zweiten Staatsexamen arbeitete von der Grün als Anwalt in einer Schrobenhausener Kanzlei. Vor Gericht, genauer gesagt auf dem Gang des Arbeitsgerichts, hat es dann gefunkt: Er traf die Anwältin Silke Munninger. Beide waren einander auf den ersten Blick sympathisch. Heute ist sie seine Frau und auch beruflich seine Partnerin. Nach der Hochzeit eröffneten die von der Grüns eine gemeinsame Kanzlei in Neuburg, waren spezialisiert auf Arbeitsrecht, Baurecht, Bau- und Architektenrecht und Verkehrsrecht.

Auch privat lief es bei dem Paar sehr gut. Die von der Grüns ließen sich in Bertoldsheim nieder und bekamen mit Sohn Konstantin (13) und Tochter Viktoria (9) Nachwuchs.

Vor dreieinhalb Jahren kam dann die große Veränderung für die Familie, als Peter von der Grün Landrat des Kreises Neuburg-Schrobenhausen wurde. Dass nicht mehr so viel Zeit für die Familie ist, sei manchmal schwer. Aber gerade die Kinder hätten mittlerweile verstanden, was ihr Vater macht und warum er so in der Öffentlichkeit steht. Trotzdem versucht Peter von der Grün, weiter für Frau und Kinder da zu sein. Stolz berichtet er, dass er mit Sohn Konstantin, einem „wahnsinnig guten Tennisspieler“, bereits zwei Doppelturniere bestritten hat und mit Viktoria gerne zusammen musiziert. Die Tochter habe zudem neuerdings eine kleine Katze daheim. Als sie das Tier dem Vater präsentierte und zu dem Kätzchen „Schau mal, das ist der Opa“ sagte, sei er nicht gerade begeistert gewesen, scherzt Peter von der Grün.

DK