Neuburg/Schrobenhausen

„Wenn’s ums Geld geht, muss man bohren“

<DK-XY_trifft>REFERENTIN IM GESPRÄCH:</DK-XY_trifft> Martina Keßler macht sich für die Kulturförderung im Landkreis stark

26.05.2022 | Stand 26.05.2022, 7:00 Uhr

Sie hat immer ein Auge für Kunst: Martina Keßler, im Kreistag Referentin für Kultur, vor einem Gemälde des späteren Kaisers Friedrich III., ein Werk des Schrobenhausener Malerfürsten Franz von Lenbach. Zu sehen ist es im Rathaus der Spargelstadt. Foto: Janda

Von Stefan Janda

Neuburg/Schrobenhausen – Sie hat keine stimmgewaltige Lobby und keine hauptamtlichen Kräfte im Landkreis, dabei aber gleichzeitig schier endlos viele Facetten. Wahrscheinlich liegt Martina Keßler die Kulturszene in Neuburg-Schrobenhausen deshalb so am Herzen. Im Kreistag engagiert sich die 38 Jahre alte CSU-Politikerin seit mittlerweile zwei Jahren als Referentin für diesen Arbeitsbereich.

Dass ein solches Ehrenamt ohne ein gesundes Grundinteresse an der Materie nicht funktionieren kann, weiß Keßler nur zu gut. „Daher will ich das Referat mit Leidenschaft und Interesse bekleiden.“ Ersteres bekam die in Dinkelshausen aufgewachsene Kommunalpolitikerin bereits in die Wiege gelegt, „denn alle bei uns in der Familie sind sehr musikalisch“. Sie selbst singt leidenschaftlich gern – seit ihrem 16. Lebensjahr im Neuburger Chor Windrose, mittlerweile auch zur Entspannung und natürlich für ihren wenige Wochen alten Sohn. Daneben hat sich durch ihren Mann Martin, ein Historiker, auch das Interesse für Museen und Ausstellungen entwickelt. Selbst in die Oper geht das Paar gerne, zuletzt in Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ in der Bayerischen Staatsoper.

Zu diesem Interesse passt der Ort, den sich die CSU-Politikerin für das Gespräch mit unserer Zeitung ausgesucht hat: den Lenbachsaal im frisch sanierten Schrobenhausener Rathaus. „Ich wollte unbedingt mal her, weil ich den Saal noch nicht gekannt habe“, erklärte sie. Gleichzeitig ist das Engagement der Stadt für sie Paradebeispiel, wie Kulturpflege funktionieren kann. „Denn das klappt nur, wenn man die Exponate richtig bewahrt, pflegt und inventarisiert.“

Mit all diesen Voraussetzungen lag es mehr oder weniger auf der Hand, dass Keßler als Kulturreferentin die Nachfolge von Alexander Haninger im Kreistag antreten wird. In dieser Funktion will sie aber keineswegs nur repräsentieren und eine gute Miene zu allem machen – zumal sie eigenen Worten zufolge noch keinen einzigen Termin aus dem Landratsamt bekommen hat.

Die Kreisbehörde ist es auch, in der Keßler den größten Nachholbedarf in Sachen Kultur sieht. „Denn dafür gibt es dort schlichtweg keine Zuständigkeit“, erklärt sie. Die Musikgruppen im Landkreis, die Museen, die Kreisheimatpflege, die historischen Vereine, die bildenden Künstler, die Stiftung Donaumoos und die anderen Akteure – sie alle haben keinen hauptamtlichen Ansprechpartner. Daher fordert Keßler eine Professionalisierung der Strukturen. „Jedes starke Ehrenamt braucht ein starkes Hauptamt, das koordiniert“, betont sie. Ein Beispiel: Nach der jüngsten Berufung der Kreisheimatpfleger war durchaus Kritik zu hören, da nicht jeder mit der Aufteilung zufrieden ist. „Da hätten wir eine politische Diskussion gebraucht“, fordert die Referentin fürs nächste Mal.

Illusionen gibt sich die 38-Jährige, die seit 2018 auch im oberbayerischen Bezirkstag sitzt, bei ihren Vorstellungen jedoch nicht hin. „Die Zeit für eine hauptamtliche Kraft ist wohl noch nicht reif“, sagt sie angesichts der finanziellen Belastungen für den Landkreis und des mittlerweile jährlichen Ringens um weitere Stellen in der Verwaltung. Aufgeben bedeutet das für die Referentin allerdings keineswegs. Stattdessen schwebt ihr als erster Schritt eine Art Kulturbeirat vor. „Es gibt so viele Facetten der Kultur, da brauchen wir ein Netzwerk“, betont sie. Bestehen könnte das Gremium aus ganz unterschiedlichen Akteuren aus möglichst vielen Bereichen – Hauptsache kreativ. Keßler sieht darin ein gutes Instrument, um den Kreistag zu beraten. „Dann würden manche Dinge auch nicht mehr schiefgehen“, betont sie. Bestes Beispiel ist aus ihrer Sicht der „Kunst am Bau“-Wettbewerb für die neue Paul-Winter-Realschule, für den der Landkreis viel Kritik seitens der Künstlerschaft einstecken musste. „Da habe ich mich zu den Treffen einfach kurzerhand selbst eingeladen, weil mich niemand informiert hat“, erklärt die Kulturreferentin ihr pragmatisches Vorgehen.

Genau das ist im Kulturbereich derzeit nötiger denn je. Immerhin hat die Pandemie vieles zum Erliegen gebracht. Dass alles wieder auf das Vor-Corona-Level zurückkehrt, ist fraglich. Gleichzeitig haben es die vergangenen Jahre Keßler auch schwer gemacht, ihre eigenen Kontakte auszubauen. „Das ist eine Aufgabe, die nie enden wird“, betont sie. Dazu kommt freilich die oftmals prekäre Situation für Künstler, denen zuletzt durch ausgefallene Ausstellungen und Auftritte viel weggebrochen war. Keßler macht sich deshalb für Ausstellungen im Landratsamt stark. „Das wäre ein Podium für Künstler“, betont sie und erinnert an die Bedeutung von Kunst. „Kultur bringt die Menschen zusammen, gerade im Jahr des Landkreisjubiläums wäre das schön.“

Dass das bestens funktioniert, weiß Keßler durch den Bezirk Oberbayern nur zu gut. Als Bezirksrätin bemüht sie sich seit bald vier Jahren um die Förderung von Kulturprojekten, hat unter anderem den Kulturpreis des Bezirks für die Neuburger Fadenspieler und einen Zuschuss für das Noisehausen-Festival in Schrobenhausen vermittelt. Ernüchternd ist für sie allerdings ein in ihren Augen zu hohes Maß an Bürokratie. „Der Landkreis hat keine Mittel für die Kultur, beim Bezirk gibt es hingegen einen Stichtag Ende Oktober“, so Keßler, die darin eine künstliche Bremse für kreative Köpfe sieht. „Leider sind uns da oft die Hände gebunden.“

Als alternativlos sieht sie unterdessen das Engagement des Landkreises für ein neues Museumsdepot der Stiftung Donaumoos an. Eine Herzensangelegenheit für die Kommunalpolitikerin, die auf die Bedeutung der Sammlung verweist. Anders als beim bezirkseigenen Freilichtmuseum Glentleiten befindet sich das Museumsdorf beim Haus im Moos im originären Kulturraum. „Allein deshalb habe ich schon das Gefühl, dass das Thema im Kreistag als wichtig erachtet wird“, so Keßler, die aber weiß: „Wenn’s ums Geld geht, muss man bohren.“ So wie so oft bei der Kultur. Die Referentin verspricht deshalb: „Ich lasse nicht locker.“

DK