Neuburg-Schrobenhausen

Von der Zweck-Ehe zur Erfolgsgeschichte

50 Jahre nach der Gebietsreform ziehen die Parteichefs im Landkreis eine positive Bilanz

08.06.2022 | Stand 08.06.2022, 5:00 Uhr

Foto: Haßfurter, DK-Archiv

Von Stefan Janda

Neuburg/Schrobenhausen – Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen kann sich sehen lassen. Diese Meinung vertreten die Kreisvorsitzenden der politischen Gruppierungen im 50. Jahr nach der Gebietsreform, die 1972 den Zusammenschluss von Neuburg und Schrobenhausen brachte.

„Insgesamt ist es gut gelaufen“, findet Matthias Enghuber, Abgeordneter im bayerischen Landtag und Vorsitzender des großen CSU-Kreisverbands. Die reinen Zahlen und auch das Selbstverständnis der Menschen belegen nach Meinung des Neuburgers, dass die Gemeinden gut dastehen. „Wir dürfen daher zu recht stolz auf das Erreichte sein – zumal wir einer der kleinsten Landkreise in Bayern sind.“ Genau deshalb sieht Enghuber den Prozess des Miteinanders aber als nie abgeschlossen an.

Immerhin müsse sich Neuburg-Schrobenhausen aufgrund seiner Lage und seiner Größe immer gegen Neuzuschnitte wehren, beispielsweise bei der Aufteilung auf Wahl- und Stimmkreise bei Bundes- und Landtagswahlen. Bei Erstgenannten ist der Landkreis seit 2017 geteilt. Gleichzeitig sieht der CSU-Kreischef eine gleichmäßige Entwicklung und die Wahrung gleicher Lebensbedingungen in allen Gemeinden als Daueraufgabe für die Politik im Landkreis. „Das wird nie zu Ende gehen“, ist er sich sicher.

Roland Weigert, sein Kollege von den Freien Wählern, sieht im Zusammenschluss einen Gewinn für beide Teile des Landkreises. „Der Norden ist mit Neuburg Kreissitz und damit behördliches Zentrum geworden“, erinnert der Kleinhohenrieder, der als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Teil des bayerischen Kabinetts ist. Beim Süden, also dem Schrobenhausener Land, sei es damals ohnehin um die Frage des Wohin gegangen – nach Neuburg oder aber nach Pfaffenhofen oder Aichach. „Der Norden musste sich also um den Süden bemühen“, sagt Weigert und verweist auf nachhaltige Investitionen des Landkreises, unter anderem Gymnasium, Realschule, Kreishallenbad und Kreiskrankenhaus.

Der FW-Politiker sieht die beiden Teile der früher eigenständigen Landkreise daher als Zweckpartner mit wechselseitigen Vorteilen. „Früher waren beide faktisch Einzelkämpfer“, so Weigert. Nun sei es möglich, die Herausforderungen wie die Donaumoos-Sanierung und die Etablierung von Schrobenhausen als Gesundheitsstandort gemeinsam zu meistern. „Das ist die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung.“

Eine positive Bilanz, allerdings mit einem Aber, zieht unterdessen Karola Schwarz. Denn die Kreisvorsitzende der Grünen hält ein weiteres Zusammenwachsen nach wie vor für nötig. Ausschlaggebend sind nach Meinung der Neuburgerin vor allem die Verbindungen, die – historisch gewachsen – eher in Ost-West-Richtung verlaufen.

Das gilt sowohl für die Bahnstrecken als auch für die beiden Bundesstraßen im Landkreis. „Da müssen wir mehr tun, um uns als Einheit zu sehen“, sagt Schwarz, die unter anderem auf eine geplante Schnellbuslinie zwischen den beiden Städten hofft. „Die könnte dazu beitragen.“ Als positiv bewertet die Grünen-Chefin die geschlossene Stimmung, mit der sich die Kreispolitiker für eine Stärkung des Gesundheitssystems im Landkreis einsetzen. „Damit werden wir uns noch mehr beschäftigen müssen“, sagt sie und freut sich, dass der Kreistag zu den hiesigen Einrichtungen steht.

Als klaren Anhänger des Landkreisgedankens sieht sich Werner Widuckel. „Denn die Erfolgsbilanz ist weitaus besser als es die gefühlte Stimmung manchmal vermuten lässt“, sagt der SPD-Kreisvorsitzende. Der Karlskroner bringt dabei etwas den Blick von außen mit. Seit 2009 wohnt der gebürtige Niedersachse und ehemalige Audi-Vorstand im Landkreis. Wahrscheinlich kann er deshalb mit manch emotionaler Altlast partout nichts anfangen. „Ich verstehe all die künstlich aufgebauten Gegensätzlichkeiten nicht“, sagt Widuckel ganz offen. Denn für ihn spiele es keine Rolle, ob jemand aus Schrobenhausen, Neuburg, Rennertshofen, Karlskron oder einer der anderen Gemeinden kommt. „Wir gehören alle zum Landkreis.“

Sicherlich lässt auch er nicht außer Acht, dass der Zusammenschluss 1972 keine Liebesheirat war. „Doch dafür hat sich Neuburg-Schrobenhausen sehr gut entwickelt.“ Besser könnte es in seinen Augen aber trotzdem gehen. „Etwa bei der Kooperation von Landkreis und Gemeinden“, sagt er und nennt als Beispiele die Entwicklung von günstigem Wohnraum, die Digitalisierung oder auch die Bemühung um gemeinsame Strukturen – wie etwa einen Zweckverband für den Betrieb der Bäder und das Donaumoos.

Einen ganz anderen Blick auf das Thema bringt hingegen Franz Märtl mit. Der FDP-Kreisvorsitzende, Jahrgang 1999, ist immerhin 27 Jahre nach der Gebietsreform auf die Welt gekommen. „Für mich als jungen Menschen ist das daher kein Thema, das mich im Alltag groß berührt“, erklärt der Neuburger, der davon ausgeht, dass es in seiner Generation grundsätzlich so aussieht. Er selbst identifiziert sich aber grundsätzlich mit seinem Heimatlandkreis und sieht kaum Unterschiede.

DK