Neuburg

Theatermann und Sportler Gundolf Hunner gestorben

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 20:00 Uhr
Josef Heumann

Der Theaterschaffende Gundolf Hunner ist gestorben. Er erlag 75-jährig einer schweren Krankheit. Foto: Heumann, DK-Archiv

Von Josef Heumann

Neuburg verliert einen seiner bekanntesten Kreativen. Gundolf Hunner ist gestorben. Er blieb trotz enormer Erfolge seiner Heimatstadt treu.

„Wahnsinn“ – dann versagt Ludwig Baumgartner die Stimme. Er, Pfarrer in der „Bluthochzeit“, nach eigenem Empfinden eher eine kleine Rolle, erfuhr selbst so oft die Empathie, die Kraft, ja die Totalität des Theatermenschen Gundolf Hunner.

Hunner, der so sympathisch war, den seine Schüler mochten, war auch ein Kämpfer, der anderen in der Sache sehr viel, sich selbst alles abverlangte – diesen Kampf nun verlor er endgültig, gegen ein winziges Tier, dessen Biss meist nur lästig ist, jedoch auch letal enden kann. 75-jährig verstarb Gundolf Hunner an einer Hirnhautentzündung in Folge von Borreliose nach einem Zeckenbiss.

Schwer zu fassen, dass so viel Tatendrang, so viel Kreativität an einer vermeintlich läppischen Sache ihr unerbittliches Ende finden sollten. Vorangegangen waren Wochen des Hoffen und Bangens. Als jetzt die „Bluthochzeit“, das so ehrgeizige Theaterunterfangen in Rennertshofen, zum zweiten Mal in Folge abgesagt werden musste, hieß das schon nichts Gutes. Nach dem kurzfristigen Ausfall des Hauptdarstellers im Vorjahr konnte jetzt Hunner, der Regisseur, nicht in der für ihn unerlässlich gründlichen Art mit der Vorbereitung starten. Die Absage war die Konsequenz.

Für den Festspielverein ist es ein doppelter Schicksalsschlag. Vor wenigen Wochen erst verstarb unerwartet Alfred Bircks, der Vorsitzende des Festspielvereins. „Lulle“, um im Vereins-Terminus zu bleiben, und jetzt Hunner: wenn plötzlich Motor und Herz, Macher und Gewährsmann, wegbrechen.

Bluthochzeit und zuvor die „Susanne“ waren vielleicht die exponiertesten Produktionen, die über Regionsgrenzen hinaus Beachtung fanden. In Gundolf Hunner verliert Neuburg seinen profiliertesten Theatermann, der mit dem Schultheater des Descartes-Gymnasiums groß wurde, ja, dieses groß machte. Gleich welches Genre, Hunner traf den Ton, er formte Charaktere, hatte den Mut zu Humor, ohne je eine Szene oder einen Akteur dem billigen Gag preiszugeben. Seine „Ottheinrich“-Inszenierung, das Luther-Spiel – durchaus Empfehlungen für überorts.

Aber Gundolf Hunner war sein Leben lang Neuburg verbunden. Vielleicht hätte sich der Ausnahme-Sportler, der er auch war, doch einem größeren Verein anschließen müssen, um ganz an die Spitze und womöglich zu Olympia zu kommen. 7431 Punkte im Zehnkampf Anfang der 70-er – damit wurde er Fünfter bei den Deutschen Meisterschaften. Auch als Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte und Sport zog es Hunner nach der Referendarzeit zurück nach Neuburg. Mehr als 30 Jahre unterrichtete er am hiesigen Gymnasium, so wie es zuvor sein Vater Alois Hunner getan hatte, Musikpädagoge, Orchesterleiter und, wie der Sohn, ein exzellenter Sportler. Dessen Meistertitel, die er im Rasenkraftsport quer durch die Altersstufen sammelte, dürften Guinnessbuch-verdächtig sein.

Fördernd, fordernd: Dieses wesensfremd, doch untrennliche Synonymenpaar beherrschte Gundolf Hunner. Proben mit ihm war nicht immer nur Honiglecken. Theaterspielen heißt nun mal an eigene Grenzen gehen, aber auch die Grenzen zu kennen – das vermutlich zeichnet den guten Theatermenschen aus.

Und dass für Erfolg Disziplin der schier unerlässliche Garant ist, hatte voran der Sportler schon gelernt. Erfolge hat Gundolf Hunner denn auch viele erfahren, in ihnen sich gesonnt. Sich auf ihnen ausgeruht hatte er sich nie. Auf der Zielgeraden befand sich Gundolf Hunner gewiss noch nicht – bis jetzt ein winziges Tier die Reißleine zog.

DK