Schrobenhausen

Reality-TV in der Neuburger Straße

Von missverstandenem Gewohnheitsrecht und vermeintlich entschuldbaren Verbotsirrtümern

12.08.2022 | Stand 12.08.2022, 9:00 Uhr

Huch! Wer ist denn da falsch abgebogen? Wer Schilder (und im Vorfeld Zeitung) lesen kann, der weiß Bescheid. In der Neuburger Straße in Schrobenhausen spielen sich zurzeit höchst spannende Szenen ab. Fotos: M. Schalk

Von Manfred Schalkund Mathias Petry

Schrobenhausen – Wer ein abwechslungsreiches Abendprogramm sehen will, der sollte seinen Abendspaziergang in diesen Tagen mal zur Neuburger Straße in Schrobenhausen machen. Das ist zeitweise um einiges besser als jede Realitysendung im Fernsehen.

Dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, das ist ja hinlänglich bekannt. Seit die Neuburger Straße Anfang dieser Woche zur Einbahnstraße wurde, ist allerdings nichts mehr wie früher. Über Jahre hinweg konnte man von Langenmosen kommend direkt zur Regensburger Straße fahren und umgekehrt. Und jetzt?

Plötzlich stehen überall Schilder, die eine Fahrt stadtauswärts nicht mehr erlauben! Seit Wochen war davon in der Schrobenhausener Zeitung die Rede. Leserbriefe gab es dazu!

Heftiges Durcheinander gab es bereits beim Anbringen der neuen Schilder – die wurden schlicht übersehen oder auch nicht wahrgenommen. Und es wurde gefahren, als ob es die neuen Tafeln nicht gäbe.

Zugegeben – man hätte ja eigentlich einen Geradeauspfeil in der Regensburger Straße erwartet, den gibt es aber nicht. Weil man ja eben doch ein paar Meter reindarf, in die Neuburger Straße, und zwar genau bis zur Einmündung in die Lindenstraße. Also stehen jetzt rote runde Schilder mit weißem Querbalken und Richtungshinweis. Zeichen 267. Ist schon ein bisserl kompliziert.

Dass etwas anders ist, könnte man aber daran erkennen, dass in der Neuburger Straße und an der Bürgermeister-Götz-Straße mittlerweile neue Fahrstreifen für die Radfahrer und Autofahrer angebracht wurden. Und sogar Warnbaken. Was aber bisher noch gilt, ist das Gewohnheitsrecht. „Da bin ich immer schon so gefahren. Manche nennen sowas auch einen entschuldbaren Verbotsirrtum. Strafe kostet der im Zweifel trotzdem, allerdings eine vergleichsweise läppische. 25 Euro, das ist gegenüber Parken auf dem Gehweg (55 bis 70 Euro) ein Schnäppchenpreis.

Für viel Gesprächsstoff sorgt die neue Regelung allemal. Spaziergänger bekommen nun solche Szenen zu sehen: Von der Innenstadt kommend wollen Verkehrsteilnehmer mit Schwung in die Neuburger Straße abbiegen. Erschrocken bremsen sie ruckartig, stoßen rückwärts wieder zurück in die Regensburger Straße und bleiben erstmal ein Zeitlang mit dem Auto irritiert mitten auf der Straße vor den Schildern stehen.

Einige probieren es durch die Lindenstraße, um dann über die Georg-Alber-Straße zum Bahnübergang zu kommen. Fehlanzeige. Der weißblaue Abbiegepfeil zeigt wieder zurück. Etliche hält das nicht davon ab, Richtung Langenmosen abzubiegen.

Andere interessiert die neue Regelung gleich überhaupt nicht, sie geben einfach Gas und fahren gegen die Einbahnstraßenrichtung. Blöd, wenn gerade in diesem Moment ein Fahrzeug entgegenkommt.

Auch an der Kreuzung direkt am Bahnübergang gibt es wilde Szenen. Am besten: selber mal anschauen.

SZ