Neuburg

Parkbad: Öffnung mit halbiertem Verbrauch

Energiekrise: Werkausschuss des Neuburger Stadtrats entscheidet in Sondersitzung nach den Ferien neu

06.08.2022 | Stand 06.08.2022, 5:00 Uhr

Derzeit ist das Neuburger Parkbad eh geschlossen. Nach den Ferien soll neu darüber diskutiert werden, wie es in diesem Winter weitergeht. Foto: Riß

Von Thorsten Stark

Neuburg – Nach der Entscheidung von Stadt und Stadtwerken, das Neuburger Parkbad im Winter als Energiesparmaßnahme geschlossen zu lassen, ist der Protest aus der Bevölkerung weiter groß – was das Thema nun erneut auf die Tagesordnung im Werkausschuss des Stadtrats bringt. Für Mitte September wird eine Sondersitzung angesetzt. Bäderleiter Maik Müller hat unterdessen vorgerechnet, wie eine Öffnung mit halbiertem Energieverbrauch funktionieren könnte.

Anfang der Woche hatte Müller an Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) und Stadtwerkechef Richard Kuttenreich geschrieben. Darin skizziert er, wie man aus seiner Sicht das Parkbad öffnen, aber gleichzeitig der veränderten energiepolitischen Lage Rechnung tragen könnte. 3,2 Millionen Kilowattstunden Gas würde das Hallenbad normalerweise in einer Saison verbrauchen, das entspricht dem Verbrauch von 250 Privathaushalten.

„Ich verstehe natürlich den Gedankengang“, sagt Müller auf Anfrage. „Wenn alle frieren, machen wir dekadent das Bad auf.“ Sollte die Situation ab Herbst so schlimm wie von vielen befürchtet sein, stünde eine Öffnung ohnehin nicht zur Debatte. Doch man wisse ja noch nicht, wie es sich entwickelt, sagt Müller. Nach seiner Rechnung – „die müssen unsere Ingenieure noch im Detail prüfen“ – ließe sich das Parkbad mit der Hälfte der sonst benötigten Energie betreiben. Allein mit der Schließung des beheizten Außenbeckens könnte man ein Drittel der Energie sparen. Müller schlägt vor, auch Sauna und Rutschenturm nicht in Betrieb zu nehmen, die Betriebszeiten zu reduzieren und die Wassertemperatur zu senken – womöglich fiele dann auch noch das Planschbecken für Kleinkinder weg, das ja auch nur bei bestimmten Temperaturen attraktiv ist. Auch auf die Kosten hätte das enormen Einfluss: Bei einer angenommenen Vervierfachung des Gaspreises stiegen die Kosten bei einer Halbierung des Verbrauchs um vergleichsweise moderate 100 Prozent.

So könnten die Schulen das Bad weiter für ihren Schwimmunterricht am Vormittag nutzen, normaler Besuch wäre ab Mittag möglich und die Vereine hätten überwiegend den Abend für ihre Kurse. Am Freitag sprach Müller, der auch die Zukunft des eigenen Personals im Hinterkopf hat, persönlich mit dem Oberbürgermeister. Müllers Fazit: „Es besteht Hoffnung.“

Gmehling betont gegenüber unserer Zeitung auf Anfrage, dass die am 27. Juli verkündete Entscheidung ohnehin nur für den Fall gelte, sollte im Winter gar kein russisches Gas mehr fließen. „Wenn es so bliebe wie jetzt, würde gar nichts geschlossen. Diese Schließung war nur für den schlimmsten Fall angekündigt.“ Besonders die im Bad angebotenen Schwimmkurse seien wichtig. „Die sollte man schon aufrechterhalten.“ Bis zur Werkausschuss-Sitzung im September soll nun durchgerechnet werden, wie viel Energie sich tatsächlich beim Hallenbad im reduzierten Betrieb einsparen lasse. Dabei gehe es auch um den enormen Preisanstieg beim Gas. „Wenn man von 27 auf 25 Grad runtergeht, kann trotzdem noch jeder schwimmen“, sagt Gmehling, der auch die anderen vorgeschlagenen Maßnahmen gutheißt. „Ich kann mir auch vorstellen, dass sich der Werkausschuss dafür entscheidet.“

Die nicht enden wollende Kritik aus der Bevölkerung dürfte auch ihren Anteil an der erneuten Behandlung des Themas haben. Erst an diesem Freitag meldete sich Udo Kotzur, Vorsitzender des TSV Neuburg, in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Mitglieder des Werkausschusses zu Wort: Die Bewegung im Wasser sei für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen enorm wichtig. Auch ältere oder aus gesundheitlichen Gründen in ihrer Bewegung eingeschränkte Menschen, für die der Verein etliche Kurse anbiete, bräuchten das Schwimmbad dringend. „Es ist uns völlig klar, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen“, schreibt Kotzur. „Aber der gesellschaftliche Zusammenhalt, den gerade die Sportvereine ganz wesentlich in der Breite mit fördern, ist ein ebenso wichtiges Gut und jede Maßnahme muss damit abgewogen werden – und hier bestehen Zweifel ob dies wirklich in der erforderlichen Tiefe erfolgt ist.“

DK