Burgheim

Nach zähen Verhandlungen

Straß-Moos wird der Patenverein beim Gründungsfest der Feuerwehr Ortlfing-Biding im kommenden Jahr

07.09.2022 | Stand 07.09.2022, 5:00 Uhr
Ralf Schmitt

Fahnenabordnung, Taferlbua und der Rest der Ortlfing-Bidinger Wehr wurden am Ortsschild von Straß abgeholt. Fotos: Schmitt

Von Ralf Schmitt

Burgheim – Geplant war das Gründungsfest zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Ortlfing-Biding schon im vergangenen Jahr. Wie bei vielen anderen Vereinen auch, machte aber die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Bereits im März 2021 wurden daraufhin die Festivitäten schweren Herzens abgesagt.

Hochrangiger bayerischer Politiker kommt im Juni

Allerdings wurde da auch schon der nächste Anlauf fest terminiert. Vier Tage, vom 8. bis 11. Juni 2023, will der Verein alles nachholen und „vielleicht sogar noch einen drauflegen“, wie Kommandant Markus Habermeyer anklingen ließ. Im Gespräch mit unserer Zeitung kündigte er als Gast einen „hochrangigen bayerischen Politiker“ an. Konkreter wollte Habermeyer dazu noch nicht werden.

Bevor es aber soweit ist, gibt es noch ganz andere Dinge zu beachten. Die erste Frage – Wer wird unser Patenverein? – musste in Ortlfing-Biding nicht lange diskutiert werden. Die Nachbarwehr aus Straß-Moos sollte es sein. Also machte man sich am vergangenen Samstag auf, um diese Bitte vorzutragen. Der Festverein wurde am Ortseingang von Straß von der Feuerwehr und der Marktmusikkapelle Burgheim empfangen. Im gemeinsamen Marsch ging es hinter beiden Fahnenabordnungen zum Festzelt. Viele Besucher säumten den Weg. Der neu gestaltete Dorfplatz bot einen mehr als würdigen Rahmen für die Veranstaltung. Nach dem offiziellen Bieranstich durch den Schirmherrn Peter Lösch und einer gemeinsamen Brotzeit, ging es dann an die Verhandlungen.

Verhandlungen mit Holzscheite

Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits scharfkantige Holzscheite auf der Bühne, von denen jeder wusste, was deren Aufgabe ist. Die Patenbitter sollen, darauf kniend, schnellstmöglich von den Forderungen überzeugt werden und diesen auch nachgeben. Der anwesende Bürgermeister der Marktgemeinde Michael Böhm (CSU/JBB), nannte sie deshalb auch Folterinstrumente. Als Gemeinderat und Mitglied der Straß-Mooser Wehr, Volker Sieg, zu seinem Instrument griff, um musikalisch auf das folgende Geschehen vorzubereiten, meldete sich der Gemeindechef noch einmal zu Wort: „Das ist jetzt die Steigerung von Folterinstrument, das ist das ,Volkerinstrument‘.“ Spätestens jetzt war die Stimmung im Festzelt auf dem Höhepunkt angekommen.

Die erste Forderung von Moderator und Vereinsvorsitzendem Franz Dreher zur Übernahme der Patenschaft drückte diese Stimmung bei den Ortlfingern allerdings fast auf den Nullpunkt. Dreher wollte jeweils 140 Freigetränke und Brotzeiten für seine Wehr. Gedanklich war man auf der Gegenseite gerade einmal auf die Hälfte dieser Summe eingestellt. Was folgte, war ein in Reimform vorgetragenes Feilschen um die jeweils besten Konditionen für die beiden verhandelten Parteien.

Salzige Suppen und Luftballons

Traditionell wurden dazu einige Aufgaben gestellt, die es für die Ortlfing-Bidinger zu lösen galt, um eben diese Konditionen für sich zu verbessern. Salzige Suppen mussten ausgelöffelt werden, über einen Löschschlauchverteiler sollte ein Luftballon, nicht mittels Wasser, sondern mit der Atemluft der Bittsteller, zum Platzen gebracht werden. Zwischenzeitlich waren, durch einen Versprecher von Franz Dreher, die Forderungen auf jeweils 150 Einheiten angestiegen. Weitere Prüfungen, Forderungen und Angebote folgten. Bei einem Stand von 100 zu 100 hatte Habermeyer diesen Reim: „Uns wär wirklich viel daran gelegen, jetzt gebt’s uns endlich euren Segen.“ Nachdem der Kassierer Michael Schiele die nachdenklichen Falten auf der Stirn von Franz Dreher sah, legte er die letzten zur Verfügung stehenden Vereinsfinanzen noch mit in die Waagschale und erhöhte auf jeweils 120 Gedecke. Damit war zwar die Sache endlich geklärt und der Pate gewonnen, aber das letzte Wort des Abends war zu dieser Sache noch nicht gesprochen. Bürgermeister Michael Böhm ergriff das Mikrofon und legte im Namen der Marktgemeinde noch jeweils 30 Gutscheine oben drauf. Damit war die höchste Forderung des Abends jetzt erfüllt. Zwei Stunden vorher hätte dieses Ergebnis einiges erspart. Viele hätten aber auch weniger zum Lachen gehabt. Für Franz Dreher hatte das Patenbitten nicht nur Unterhaltungswert, er sah auch eine Verpflichtung darin. „Wir wissen was unsere Aufgaben sind. Egal wo ihr uns im nächsten Jahr braucht, ein Anruf genügt und wir sind da, um euch zu helfen“, versprach er unter dem bezeugenden Applaus aller Straß-Mooser. „Dann wird es ein richtig geiles Fest, wir werden feiern, bis die Schwarte kracht“, freute sich Markus Habermeyer über diese großzügige Zusage. Ab jetzt gab nur noch die Marktmusikkapelle unter der Leitung von Silke von der Grün den Ton an und sorgte für ausgelassene Stimmung.

DK