Millionenprojekt

Zu Besuch im Zwicklbräu: Bürgermeister in Hohenwart sieht riesiges Potenzial

05.11.2022 | Stand 05.11.2022, 19:00 Uhr

Sehen riesiges Potenzial im alten Gemäuer: Bürgermeister Jürgen Haindl und der Architekt Christian Taufenbach.

Hundert Jahre alte Anlagen, eine Wirtsstube aus der Nachkriegszeit, Bügelflaschen unter einer dicken Staubschicht, morsche Holzböden – all das beherbergen der verwunschen wirkende Zwicklbräu und die angeschlossene Gaststätte. Jetzt könnten die seit Jahrzehnten leerstehenden Gebäude am Rande des Hohenwarter Marktkerns aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden.



Das Ensemble ist etwas ganz Besonderes“, schwärmt Hohenwarts Bürgermeister Jürgen Haindl (FW). Als kleiner Bub hat er sich gefreut, wenn er hinter den Zaun gelassen wurde, um Kastanien zu sammeln. Jetzt sieht er den altehrwürdigen Zwicklbräu als Begegnungszentrum, Erlebnisgastronomie oder Veranstaltungsstätte – irgendetwas in der Art.

Der Komplex gehört der Marktgemeinde, noch Haindls Vorgänger Manfred Russer (CSU) machte den Kauf perfekt. Die ehemalige Eigentümerin habe immer noch ein Mitspracherecht, was die Verwendung der Immobilien angeht, sagt Haindl, der jetzt Investoren sucht, die seine Begeisterung für den Zwickl teilen. Für Nutzungsvorschläge sei er offen, sagt der Bürgermeister, nur eines ist für ihn Pflicht: „Dass das gemeindlich in irgendeiner Weise zugänglich wird.“ Also: Wohnnutzung oder Büros ja – aber nicht ausschließlich.

Ein weiteres Millionenprojekt in der Marktgemeinde

Um die alten Gemäuer herzurichten, werden mehrere Millionen Euro nötig sein. Die Marktgemeinde könne das nicht stemmen, sagt Haindl. Abreißen dürfe man den Zwickl aber auch nicht. Zum einen steht ein Großteil unter Denkmalschutz – und zum anderen wäre es einfach viel zu schade darum. Das finden auch Katrin Richthofer und Christian Taufenbach. Die beiden Architekten waren wegen einer anderen Sache in Hohenwart, sahen den Zwicklbräu hinter den Kastanien hervorspitzen und waren sofort begeistert. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Richthofer.

Eine naheliegende Nutzung: eine Brauerei im Zwicklbräu. Leider passen moderne Anlagen in das 1903 eingeweihte Gebäude nicht rein. Und auch in der alten Gastwirtschaft wird es schwierig. Die stammt aus dem 16. Jahrhundert, der Gewölbekeller könnte sogar noch älter sein. Über die Jahrhunderte gab es immer wieder Änderungen und Anbauten. Entsprechend verwinkelt ist das Haus. Auch das macht die Planung nicht einfacher. Die beiden Architekten haben jedenfalls schon mal Maß genommen und erste Pläne gezeichnet. „Es wird auf irgendeine Nutzungskombination rauslaufen“, meint Katrin Richthofer. Und „wenn du die richtige Nutzung hast, dann findest du auch die Finanzierung“, ist Christian Taufenbach überzeugt.

Gastronomie, Kleinkunst, Wohnen – und ein Biergarten

Was kommt raus, wenn Haindl, Richthofer und Taufenbach einfach mal träumen dürfen? Grob zusammengestellt, ungefähr das: eine Gastronomie mit Kleinkunstbühne im Backsteinbau, ein Wallfahrtsmuseum in der alten Gastwirtschaft, in der Remise dahinter eine Genussmeile (in Zusammenarbeit mit einheimischen Landwirten, Metzgern, Gastwirten sowie mit Regens Wagner), die sich bestenfalls bis zum Marktplatz vorzieht, oben Wohnungen, vielleicht auch betreute. Dafür müsste einiges umgebaut werden. Wichtig: „Es muss sich immobilienwirtschaftlich rechnen“, sagt Richthofer. Und eine Gastronomie- und Eventnutzung bräuchte ein entsprechendes Einzugsgebiet. „Wir müssten mit so etwas bis nach Ingolstadt strahlen“, sagt Taufenbach.

Beim Besuch im Zwickl wird dann schnell klar: Das alles ist noch weit weg. Wäre aber auch eine wunderbare Nutzung für dieses besondere Gebäudeensemble. Noch etwas: Der Hof, gesäumt von kletterpflanzenumrankten Backsteinmauern und mächtigen Kastanienbäumen, würde einen perfekten Biergarten abgeben. Und tatsächlich hätte die Marktgemeinde einen solchen hier einrichten dürfen, mit Geld aus der Städtebauförderung, für rund 20000 Euro Eigenanteil, wie Haindl erzählt. Das habe im Marktgemeinderat allerdings keine Mehrheit gefunden. Vielleicht kommt ja noch eine neue Chance – für den Biergarten und für den ganzen Zwickl.

SZ