Kletterer mit Handicap
Michael Füchsle über seine schwere Krankheit und neue Herausforderungen

10.07.2024 | Stand 10.07.2024, 19:00 Uhr |

Michael Füchsle ist einer der ersten deutschen Paraclimber. Foto: Michael Füchsle

Paraclimbing wird 2028 in Los Angeles erstmals Teil der Paralympischen Sommerspiele sein. Wir haben mit Michael Füchsle (57) einem der ersten deutschen Paraclimber, sprich Profi-Kletterer mit Handicap, über diesen Erfolg für die Sportart und seine eigene aktuelle Situation gesprochen.



Herr Füchsle, die wichtigste Frage zu Beginn: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Michael Füchsle: Danke, zur Zeit geht es mir gesundheitlich sehr gut. Ich genieße jeden Tag, an dem ich keine gesundheitlichen Probleme habe. Wer weiß schon, wie es in der Zukunft aussieht. Meine Gesundheit ist eine Zeitbombe, es kann morgen schon wieder ganz anders aussehen.

Paraclimbing wird 2028 bei den Paralympics in Los Angeles vertreten sein. Was bedeutet das für die Sportart und für Sie ganz persönlich?
Füchsle: Das ist ein sehr großer Erfolg für das Paraclimbing und es wurde Geschichte geschrieben. Für die Athletinnen und Athleten und auch für mich selbst bedeutet das sehr viel. Ich hatte mal kurz überlegt, ob ich ein Comeback im Wettkampf starten sollte (lacht). Es ist einfach einmalig und ich hoffe, dass durch die Paralympics das Paraclimbing auch in der weltweiten Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit erreicht. Bis jetzt wurde ja relativ wenig in den Zeitschriften darüber berichtet. Das ist sehr wichtig für diese relativ unbekannte Sportart. Was noch nicht sicher ist, welche Kategorien in vier Jahren in Los Angeles zugelassen werden. Das wird noch spannend.

Welche Ziele haben Sie selbst noch beim Klettern?
Füchsle: Da gibt es viele Ziele. Ich bin ein sehr motivierter Mensch. Die nächsten Jahre möchte ich einfach viel zum Klettern gehen, vielleicht auch mal noch eine schwere Kletterroute, die an meinem Limit ist, versuchen. Das würde mich schon noch mal reizen. Aber jedes Mal, wenn meine Form stimmt, kommt etwas dazwischen. Entweder gesundheitlich oder andere Sachen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Das Wichtigste ist einfach die Gesundheit.

Was haben Sie in den vergangenen Monaten alles unternommen?
Füchsle: Vieles, ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Meine Freundin Marion und ich waren sehr viel unterwegs beim Klettern in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, in Italien und Kroatien. Heuer waren wir dank des guten und milden Wetters bereits im Februar am Felsen. Aber auch Trainingslager mit dem Deutschen Paraclimb-Team standen in meinem Terminkalender. Von 24. bis 25. Juni war der World Cup in Innsbruck, der sehr gut für das Deutsche Team verlaufen ist. Die Athleten holten zweimal Gold und dreimal Bronze.

Was steht in nächster Zeit an?
Füchsle: Für die nächsten Monate ist der Terminkalender voll. Ende Juli geht es für eine Woche zum Klettern, wohin genau wissen wir noch nicht. Das kommt ganz aufs Wetter an, das heuer ja eher bescheiden ausfällt. Dann stehen die Europameisterschaft in Villars und der World Cup in Arco an, dazwischen ist nochmals ein Kletterurlaub geplant. In den Monaten August bis Oktober bin ich sehr viel unterwegs. Im Dezember, über Weihnachten, geht es noch nach Monaco.

SZ