Schrobenhausen

Lebendiges Treiben bei „Kunst und mehr“

Vom Erdgeschoss bis zum Dach war das Schrobenhausener Pflegschloss voll mit abwechslungsreichen Werken

28.11.2022 | Stand 28.11.2022, 11:00 Uhr

Kunst, Dekoratives und etwas zum Spielen: Bei der Ausstellung „Kunst und mehr“, die Brigitte Schuster wohl zum letzten Mal organisiert hatte, gab es im Pflegschloss für fast jeden Geschmacke etwas zu finden. Fotos: Budke

Schrobenhausen – Ob es nun die letzte „Kunst und mehr“-Ausstellung gewesen ist oder nicht, das wird sich wohl erst in Zukunft zeigen. Jedenfalls war die diesjährige Ausgabe eine denkwürdige, denn der Organisatorin Brigitte Schuster stand heuer das komplette Pflegschloss zur Verfügung. So fand sich vom Erdgeschoss bis zum Dach in jedem Winkel sehenswerte Kunst in einer Palette, die breiter kaum sein könnte.

Insgesamt 21 Künstlerinnen und Künstler belebten mit ihren Werken am vergangenen Wochenende das Pflegschloss. Dabei hatte jeder – wie es seit 19 Jahren bei „Kunst und mehr“ üblich ist – einen eigenen Raum zur Verfügung, der mit den jeweiligen Arbeiten gestaltet wurde. Was dabei auch heuer wieder herauskam, sucht in der Region seinesgleichen, denn es entsteht eine Vielfalt, in der die meisten Besucher etwas finden können, dass interessiert und gefällt.

Aussteller im Gesprächkennenlernen

Da waren heuer unter anderem die in Schrobenhausen bekannten fotorealistischen Gemälde von Christoph Scholter, außergewöhnliche Papierkunst von Joachim Tschacher oder bunte Lichtbilder von Regina Schmidt. Viele Besucher, die durch die Ausstellung flanierten, folgten der Aufforderung, die Kulturamtsleiterin Claudia Freitag-Mair bei der Eröffnung geäußert hatte: „Schön wäre es, wenn wir alle Künstler, die hier sind, im persönlichen Gespräch besser kennenlernen.“

Barbara Bibel wurde von einer Besucherin am Samstagnachmittag gefragt, wie lange sie denn an den großen Patchworkdecken arbeite: „Die Stunden zähle ich gar nicht“, antwortete die Autodidaktin. Dann vertieften sich Künstlerin und Besucherin in ein Fachgespräch und das Staunen in den Gesichtern der Gäste, die nicht im Nähen kundig sind, wuchs.
Insgesamt ist die Stimmung im Pflegschloss entspannt, freundschaftlich, fast wie auf einem großen Familienfest. Dazu tragen auch „Mathias Petry & friends“ bei – die de facto aus Herbert Petz, Nik Richter und Sabine Beck bestehen – indem sie an unterschiedlichen Standorten im Schloss durch Songs und Improvisationen für lockere musikalische Unterhaltung sorgen.

So freut sich Organisatorin Brigitte Schuster über die gelungene „Kunst und mehr“, die eben nicht nur eine Ausstellung, sondern eher ein Gesamt-Event ist. Selbst stellte sie außergewöhnliche Kunst aus, gefertigt aus schwarzem Glas, auf dem sie durch aufwändige Sandstrahltechnik einen Ikarus auf- und absteigen lässt.

Schuster weiß aus vielen Gesprächen, dass die Besucher die hohe Qualität der Ausstellungsstücke zu schätzen wissen. Tatsächlich wurde sie persönlich von vielen Gästen begrüßt, die nicht das erste Mal bei „Kunst und mehr“ sind. Wie etwa Michaela Hieke aus Vohburg: „Es ist toll, was Schrobenhausen hier auf die Füße stellt.“ Ihr gefiel „das Gesamte, weil alles so gemischt ist und für jeden etwas dabei – und es sind richtige Künstler, kein China-Zeug.“

Besondere Highlights setzten in diesem Jahr zudem zwei Sonderausstellungen. So waren in einigen Räumen im Erdgeschoss Gemälde und Skulpturen namhafter Künstler wie Hans Dollinger und Käthe Krakow aus einer Privatsammlung zu sehen. Und ein Besuchermagnet war die Schau mit historischem Spielzeug, die Herbert und Inge Scholter aus ihrem Privatarchiv zusammengestellt hatten.

Bürgermeister wünschtsich eine Fortsetzung

Hochkarätig ist die Besetzung der gesamten Ausstellung, dafür sorgt Schuster bei der Auswahl der Künstler, die sie alle persönlich kennt. So bedankte sich Bürgermeister Harald Reisner (FW) bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend bei Schuster: „Ich würde mir wünschen, dass sie das noch 20 Jahre machen – Schrobenhausen braucht Kunst.“ Auch Christoph Schneider (Vorsitzender Verkehrsverein) meinte: „Wir haben jetzt extra keine Verabschiedung. Das ist eine tolle Veranstaltung, die wir nach 19 Jahren nicht enden lassen können.“ Schuster antwortete: „Da musst du dich an die Stadt wenden“. Später bestätigte sie im Gespräch mit unserer Zeitung: „Zwei Räume nach einer Pflegschloss-Umgestaltung reichen nicht aus. Wenn es ausreichend Platz gibt, mache ich gern weiter.“ So schwebt weiter die Hoffnung durch Schrobenhausen, dass „Kunst und mehr“ möglicherweise eine Fortsetzung finden könnte.

SZ