Schrobenhausen

Klartext bei der Bürgerversammlung

Harald Reisner (FW) hat in Sandizell einige Hausaufgaben mit auf den Weg bekommen

24.09.2022 | Stand 24.09.2022, 13:00 Uhr

Insgesamt gut 50 Interessierte waren zur ersten der sechs Bürgerversammlungen nach Sandizell gekommen.

Sandizell So machen Bürgerversammlungen Sinn: Wenn man offen diskutiert, wenn man die Dinge, die einen stören, klar (aber nicht unverschämt) anspricht, wenn man sich traut, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Genau das ist zum Auftakt der Schrobenhausener Bürgerversammlungen in Sandizell passiert. Da waren Bürgerinnen und Bürger da, die nicht nur hinter vorgehaltener Hand tuscheln, sondern die ganz einfach sagten, was Sache ist. Bürgermeister Harald Reisner (FW) und seine Mannschaft haben jetzt ordentlich zu tun, um alles sauber abzuarbeiten.

Gleich mehrere Themen, die angesprochen wurden, fielen dabei gar nicht in die Zuständigkeit der Stadt – etwa, wenn zu wenige Schulbus fahren oder wenn Kreisstraßen buckelig werden. Harald Reisner, der wie immer freundlich, fröhlich, aufgeräumt, und auch nach einem langen Bürotag immer noch hochkonzentriert vor seine Bürger getreten war, und viele Themen schnell und mit Witz abarbeitete.

Nicht ganz so einfach wurde es immer dann, wenn es um Themen ging, die eigentlich in den Aufgabenbereich fallen. „Auch wenn das eine Kreisstraße ist, erwarte ich von einem Bürgermeister, dass er sich kümmert“, meldete sich ein Bürger. „Was sollen wir da machen?“, erwiderte Reisner schulterzuckend. „Dasselbe bei der Diskussion über fehlende Schulbusse: „Sie sind der Bürgermeister!“, sagte die Mama, die es nicht gut findet, dass Ihr Kind oft stundenlang allein in der Stadt auf den Bus warten muss. Harald Reisner verstand, nickte und sagte: „Das ist kein Problem, wir erledigen das.“

Hier ein Überblick über die größeren Impulse aus der Sandizeller Bürgerversammlung:

Flächenphotovoltaik: „Jetzt werden so viele Flächen für Photovoltaik ausgewiesen – warum das alles an private Investoren geht und nicht an Bürgerenergie ...?“ Darauf Reisner: „Das war bisher kein Thema.“ Darauf der Bürger, Robert Dreier: „Ich kann nicht verstehen, warum man sich nicht von sic aus bemüht, dass man da was auf die Reihe kriegt.“ Darauf Reisner: „Wir haben uns damit nicht beschäftigt, aber die BEG macht jetzt eine Bürgerbeteiligung in Hörzhausen, und vielleicht geht auch was bei der geplanten Erweiterung in Gut Weil“.

Schulbus: „Wenn um 11.20 Uhr die Schule aus ist, haben die Kinder keine Möglichkeit, vor 13.30 Uhr heimzukommen“, meldete sich eine Mutter zu Wort, die es nicht gut findet, dass ihr Kind zwei-, dreimal pro Woche zwei Stunden lang allein in der Stadt warten muss. Das Problem besteht, seit es den Bürgerbus nicht mehr gibt. Das hätten ja Ehrenamtliche gemacht, aber die Stadt dürfe keine Ehrenamtlichen beschäftigen, erwiderte Reisner. Darauf die Mutter, Sandra Wegscheider: „Es funktioniert überall, in Pfaffenhofen, in Neuburg, bloß in Schrobenhausen funktioniert das nicht.“ Und Reisner: „Da können wir leider nichts machen.“

Eine andere Bürgerin ergänzte, dass doch aber um 11.30 Uhr ein Bus für die Grundschüler fahre, „Warum dürfen die Mittelschüler und die Realschüler da nicht mitfahren?“ Es sei sogar so, ergänzte jemand, dass die Busfahrerin mit dem halbleeren Bus gen Sandizell starte und die Wartenden hämisch angrinse ... „Das muss man doch in Griff kriegen können“, meldete sich ein Papa zu Wort. Und noch eine Mama: „Sonst fahren wieder Mamataxis, aber das ist doch auch nicht gewollte.“ Harald Reisner nickte und notierte das.

Falsche Homepage-Werbung: Er habe fest mit einem Zuschuss aus dem städtischen Förderprogramm Invest21 gerechnet, sagte ein Bürger, und die Stadt habe auf ihrer Homepage auch für das Programm geworben. Als es dann soweit war und er den Antrag stellte, sei er im Rathaus fast ausgelacht worden. „Das ist schon seit drei Monaten ausgelaufen“, habe man ihm erklärt, sagte Stephan Sieber. „Ihr macht Werbung – obwohl der Topf leer ist.“ Der Bürgermeister schnaufte tief durch und schrieb‘s auf.

Windkraft: Was die Stadt da plant, wurde ebenfalls thematisiert. „Wir haben uns jetzt die Flächen in der Hagenau gesichert“, berichtete Reisner, „damit kann für drei Jahre kein private Anbieter an die Grundstücke dran.“ Sollte es der Stadt nicht gelingen, in dieser Zeit etwas auf die Beine zu stellen, werde es ein offenes Bieterverfahren am freien Markt geben – mutmaßlich gut für die Waldbauern, aber die Stadt wäre dann raus. Deshalb würden jetzt Biologen eingeschaltet und alle nötigen Voruntersuchungen gemacht. „Grundsätzlich werden wir an Windkraft nicht mehr vorbeikommen“, sagte Reisner.

BVS-Anträge: Eine ganze Reihe von – teils bis zu drei Jahre alten – Anträgen, brachten Mitglieder der Wählergruppe BVS ein, die selbst kein Mandat im Stadtrat haben. Das war der Moment, wo eine gewisse Schärfe in die Diskussion kam. Was mit den Spielgeräten fürs Johannesfeld sei? Reisner: „Ist mit Franz Mühlpointner besprochen, sind da , werden aufgebaut.“ Und die Beleuchtung in der Grimolzhausener Straße? „Ist mit Franz Mühlpointner besprochen – liegt bei den Bayernwerken.“ Und der Sachstand zum umstrittenen Aushubzwischenlager? „Ist mit Franz Mühlpointner besprochen – liegt beim Landratsamt.“

Er habe ja eigentlich nichts sagen wollen, meldete sich der angesprochene Sandizeller Stadtrat Franz Mühlpointner dann doch zu Wort, aber hier werde der Eindruck erweckt, er behalte Informationen für sich. Das sei so nicht. „Über die Themen, die hier angesprochen wurden, reden wir seit drei Jahren ...“ Im Übrigen habe der Bauhof am Tag vor der Bürgerversammlung begonnen, die Spielgeräte aufzustellen.

Bei so viel Zufall kam Martin Kerner auf die folgende Idee: „Wenn sowas klappt, weil Bürgerversammlung ist, beantrage ich, dass wir sechs Bürgerversammlungen pro Jahr in Sandizell machen.“ Ein echter Ankommer im Saal.

Dann wurde es wieder ernst – weil Martin Kerner insgesamt 307 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern gegen das Aushubzwischenlager beim Sportplatz mitgebracht hatte, „Die nehme ich gerne an“, erwiderte Harald Reisner souverän.

Kamelbuckel: Noch ein Landkreisthema: Immer mehr Schwerlastverkehr habe in einer Kurve in der St. Peter Straße für regelrechte Kamelbuckel gesorgt. Mit der Folge, dass Autofahrer teils schon auf den Gehweg ausweichen, um den Buckel zu umfahren, das sei nicht ungefährlich. „Wir geben das weiter“, sagte Reisner.

Blackout: Roland Mühlpointner, der gerade als ehemaliger Sandizeller Feuerwehrkommandant bei einer Veranstaltung der Partei dieBasis als Experte für einen möglichen Blackout in Deutschland aufgetreten war, fragte, wie sich die Stadt denn für den Katastrophenfall vorbereite. Harald Reisner mahnte, dass man bei dem Thema einen kühlen Kopf bewahren möge, auch wenn es gerade sehr durch die Medien gehe. Dass es, sollte es tatsächlich im absoluten Extremfall zu einem solchen weitreichenden Stromausfall kommen, Probleme gäbe, gab Christoph Gläßel von der Stadtverwaltung unumwunden zu: „Das beginnt damit, dass dann kein Telefon mehr geht.“

Und weil nicht jedes ernste Thema nicht nicht immer ganz bierernst diskutiert und bedeutungsschwanger werden muss, nahmen die meisten Zuschauer im Saal den humorvollen Tipp einer breit grinsenden Sandizellerin zur Frage, was man denn beim Blackout tun könne, dankbar und lachend an. „Kuscheln!“

SZ