Gemeinderat Ehekirchen
Jonglieren mit Ressourcen bei knappen Kassen: Könnte die Gemeindebücherei ins Lehrerwohnhaus ziehen?

20.06.2024 | Stand 20.06.2024, 18:00 Uhr |

Die Gemeindebücherei könnte in das Lehrerwohnhaus einziehen und dort als Schul- und öffentliche Bibliothek fungieren, aber erst müsste das Gebäude saniert werden. Foto: Budke

Was wird aus der Ehekirchener Gemeindebücherei, die aufgrund von Raummangel derzeit stillgelegt ist? Und wie kann die Mittagsbetreuung so zukunftsfähig aufgestellt werden, dass auch gesetzliche Vorgaben erfüllt werden, ohne gleich ein neues Gebäude zu erstellen? Mit den Antwortmöglichkeiten auf diese Fragen beschäftigte sich der Gemeinderat am Dienstagabend.

Eigentlich hätte die Schulkind-Betreuung ein eigenes Gebäude bekommen sollen, doch es kam die knappe Haushaltslage der Gemeinde Ehekirchen dazwischen, die Pläne wurden gestoppt. Damit begann das Jonglieren mit vorhandenen Ressourcen – sprich Gebäuden. Weil in der Schule nicht genügend Räume zur Verfügung stehen, findet die Betreuung der Schulkinder nach Unterrichtsende im Gemeinschaftshaus statt. Die dort beheimatete Maxigruppe des Familienhilfevereins fand ein neues Zuhause im Jugendtreff. Für die Bücherei, im gleichen Haus angesiedelt, ging es weniger gut aus – die Einrichtung wurde auf unbestimmte Zeit stillgelegt.

Alle freiwilligen Leistungen auf dem Prüfstand

Die Idee, dass die Bücherei in das ehemalige Lehrerwohnhaus, in dem Räume leerstehen, einziehen könnte, erwies sich als problematisch: Dort gibt es Sanierungsbedarf, 30000 Euro sind dafür im Haushaltsplan eingestellt. Doch die Rechtsaufsicht fordert, alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand zu stellen. Ansonsten könne der Haushalt unter Umständen nicht genehmigt werden, betonte Geschäftsleiter Marc Beinen in der Sitzung. Allerdings waren sich die Räte einig: Auf die Bücherei möchten sie nicht verzichten. In der Diskussion wurden vor allem schlechte Pisa-Ergebnisse bei der Lesekompetenz als Argument angeführt und man habe einen Kultur- und Bildungsauftrag.

Walter Brunner, Leiter der Gemeindebücherei, hatte dem Gremium im Vorfeld Zahlen und Informationen zur Verfügung gestellt und wurde in der Sitzung um Stellungnahme gebeten: „Ich war immer sehr stolz auf die Gemeinde, die eine Bücherei betreibt“, meinte er. Er betonte, 70 Prozent der Ausleihen würden von Schülern vorgenommen: „In der heutigen Zeit wissen wir, wie wichtig Lesen ist.“ Seit 2004 darf die Bücherei laut Vertrag pro Jahr für 2700 Euro Medien anschaffen, Dieser Betrag wurde von 2004 bis 2014 und im Jahr 2019 ausgegeben, in den anderen Jahren nicht. Allerdings sind die Zahlen der Ausleihen stark rückläufig: Waren es 2020 noch 2147, wurden 2022 nur 284 Medien entliehen. Das Defizit der Einrichtung beträgt laut Bürgermeister Günter Gamisch (FW) 1400 bis 2000 Euro.

Nach Wortmeldungen einiger Ratsmitglieder fasste Thomas Braun (FW) zusammen: „Der Erhalt ist keine Frage in dieser Runde. “ Das unterstützte auch Lars Springwald, Schulleiter in Ehekirchen. Nach anfänglicher Überlegung, ob es eine reine Schulbücherei sein könnte in den Räumen der Schule, kristallisierte sich dann heraus, dass die Öffentlichkeit weiterhin willkommen sein soll. Beinen betonte die Forderung des Landratsamtes, Joachim Schmalbach antwortete: „Das sollte nicht der Punkt sein. Ich glaube, dass das Defizit geprüft werden muss und es werden sich Wege finden“.

So wurde mit allen 14 Stimmen der Beschluss gefasst, dass der Schulverband gefragt werden soll, ob er die Bücherei als öffentliche Schulbibliothek betreiben möchte. Untergebracht werden soll diese, nach der Sanierung, im Lehrerwohnhaus. Brunner soll ein Konzept erarbeiten, um die Ausleihzahlen zu steigern. Das Defizit soll geprüft werden, ebenso eine Beitragserhöhung.

Zukunftsfähige Schulkind-Betreuung gefragt

Auch bei den Vorschlägen, wie die Schulkind-Betreuung zukunftsfähig gemacht werden kann, war sich das Gremium einig. Ab dem Schuljahr 2026/27 wird diese zur Pflichtleistung, doch die Plätze reichen nicht, um den Bedarf für die erste bis vierte Klasse abzudecken. Gabi Huber, Leiterin der Mittagsbetreuung, hatte den Anbau einer Mensa an das Gemeinschaftshaus vorgeschlagen. Damit könnte der Vorraum des Hauses, in dem derzeit gegessen wird, als Gruppenraum genutzt werden.

Die gute Nachricht, die Beinen dazu im Vorfeld verkündet hatte: Es würde für den Anbau bis zu 90 Prozent Fördergelder geben. „Mit der Mensa hätten wir 150 Plätze, damit wären wir safe“, stellte Gamisch fest. Otto Plath brachte die kurze Diskussion auf den Punkt: „Ich denke, das ist eine Alternative, zu der es keine Alternative gibt.“ Entsprechend fiel die Abstimmung für den Anbau aus.

PV-Anlage für Rathausdach?

Kommt eine PV-Anlage auf das Rathaus in Ehekirchen? Im Prinzip eine gute Idee, doch die Rechnung der Energiegesellschaft Mittlere Donau (EMD), die eine solche Anlage auf dem Dach des Verwaltungssitzes der Gemeinde bauen würde, warf zunächst Fragen in der jüngsten Sitzung im Gemeinderat auf. Knapp 30 kw/p möchte die Gesellschaft planen. Die Laufzeit würde zwischen zehn und 20 Jahren liegen, die EMD hatte entsprechende Berechnungen geliefert. „Wir stellen die Fläche zur Verfügung und pachten die Anlage – für alle Seiten würde ein Benefit herauskommen“, las Bürgermeister Günter Gamisch (FW) aus den Zahlen, fragte aber direkt bei Ratsmitglied Andreas Karmann (CSU) nach: „Wir haben ja einen Fachmann, was sagt er dazu?“

Karmann war skeptisch: „Der Strompreis kommt mir zu hoch vor – wir haben doch 40 Cent beschlossen.“ Die EMD hatte allerdings mit gut 51 Cent gerechnet: „Das ist ein anderes Ergebnis“, stellte Karmann fest, was allen Räten klar war. So wurde kein Beschluss gefasst, sondern Rathauschef Gamisch beauftragt, den Strompreis erst zu klären, gegebenenfalls eine Neuberechnung anzufordern, wie auch einen Vertragsentwurf auszufertigen. Denn es war noch eine weitere Frage aufgekommen. Was passiert eigentlich, wenn der Strompreis sinkt?

DK